4ms Company trifft LZX Industries: Videosynthese, offene Zusammenarbeit und der Aufstieg des Videomancer

21. Juli 2026

MILES

4ms Company trifft LZX Industries: Videosynthese, offene Zusammenarbeit und der Aufstieg des Videomancer

LZX Industries, die texanisch-portländischen Pioniere der Videosynthese, treffen auf 4ms Company zum tiefgehenden Gespräch über Philosophie und Praxis modularer Videoarbeit im Eurorack. Dieses einstündige Gespräch verzichtet auf Marketingfloskeln und beleuchtet stattdessen DIY-Wurzeln, technische Hürden und den kollaborativen, Open-Source-Geist, der LZX seit 2008 antreibt. Nebenbei gibt es einen Einblick in den neuen Videomancer – einen Desktop-Prozessor für visuelle Effekte mit HDMI, der Musiker und Visualisten gleichermaßen anspricht – und es wird gezeigt, wie Audio- und Videowelten im Patch verschmelzen. Wer sich für die echten Grundlagen modularer Videosynthese interessiert oder einfach eine Rückkopplung zwischen Lötkolben und Kino sucht, findet hier jede Menge patchbare Einblicke.

Ursprünge: LZX Industries und die Anfänge der modularen Videosynthese

LZX Industries wird hier als Vorreiter in der Welt der Videosynthese vorgestellt und ist seit 2008 fest im Eurorack-Format verankert. Lars Larsen berichtet, wie die Wurzeln des Unternehmens bis in die texanische DIY-Szene zurückreichen, die sich mit dem frühen Wandel von 4ms von Effektpedalen zu Modularsystemen und der Eröffnung von Switched On in Austin überschneiden – eine Zeit, in der Eurorack noch weit davon entfernt war, ein Marktgigant zu sein. Es ging weniger um Produktlaunches als vielmehr um den Aufbau einer Szene, in der Module getauscht, Ideen über lange E-Mail-Ketten gehandelt und Schaltpläne in Online-Foren diskutiert wurden.

Jonah Langes Geschichte unterstreicht den kollaborativen und multidisziplinären Charakter des frühen LZX: vom Schreiner bis zum PCB-Designer, mit Stationen in Punkbands und Filmschule. Die Diskussion zeigt, dass Hardware-basierte elektronische Musik Ende der 2000er ein Nischeninteresse im Nischenbereich war – noch zugänglich über Pfandhaus-Junos und circuit-bending-Mixer, nicht über massenproduzierte Modularsysteme. Der Übergang von DIY-Projekten wie BitVision zu vollwertigen Videosynthesizer-Modulen war eher von technischer Neugier als von einem großen Plan getrieben; frühe Module wie die Visionary-Serie entstanden aus einem Flickenteppich aus Forenratschlägen und Experimenten.


Videomancer: Plug-and-Play-Visuals für Patch-Enthusiasten

Das Gespräch schwenkt zum neuen Videomancer, den LZX als eigenständigen, benutzerfreundlichen Effektprozessor für Live-Visuals präsentiert. Es handelt sich nicht um ein Eurorack-Modul, sondern um ein Desktop-Gerät, das Plug-and-Play-fähig ist und weder Spezialausrüstung noch tiefes Vorwissen erfordert, wie es bei klassischer Videosynthese oft nötig ist. Die Idee: Video rein, Effekt raus – mit möglichst wenig Hürden.

Mit HDMI-I/O als Standard geht Videomancer auf die Realität moderner AV-Setups ein – kein Suchen mehr nach analogen Eingängen am Fernseher. Ross (von 4ms) beschreibt, wie er das Gerät für generative Feedback-Visuals per Kameraloopback nutzte und dabei die Direktheit und den Spaß des Instruments hervorhebt. LZX beantwortet damit die ewige Frage von Musikern, die ohne Laptop oder stundenlanges Patchen in Visuals einsteigen wollen: eine Kiste, die man einfach einschaltet, anschließt und sofort erkunden kann.

Videomancer ist kein Eurorack-Modul. Es ist ein eigenständiges Gerät.

