Voltage Labs beleuchtet Jennifer Loveless: Ein Studio der klanglichen Migration

23. Feber 2026

LUMINA

Voltage Labs beleuchtet Jennifer Loveless: Ein Studio der klanglichen Migration

Tauche ein in den Zwischenraum, wo analoge Wärme auf digitale Klarheit trifft, denn Voltage Labs lädt uns in den kreativen Nebel von Jennifer Loveless ein. Bei diesem Studiobesuch wird Klang nicht nur erschaffen – er wird freigelegt, aus Maschinen hervorgelockt, die sowohl Geschichte als auch Gegenwart atmen. Loveless’ Prozess ist ein Tanz aus Intuition und Experiment, ihre Gerätesammlung eine Konstellation, die Jahre der Bewegung und Neuerfindung widerspiegelt. Voltage Labs, stets Chronist musikalischer Erzählungen, fängt nicht nur die taktilen Details ihres Setups ein, sondern auch die emotionalen Unterströmungen, die ihre Musik formen. Bereite dich darauf vor, durch eine Welt zu treiben, in der jeder Ton eine Erinnerung ist und jede Maschine von Geschichte summt.

Zwischen Schaltkreisen und Wolken: Der hybride Prozess

Jennifer Loveless’ kreative Reise beginnt mit dem Taktilen – dem Druck auf Tasten, dem Drehen eines Knopfs, dem Nachhall analoger Schaltkreise. Doch ihr Prozess ist nicht an eine Welt gebunden. Sie webt zwischen dem Physischen und dem Digitalen, lässt Ableton als Gefäß dienen, das ihre klanglichen Skizzen in die Welt trägt. Dieses Wechselspiel ist kein technischer Kompromiss, sondern ein lebendiger Dialog, bei dem jedes Werkzeug seine eigene Farbe in die entstehende Klanglandschaft haucht.

Es ist ein Ansatz, der aus Intuition geboren ist, geprägt von Jahren am Klavier und einer natürlichen Hinwendung zu dem, was sich im Moment richtig anfühlt. Loveless zwingt ihren Workflow nicht in starre Muster; stattdessen lässt sie die Inspiration den Weg bestimmen und bewegt sich fließend zwischen Hardware und Software, wie es die Musik verlangt. Das Ergebnis ist ein Prozess, der so organisch wie bewusst wirkt – eine Mischung aus Struktur und Zufall.

Mein Prozess ist eine Mischung aus analogem und digitalem Equipment.

© Screenshot/Zitat: Voltage Labs (YouTube)

Das Unbekannte umarmen: Spontaneität als Muse

Ich mag es irgendwie, mir eine Art Amateurhaltung zu bewahren.

© Screenshot/Zitat: Voltage Labs (YouTube)

Für Loveless ist das Schaffen ein Sprung ins Unbekannte, geleitet von Neugier und der Freude an Entdeckung. Manchmal trifft ein neues Gerät ein, dessen unerforschtes Potenzial eine frische Richtung entfacht. Ein anderes Mal wird eine flüchtige Idee oder ein Referenztrack zum Samen, aus dem ein neues Stück wächst. Es gibt keine feste Formel – nur die Bereitschaft, dem Klang zu folgen, wohin er führt.

Sie pflegt bewusst eine Haltung des Anfängergeistes und findet Aufregung im Unvertrauten. Ob es ein Synthesizer ist, der gerade erst ausgepackt wurde, oder eine Idee, die sie aus dem Club mitgebracht hat – Loveless lebt von der Energie des Anfangs. Diese Offenheit für Experimente hält ihre Musik lebendig, jeder Track ist eine Momentaufnahme der Inspiration, frei von Erwartung oder Routine.

