Das Labyrinth von Moog Music verlässt die melodische Komfortzone und betritt im offiziellen Demo die rhythmische Arena – und zeigt, was es als flexible Drum Machine draufhat. Im Video wird demonstriert, wie sich Signalwege trennen, Hüllkurven steuern und alles von Sine-Kicks bis zu schneidenden, noisegefilterten Hi-Hats patchen lässt. Mit Sequencer-Tricks, sich entwickelnden Steuerspannungen und einer ordentlichen Portion generativem Chaos über den CORRUPT-Regler offenbart das Labyrinth ein Talent für perkussives Sounddesign, das weit über das übliche Mono-Synth-Konzept hinausgeht. Wer wissen will, wie diese Moog-Kiste zur Zweikanal-Drum-Machine mutiert, bekommt hier eine Patch-für-Patch-Analyse, die neugierig macht.

12. Juli 2024
MILES
Moog Music Labyrinth: Percussive Patching und Drum Machine-Dekonstruktion
Ausbruch: Labyrinth als Drum Machine
Moog Musics Labyrinth ist nicht nur ein melodischer Sequencer – mit ein paar Handgriffen wird daraus eine erstaunlich flexible Drum Machine. Das Video zeigt, wie die Architektur des Labyrinths eine duophone Arbeitsweise ermöglicht, indem der Signalweg aufgeteilt wird, um zwei unabhängige perkussive Stimmen zu erzeugen. Diese Trennung ist der Schlüssel, um das Instrument vom klassischen Synth zur Zweikanal-Drum-Machine zu verwandeln, wobei jeder Kanal unabhängig getriggert und moduliert werden kann.
Durch das Entkoppeln der Sequencer-Trigger und Hüllkurven entsteht ein Patch, bei dem jede perkussive Stimme individuell geformt werden kann. Das Ergebnis ist ein flexibles System, das klassisches Drum-Machine-Verhalten nachahmen kann – aber mit der Unberechenbarkeit und dem Hands-on-Charakter, den Modular-Fans lieben. Hier geht es weniger um das Nachbilden einer festen Box, sondern vielmehr um kreative Routing-Möglichkeiten, die zum Experimentieren einladen.

"Labyrinth eignet sich besonders gut für Percussion-Sounds, weil wir den Signalweg in ein eher duophones Verhalten aufteilen können, um zwei unabhängige Sounds zu erhalten."
("Labyrinth is particularly well suited to percussion sounds because we can separate the voice path into more of a duophonic behavior to be able to get two independent sounds.")© Screenshot/Zitat: Moogsynthesizers (YouTube)
Signalweg-Chirurgie: Kicks, Hats und unabhängige Hüllkurven