© Screenshot/Zitat: 4Mscompany (YouTube)

Unter der Haube: Features und kreative Möglichkeiten des Videomancer

Im Grunde ist es wie ein Synth mit 12 Parametern. Es gibt eine überlagerte Modulations-Engine, aber welche Parameter das sind, hängt vom…

© Screenshot/Zitat: 4Mscompany (YouTube)

Das technische Herzstück des Videomancer ist ein FPGA, das es ermöglicht, eingehende Videoströme in Echtzeit mit geringer Latenz zu verarbeiten. Ein zentrales Verkaufsargument ist die Fähigkeit, verschiedene Effektprogramme zu laden – der Videomancer ist also eher ein visueller Chamäleon als eine Effektbox mit festgelegter Funktion. Aktuell sind über 30 Programme in der Beta-Firmware enthalten, und ein Open-Source-SDK steht für Nutzer bereit, die eigene Effekte entwickeln möchten – ein klarer Verweis auf die DIY-Wurzeln und den offenen Geist von LZX.

Die Bedienoberfläche bietet Kontrolle über 12 Parameter pro Programm, mit eigenem Modulations-Engine sowie MIDI- und CV-I/O zur Integration mit anderem Equipment. Je nach geladenem Programm verändern sich diese Parameter – von klassischer Farbverarbeitung bis zu wilden, generativen Verzerrungen. HDMI sorgt für Kompatibilität mit aktuellen Geräten, das Desktop-Format benötigt weder Rackplatz noch ein Case.

Das Team erklärt, dass der Videomancer irgendwo zwischen Videospielkonsole, Heimcomputer und Drum-Machine angesiedelt ist – ein vielseitiger Prozessor für alle, die die Direktheit von Hardware schätzen, aber die Flexibilität wollen, das Gerät mit jedem neuen Patch neu zu definieren. Für Experimentierfreudige gibt es sogar grundlegende Vektorsynthese im charmant lo-fi Stil à la SIGGRAPH 1982.

Audio trifft Video: Cross-Patching und AV-Integration

Ein wesentlicher Teil der Diskussion widmet sich der Schnittstelle zwischen Audio und Video im modularen Workflow. LZX-Systeme sind darauf ausgelegt, Steuerspannungen aus Audiomodulen zu akzeptieren und eröffnen so tiefe Möglichkeiten für AV-Integration. Das Team erläutert, wie klassische Eurorack-Module – LFOs, Hüllkurvengeneratoren, Sequencer – über Skalierungs-Module wie Bridge in sinnvolle Videomodulation übersetzt werden können, was alles von synchronisierten Visuals bis zu wilden Modulationsexperimenten ermöglicht.

Dieser Ansatz bedeutet, dass dieselben rhythmischen oder melodischen Signale, die das Synthesizer-Setup steuern, gleichzeitig das Video animieren können – ein echtes Patch-Paradies. Das modulare Ethos wird deutlich: Patch, was du hast, probiere aus, was eigentlich nicht funktionieren sollte, und lass dich vom Ergebnis überraschen. Der Videomancer mit seinen MIDI- und CV-Optionen überträgt diese Logik auf Standalone-Hardware und lädt Musiker wie Visualisten gleichermaßen dazu ein, Grenzen zu überschreiten.

Man kann sie sehr einfach auf LZX-Spannungen skalieren und damit Video steuern.

© Screenshot/Zitat: 4Mscompany (YouTube)

Ethos und Entwicklung: LZXs Open-Source-Herz und kollaborativer Geist

Ideen kann jeder haben. Ich hasse diese Boomer-Mentalität, dass man mit einer Idee reich wird.

© Screenshot/Zitat: 4Mscompany (YouTube)

Vielleicht am auffälligsten ist in diesem Gespräch, wie sehr LZXs Entwicklung von einer Philosophie des offenen Teilens und der Zusammenarbeit geprägt ist. Die Gründer erinnern sich an die frühen Tage der Internet-DIY-Kultur, als lange E-Mail-Ketten und öffentliche Foren die Hauptkanäle für technisches Lernen und Support waren. Dieser gemeinschaftliche Ansatz – Wissen als etwas zu betrachten, das frei weitergegeben werden sollte – bleibt zentral für die Identität von LZX, sei es durch Open-Source-Schaltpläne oder die Ermutigung, kompatible Module zu bauen.

Sie sprechen offen über die Realität, Open-Source-Ideale mit den praktischen Anforderungen eines Unternehmens zu vereinbaren, und erklären, warum sie meist Schaltpläne, aber nicht komplette PCB-Layouts veröffentlichen. Doch der Geist ist klar: Arbeit, nicht bloße Ideen, zählt – und die Szene wächst durch kollektives Experimentieren. Nachwuchs-Synth-Hersteller werden ermutigt, Trends zu ignorieren, in die Geschichte einzutauchen und vor allem die seltsamsten Ideen zu verfolgen, die ihnen einfallen – denn dort entsteht echte Innovation.

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