Ein Studio aus klanglichen Relikten und neuen Obsessionen

Das Studio ist ein lebendiges Archiv, jedes Instrument ein Kapitel in Loveless’ fortlaufender Geschichte. Vom verfärbten Teenage Engineering Synth, ihrem allerersten, bis hin zum frisch ausgepackten Mini-Mixer – jedes Stück trägt seine eigene Geschichte. Manche reisten im Handgepäck über Kontinente, andere wurden gekauft, um einem neuen Klang oder einer neuen Technik nachzujagen. Die Sammlung ist eklektisch, ein Mosaik aus alten Favoriten und aktuellen Faszinationen.

Dieser Raum ist mehr als ein Arbeitsplatz – er ist ein Refugium, in dem Nostalgie und Neuheit koexistieren. Der Pioneer RMX 1000, inspiriert von einem prägenden DJ-Set, steht neben dem Organelle und dem allgegenwärtigen MPC. Selbst die skurrilsten Neuzugänge, wie die Soma Pipe, sind Einladungen, unerforschtes klangliches Terrain zu erkunden. Loveless’ Geräte sind nicht nur Werkzeuge, sondern eine Landkarte ihrer künstlerischen Migration – jedes Gerät summt von den Geistern vergangener Performances und dem Versprechen zukünftiger Experimente.

Ich dachte, es wäre cool, damit richtig verrückte FX-Sounds zu machen.

© Screenshot/Zitat: Voltage Labs (YouTube)

Berlin: Migration, Erschöpfung und Erneuerung

Loveless’ Umzug von Australien nach Berlin markierte einen Wendepunkt – persönlich wie künstlerisch. Der Schritt eröffnete ein neues Kapitel internationalen Tourens, brachte aber auch ungeahnte Herausforderungen. Der endlose Kreislauf des Reisens ließ kaum Raum für Kreativität, Erschöpfung – körperlich, mental und schöpferisch – legte sich wie ein schwerer Nebel.

Doch inmitten dieser Turbulenz fand Loveless Klarheit. Der Druck, ständig zu produzieren, wich einem tieferen Verständnis für ihre eigenen Rhythmen. Sie lernte, Energie zu bewahren, Ruhephasen zu achten und sich dem kapitalistischen Drang zu widersetzen, nur um des Produzierens willen Musik zu machen. Berlin wurde nicht nur ein neues Zuhause, sondern ein Schmelztiegel, in dem ihre Kunst neu geschmiedet wurde – bewusster und ehrlicher als zuvor.


Tracks mit Gewicht: Emotion im Zentrum des Schaffens

Für mich muss ein Track mir irgendeine Emotion geben und auch etwas sagen oder fühlen.

© Screenshot/Zitat: Voltage Labs (YouTube)

Jenseits von Schaltkreisen und Zeitplänen ist Loveless’ Musik im Gefühl verankert. Sie weigert sich, Tracks nur für den endlosen Strom an Veröffentlichungen zu machen; jedes Stück muss emotionale Resonanz tragen, muss etwas Echtes sagen oder hervorrufen. Diese Hingabe an Authentizität ist während des Studiobesuchs spürbar, wenn Voltage Labs’ Linse nicht nur auf das Equipment, sondern auch auf die stillen Momente der Reflexion und Absicht verweilt.

Die letzten zwei Jahre waren eine Lektion in Geduld und Selbstvertrauen. Loveless hat gelernt, dass es besser ist zu warten, wenn die Musik nicht bereit ist, als sie zu erzwingen. Nun, mit einem erneuerten Gefühl von Balance und Zugehörigkeit in Berlin, kann sie wieder aus Ehrlichkeit schöpfen. Das Ergebnis sind Stücke, die gelebt wirken, Tracks, die Nebel und gebrochenes Licht ausatmen und die Zuhörer einladen, darin zu treiben.

Um die magnetische Resonanz von Loveless’ Prozess wirklich zu spüren – die taktile Freude an ihrem Equipment, die subtilen Stimmungswechsel, die klanglichen Geister, die ihre Melodien durchziehen – sollte man das Video selbst erleben. Dort, im Zusammenspiel von Bild und Klang, blüht ihre Geschichte in voller Farbe auf.

Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/voltage-labs-illuminates-jennifer-loveless-a-studio-of-sonic-migration/
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