Espen Krafts Klangstadt: Cyberpunk-Schatten atmen

17. Feber 2026

LUMINA

Espen Krafts Klangstadt: Cyberpunk-Schatten atmen

Tauche ein in das neonbeleuchtete Labyrinth von Espen Krafts Studio, wo Klang zu Architektur wird und jeder Ton ein Splitter aus dystopischem Licht ist. In diesem atmosphärischen Blick hinter die Kulissen lädt Espen uns ein, die Alchemie beim Erschaffen eines cyberpunk-industriellen Synth-Tracks mitzuerleben – dort, wo analoge Legenden und menschlicher Atem verschmelzen. Hier pulsiert der Rhythmus wie das rastlose Herz einer Stadt, und Texturen schweben zwischen Mechanik und Gespenstischem. Für alle, die Musik lieben, die sich wie Regen auf Chrom anfühlt und in verlassenen Korridoren nachhallt, ist dies eine Reise, die sich lohnt.

Neon-Nebel: Die Cyberpunk-Leinwand

Espen Kraft öffnet das Portal zu seiner neuesten Kreation, einem Track, der in dystopischem Dunst und cybernetischer Faszination getränkt ist. Die Stimmung ist unverkennbar dunkel, eine Klanglandschaft, gemalt in Synth-Schatten und industriellem Schmutz. Das ist nicht einfach Musik – es ist eine Welt, die von Grund auf gebaut wird, in der jedes Element mit der Spannung einer regennassen Gasse pulsiert. Die Cyberpunk-Ästhetik ist mehr als ein Stil; sie ist die Luft, die der Track atmet, schwer von Erwartung und digitalen Geistern.

It's kind of dystopian dark, greatly dirty synth and I sing with a very low voice.

© Screenshot/Zitat: Espenkraft (YouTube)

Maschinen als Architekten: TR-808 & Jupiter-8

Am Fundament dieser klanglichen Metropole stehen zwei Titanen: die Roland TR-808 und der Jupiter-8. Die 808 skizziert den Herzschlag der Stadt, ihre Kicks, Snares und Hi-Hats bilden das rhythmische Gerüst. Espen programmiert einfache Patterns und wechselt subtil zwischen A- und B-Variationen – jede Runde verändert die Architektur ein wenig.

Der Jupiter-8 tritt als Architekt des harmonischen Raums hinzu, seine satten Töne weben sich durch das rhythmische Raster. Diese Instrumente sind nicht bloß Werkzeuge – sie sind Charaktere, jeder mit eigener magnetischer Resonanz. Gemeinsam erschaffen sie eine Palette, die vertraut und doch fremd wirkt, verankern den Track in analoger Wärme und lassen gleichzeitig etwas hinter dem Neon-Nebel erahnen.


Textur-Alchemie: Das Filtern des Betons

In the final track, it's run through different filters and it's dirted up, filtered up and I've taken out sections which I've enhanced in…

© Screenshot/Zitat: Espenkraft (YouTube)

Das trockene Signal der 808 ist nur der Anfang. Espen verwandelt dieses Rohmaterial, jagt es durch Filter, Verzerrungen und kreative Bearbeitungen. Das Ergebnis ist ein Drum-Sound, der gelebt wirkt – abgeschabt, verschmutzt und von den Echos vergessener Maschinen heimgesucht. Jeder Abschnitt wird herausgeschnitten, veredelt und neu gedacht, das Alltägliche wird zum Kino.

Experimentieren ist der Leitstern. Der Arpeggiator des Jupiter-8 wird mit der 808 synchronisiert, und während Espen Filter dreht und Patterns triggert, blühen neue Texturen wie gebrochenes Licht über einer nächtlichen Skyline auf. Der Prozess ist taktil, fast skulptural – Klänge werden geschnitten, geloopt und geschichtet, bis sie vor Atmosphäre schimmern. Die wahre Magie, so verrät Espen, liegt darin, diese flüchtigen Momente einzufangen, bevor sie im Äther verschwinden.

Vokale Schatten: Die menschliche Maschine

Jenseits der Schaltkreise wird Espens eigene Stimme zum Instrument der Faszination. Er singt in einer so tiefen Lage, dass fast die Dielen vibrieren, und nimmt früh am Morgen auf, bevor der Tag diese subterranen Töne raubt. Die Dringlichkeit des Prozesses – die Stimme einzufangen, bevor sie entschwindet – verleiht dem synthetischen Kern des Tracks eine rohe, menschliche Kante.

Doch die Stimme ist mehr als Melodie. Zischende, staubsaugerähnliche Klänge schweben durch den Mix, nicht von einem Synth, sondern von Espen, der in das Mikrofon einatmet. Diese gespenstischen Texturen, geformt durch Atem und bis zur Unkenntlichkeit gefiltert, werden zu den Geistern des Tracks. Sie folgen dem Rhythmus, biegen sich mit der Emotion und erinnern uns daran, dass manchmal die eindrucksvollsten Klänge aus den einfachsten Gesten entstehen.

Sometimes the things you have without having to pay for it is the best gear to use so to speak.

© Screenshot/Zitat: Espenkraft (YouTube)

Improvisation: Wo Zufälle zu Architektur werden

Because magic might happen in a couple of seconds and very loopable magic as well.

© Screenshot/Zitat: Espenkraft (YouTube)

Espens Arbeitsweise ist ein Tanz mit dem Unbekannten. Jede Session wird aufgenommen, sodass Zufälle und Improvisationen zu Bausteinen des finalen Werks werden. Diese Philosophie – immer das Band laufen lassen, immer auf das Unerwartete lauschen – sorgt dafür, dass magische Momente nie verloren gehen. Die Klangstadt wächst organisch, jede Schleife und jedes Sample ein Fundstück, neu interpretiert.

Techniken wie Zerschneiden, Sampeln und Loopen sind nicht nur technische Schritte, sondern Einladungen zur Entdeckung. Der Track entwickelt sich, während Schichten hinzugefügt, entfernt und transformiert werden – jeder Durchgang offenbart neue Korridore und verborgene Räume. Es herrscht ein Gefühl von Spiel und Neugier, das die Hand ebenso leitet wie die Absicht.

Um den magnetischen Sog dieser Klanggeister wirklich zu spüren, muss man den Prozess in Bewegung erleben. Das Video ist ein Zeugnis für die Schönheit der Improvisation und die Kraft, Maschinen – und Momenten – die Führung zu überlassen. Manche Atmosphären kann man nur erleben, nicht beschreiben; Espens Studio ist solch ein Ort.

Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/espen-krafts-sonic-city-breathing-cyberpunk-shadows/
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