Metamyther & Kevin Keller: Solar 42N—Ein Synthesizer, der Nebel atmet

8. Oktober 2026

LUMINA

Metamyther & Kevin Keller: Solar 42N—Ein Synthesizer, der Nebel atmet

Im atmosphärischen Dunst von Metamythers neuem Synth Showcase treiben wir mit Ambient-Komponist Kevin Keller durch die Weiten des Solar 42N – ein Synthesizer mit der Anziehungskraft eines sterbenden Sterns. Über taktile Oszillatoren, spektrale Drones und lichtempfindliche Magie lädt der Solar 42N uns in eine Welt ein, in der Klang weniger gespielt als beschworen wird. Dies ist keine technische Abhandlung, sondern ein poetisches Eintauchen, geführt von Schöpfern, die Raum und Stille gestalten. Erwartet Akkorde, die wie Hitze auf Asphalt flirren, und Performances, die zwischen den Ritzen der Zeit gleiten.

Morgendämmerung des Solar 42N: Sternbilder in Schaltkreisen

Der Solar 42N ist nicht einfach ein Synthesizer – er ist ein Gravitationszentrum für Klangforscher und wird hier als Herzstück von Metamythers neuem Format vorgestellt. Mit Komponist Kevin Keller am Steuer erscheint das Instrument als Gefäß für ambientes Erzählen, ein Wettersystem aus Oszillatoren und geheimnisvollen Modulen.

Von Anfang an wird seine Architektur als Gitter aus 42 Oszillatoren beschrieben, gruppiert in Module, von denen jedes Drones gebären kann, die wie Staubkörner im Sonnenstrahl schweben. Die einzigartige Organisation des Solar 42N – fünf stimmbaren Sägezahn-Drones pro Modul – deutet auf eine Maschine hin, die für Harmonik und Resonanz gebaut wurde und jene belohnt, die Akkorde formen wollen, die organisch aufblühen und vergehen.


Kevin Kellers klangliche Rituale: Live, allein und Altus

Kevin Kellers Beziehung zum Solar 42N ist mehr als technisch – sie ist hingebungsvoll. Beim Brooklyn Experimental Electronic Music Show verwandelte Keller mit nichts als diesem Synthesizer die Bühne in einen Raum, in dem jeder Ton ein bewusster Schöpfungsakt war. Sein aktuelles Album Altus findet seinen Puls in den Schaltkreisen des Solar, das Instrument dient dabei als Palette und Pinsel zugleich.

Kellers Ansatz ist geerdet und doch forschend; er beschreibt das Bauen von Drones nicht durch überwältigende Komplexität, sondern durch das Destillieren von Akkorden auf ihre Essenz – Grundton und Quinte – und lässt so den natürlichen Charakter des Instruments resonieren. So wird der Solar 42N zu seinem Mitverschwörer, der Kompositionen lenkt, die vor Zurückhaltung und Intention schimmern.


Organische Maschinen: Spielbarkeit und die Kunst atmosphärischer Entwicklung

Das Herz des Solar 42N schlägt mit organischem, sich ständig veränderndem Klang. Sein spielbares Interface – Druckplatten, Joystick und Lichtsensoren – lädt den Performer zum taktilen Dialog ein, in dem Klangfarbe und Modulation durch Gesten und Licht geformt werden. Jedes blau geknöpfte Drone-Modul summt mit Sci-Fi-Unberechenbarkeit, während Sequencer mit klassischen Space-Music-Ostinati blubbern und den Geist von Tangerine Dream heraufbeschwören.

Die Dual-Filter des Instruments, LFOs und eine Konstellation von Effekt-Cartridges (mit Namen wie Infinity und Cathedral) machen jede Bewegung zu einer sich wandelnden Klanglandschaft. Das Interface ist keine Glasbarriere, sondern eine Leinwand für sich entwickelnde Atmosphären, in denen Melodien wie Lichtstrahlen durch Nebel brechen und jede Live-Änderung eine Welle im Klangraum erzeugt. Manche Texturen, manche Momente – wie das Schimmern des Infinity-Delays – muss man hören, um sie zu glauben; das Video selbst wird zum Portal in diese Feinheiten.

Sie machen diese mehr wie Space-Sci-Fi.

© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)

Komponieren jenseits der Tasten: Techniken für unerforschte Harmonien

Für mein Set habe ich Aeolian verwendet, das ist quasi die Standard-Molltonart.

© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)

Keller offenbart, dass die wahre Kraft des Solar 42N in seiner Fähigkeit liegt, die Tyrannei der traditionellen Tastatur zu durchbrechen. Mit Modi von Ionisch bis zu japanischen Volks-Tonleitern werden die Touchplates zum Garten unerwarteter Harmonien. Keller wählt Skalen nach Gefühl, nicht nach Theorie, und lässt die Intuition bestimmen, wo jeder Drone im harmonischen Nebel landet.

Komposition und Improvisation verschmelzen, während das Interface Grenzen auflöst – Arpeggiatoren erinnern sich an flüchtige Gesten, das Stimmen erfolgt nach Gehör, nicht nach Algorithmus. Das Fehlen von MIDI ist keine Einschränkung, sondern eine Einladung zur manuellen Synchronisation, zum Spielen mit dem Instrument als lebendigem Partner in der Erkundung. Hier ermutigt der Solar 42N zu klanglichem Risiko und belohnt jene, die bereit sind, sich abseits der Karte zu bewegen.

Eine lebendige Demo: Der Solar 42N in voller Blüte

Die abschließenden Momente des Videos sind ein Fluss aus Live-Klang, in dem Keller den Solar 42N in voller Blüte zeigt. Schichten von Drones verschieben sich wie Polarlichter; Sequencer flackern, Effekte wirbeln ins Unendliche. Techniken entfalten sich in Echtzeit – Arpeggiatoren verstummen, Drones treten in den Vordergrund, und die gesamte Stimmung wandelt sich, als würde der Synth selbst neue Atmosphären ein- und ausatmen.

Es gibt eine taktile Freude am Panning, Faden und Formen des Mixes im Moment. Der Solar 42N wird als echtes Standalone-Instrument gefeiert, eine in sich geschlossene Galaxie für alle, die Kontrolle und Überraschung suchen. Beim Zuschauen spürt man: Manche Geheimnisse lassen sich nur im Moment erleben – die wahre Resonanz dieses Instruments klingt lange nach, wenn der letzte Ton im Nichts verhallt.

Es war wirklich befreiend, mehrere Stücke auf dem Album zu machen, die buchstäblich nur eine Art strukturierte Improvisation in diesem…

© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)

Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch. Du findest ihn hier: https://synthmagazine.com/metamyther-kevin-keller-solar-42n-a-synth-that-breathes-in-nebulae/
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