ALM TV: Maarten Vos und das modulare Cello-Denken

3. Oktober 2026

MILES

ALM TV: Maarten Vos und das modulare Cello-Denken

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In dieser Folge von ALM TVs Busy Visits lädt Komponist und Cellist Maarten Vos in sein Berliner Studio ein und zeigt, wie klassische Ausbildung und modulare Synthesizer verschmelzen. ALM/Busy Circuits-Module spielen eine zentrale Rolle in seiner hybriden Klangwelt, in der akustische Ausdruckskraft auf elektronische Freiheit trifft. Vos erklärt, warum Patchen nie zur Routine wird, wie jedes Rack seine eigene kleine Insel bildet und weshalb Module wie Pamela’s Workout und MCF X2 für ihn unverzichtbar sind. Wer sich für das Zusammenspiel von Saiten, Patchkabeln und emotionalem Sounddesign interessiert, erhält hier spannende Einblicke in die Philosophie eines Modular-Künstlers.

Von Cellosaiten zu Patchkabeln: Maarten Vos’ Studio-Setup

Die Folge beginnt damit, dass Maarten Vos uns in sein Studio im Berliner Funkhaus einlädt – ein Raum, in dem Vintage-Synths, modulare Racks und nicht zuletzt ein klassisches Cello gleichermaßen zu Hause sind. Vos’ Hintergrund als Cellist ist weit mehr als eine Randnotiz; er bildet das Fundament seiner musikalischen Identität und beeinflusst subtil seinen Zugang zur Synthese. Er zeigt, wie die taktile Ausdruckskraft des Cellospiels in Controllern wie dem Haken Continuum eine neue Heimat findet, das er mit derselben Sensibilität wie einen Bogen behandelt.

Vos beschreibt sein Studio als hybride Umgebung, in der sich akustische und elektronische Bereiche durchdringen. Hier ein Polysix, dort ein Minimoog, und das Modularsystem nimmt eine eigene strategische Zone ein. Das Studio dient nicht nur seinen eigenen Experimenten – er produziert auch Alben für andere Künstler und gestaltet den Raum für Zusammenarbeit und Solo-Exploration. Wie bei vielen Modular-Enthusiasten geht es bei dieser Mischung aus Arbeitstier und Exoten weniger ums Sammeln als vielmehr darum, einen flexiblen, reaktionsschnellen Arbeitsplatz zu schaffen.


Modular als wandelbares Instrument: Unendliche Konfigurationen

Vos stellt die Standardisierung klassischer Instrumente wie Cello und Klavier der offenen, anpassbaren Natur modularer Synthesizer gegenüber. Während die Körperlichkeit und das Muskelgedächtnis eines Cellos das Spiel prägen, ist ein Modularsystem – so Vos – ein selbst entworfenes Instrument, dessen Charakter durch die Anordnung und Verschaltung der Module bestimmt wird. Das ist nicht nur ein technischer Aspekt, sondern ein philosophischer Wandel, der zur ständigen Neubewertung des Instruments einlädt.

Er betont, dass die Umkonfigurierbarkeit des Modulars dessen größte Stärke ist: Selbst mit denselben Modulen eröffnen neue Anordnungen stets frisches Klangterritorium. Vos’ Racks sind als kleine Inseln mit jeweils eigener Funktion eingerichtet – Sounddesign, Polyphonie oder Live-Performance. Dieser modulare Ansatz beim Modular sorgt dafür, dass das Studio sich ständig im Wandel befindet und auf Entdeckung statt Routine ausgelegt ist.

Für mich ist ein modularer Synthesizer ein ganz besonderes Instrument, denn als Cellist ist ein Cello irgendwie standardisiert.

© Screenshot/Zitat: Busycircuits (YouTube)

Geschichtete Workflows: Akustik und Elektronik verschmelzen

Vos’ kreativer Prozess ist so flexibel wie sein Studio-Layout und ändert sich je nach Projekt. Bei jüngsten Kollaborationen, etwa mit dem Pianisten Hugh Bathing, beginnt der Workflow mit Live-Improvisationen auf Cello und Klavier, wobei die Elektronik später hinzugefügt wird – oder umgekehrt. Der Prozess ist organisch und iterativ, mit vielen Takes und der Bereitschaft, die Musik durch Wiederholung und Überarbeitung wachsen zu lassen.

Seine Vielseitigkeit reicht bis hin zur Komposition für Film, Tanz und bildende Kunst, wobei er manchmal auch auf In-the-Box-Editing und Collagetechniken setzt. Trotz dieser Vielfalt zieht sich ein charakteristischer Sound durch seine Arbeit – geprägt von seinen klassischen Wurzeln und der Offenheit für elektronische Manipulation. Es gibt keine feste Formel; stattdessen passt Vos seinen Ansatz stets dem jeweiligen künstlerischen Kontext an und sucht immer neue Schnittstellen zwischen Akustik und Elektronik.


ALM-Favoriten: Pamela’s Workout und MCF X2 im Einsatz

Das ist eigentlich auf fast all meinen Veröffentlichungen zu hören, weil es meist die Master-Clock von allem war, was ich gemacht habe.

© Screenshot/Zitat: Busycircuits (YouTube)

Im Rückblick auf seine Geschichte mit ALM-Modulen hebt Vos Pamela’s Workout als prägende Anschaffung hervor – sein drittes oder viertes Modul, das er 2011 kaufte. Er bezeichnet es als den heiligen Gral der Clock-Module, das in zahllosen Projekten als Master-Sync diente und dessen Einfluss auch dann spürbar ist, wenn man es nicht direkt hört. Die Zuverlässigkeit und Flexibilität von Pamela’s haben es zu einem festen Bestandteil seiner Racks gemacht und bilden das rhythmische Rückgrat vieler Produktionen.

Vos lobt außerdem das MCF X2, ALMs Dual-Filter-Modul, für seinen musikalischen Klang und die vielseitigen Modulationsmöglichkeiten. Besonders gefällt ihm das Anpingen der Filter mit Hüllkurven, die scharfe Resonanz und die Möglichkeit, mehrere Parameter zu modulieren oder die Filter zu verlinken, um komplexe, sich entwickelnde Texturen zu erzeugen. Diese Module sind für ihn nicht nur Werkzeuge, sondern Mitgestalter, die das Wechselspiel aus Kontrolle und Überraschung ermöglichen, das seinen Sound prägt.

Emotion in Spannung: Musik für Menschen, Tiere und Elektrizität

Vos schließt mit einer trockenen Reflexion über sein eigentliches Ziel: Menschen emotional zu bewegen – mit Musik, die durch modulare Synthese geformt wird. Er scherzt, dass vielleicht sogar Tiere – und nicht zuletzt der Strom selbst – daran Freude haben könnten. Am Ende wird Modular nicht nur zum technischen Spielplatz, sondern zum Medium für geteilte Gefühle, Trost und eine Prise augenzwinkernder Inklusivität.

Ich benutze den modularen Synthesizer hauptsächlich, um Menschen emotional zu berühren – und auch mich selbst.

© Screenshot/Zitat: Busycircuits (YouTube)

Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch. Du findest ihn hier: https://synthmagazine.com/alm-tv-maarten-vos-and-the-modular-cello-mindset/
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