"Mit diesem Patch habe ich es jetzt so gemacht, dass EG2 nur noch vom unteren Sequencer getriggert wird und im Filterpfad liegt, während EG1 normalerweise für die Modulation des Filters an diesem Attenuverter verwendet wird, übernimmt das jetzt EG2."
("So now with this patching what I've done is made it so that EG2 is only going to get triggered by the bottom sequencer, and in the filter path, whereas EG1 is normally used for modulation of the filter on this attenuverter, now EG2 is going to replace it.")© Screenshot/Zitat: Moogsynthesizers (YouTube)
Das Herzstück des Patches liegt darin, den Noise-Ausgang direkt in das VCF zu schicken und so das normale Routing vom Mixer zum Filter zu unterbrechen. Dadurch ist der Filterweg jetzt ganz dem Noise gewidmet, wobei der Noise-Tone-Regler weiterhin den Charakter vor dem Filter beeinflusst. EG2 wird ausschließlich von Sequencer 2 getriggert und moduliert die Filter-Cutoff – volle Hüllkurvenkontrolle über die Noise-basierte Drum-Stimme.
EG1 hingegen steuert den VCA-CV-Eingang des Wavefolders und übernimmt so Modulation und Lautstärke für den Hauptoszillator. Damit ist die Bühne frei für klassische Kickdrum-Synthese: Oszillator 1 läuft durch den Mixer und Wavefolder, wobei das Clipping des Mixers für mehr Punch sorgt. Im Video wird gezeigt, wie durch Tweaks an Hüllkurve, Mixer-Level und Wavefolder-Bias verschiedene Kick-Timbres entstehen – von subtilen Sine-Kicks bis zu aggressiveren, gefalteten Sounds. Der Noise-Pfad, geformt durch das Bandpass-Filter, liefert Hi-Hat- und Snare-ähnliche Texturen, wobei Filtermodus und Resonanz weitere Klangformung ermöglichen.
Sequencer-Zauberei: Evolving Rhythms und klangliche Verschiebungen
Der Sequencer im Labyrinth ist weit mehr als nur ein Trigger-Lieferant – er erzeugt sich entwickelnde Steuerspannungen, die auf verschiedene Parameter geroutet werden können. Durch das Erhöhen des CV-Bereichs auf beiden Sequencern zeigt der Demonstrator, wie jeder Gate-Step eine Zufallsspannung erzeugt, die statt der Tonhöhe z.B. Filter oder Wavefolder moduliert. So entstehen subtile bis drastische klangliche Verschiebungen im Drum-Pattern, was dem Groove eine generative Note verleiht.
Der CORRUPT-Regler treibt das Ganze noch weiter: Unter 50% sorgt er für Bewegung ohne Musterwechsel, darüber schreibt er das Pattern ständig um – mit ständig wechselnden Rhythmen und Texturen. Das ist Moog-typisch: kontrolliertes Chaos und glückliche Zufälle werden Teil des Patches. Die Möglichkeit, Pattern-Längen für jeden Sequencer unabhängig zu wählen, öffnet zudem die Tür für polymetrische Spielereien, bei denen sich die Patterns gegeneinander verschieben.

"Man hört, dass diese Bewegung über mehrere Zyklen hinweg bestehen bleibt, wobei Step fünf etwas stärker gefaltet wird als Step eins und sieben, aber mit den Corrupt-Reglern kann ich das Verhalten generativer machen, sodass es sich von selbst bewegt und nicht mehr über die Zyklen hinweg gleich bleibt."
("So you can hear we get this movement that's persistent across multiple cycles where I can hear that this step five is getting folded a little bit harder than step one and step seven, but what I can do with the corrupt knobs is make the behavior a little bit more generative so that it moves on its own and it doesn't persist across cycles in quite the same way.")© Screenshot/Zitat: Moogsynthesizers (YouTube)
Bit Shift und Buffer: Rhythmusrotation und Pattern-Recall

"Wenn ich ihn gedrückt halte, blinkt er irgendwann grün, und das zeigt mir, dass das Pattern, das ich jetzt habe, gespeichert ist."
("when I hold it it's going to blink green eventually and that lets me know that the pattern that I have now is stored.")© Screenshot/Zitat: Moogsynthesizers (YouTube)
Über die Basics hinaus erlauben die BIT SHIFT-Controls das Echtzeit-Rotieren von Patterns – Noten lassen sich im laufenden Betrieb verschieben, ohne die Steps neu zu programmieren. Gerade für Live- oder Improvisations-Setups ist das ein praktisches Werkzeug, um Grooves spontan weiterzuentwickeln. Im Video wird gezeigt, wie durch Pattern-Shifting schnell neue rhythmische Ideen entstehen und der Drum-Workflow lebendig bleibt.
Die BUFFER-Funktion rundet das Performance-Toolkit ab: Mit einem Tastendruck wird der aktuelle Pattern-Zustand gespeichert. So kann man mit CORRUPT oder anderen Reglern frei experimentieren und jederzeit zum Lieblingsgroove zurückspringen. Besonders bei generativen Experimenten mit dem Labyrinth ist das Gold wert – wenn die Maschine einen Glückstreffer landet, kann man ihn sofort sichern, bevor das Chaos übernimmt. Der Blend-Regler wird ebenfalls hervorgehoben und ermöglicht schnelles Balancing zwischen den Drum-Stimmen. Insgesamt wird das Labyrinth so zu einer erstaunlich tiefgründigen und spielerischen Drum Machine für modular-affine Nutzer.
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