AudioPilz zieht den Korg M1 aus der Mottenkiste und jagt ihn durch den Bad Gear-Schredder. Der M1 ist ein Synth, der überall war, alles gemacht hat und vermutlich sogar den Aerobic-Kurs deiner Oma beschallt hat. Aber taugt er heute noch was, oder ist er nur noch ein Nostalgie-Klotz mit kaputtem Innenleben? Freu dich auf bissigen Witz, Meme-Power und eine gnadenlose Abrechnung mit diesem 80er-Icon – inklusive einer ordentlichen Portion Käse. Wer glaubt, den M1 zu kennen, sollte sich anschnallen – und vielleicht schon mal die Laktase bereitlegen.

M1: Der Synth, den alle lieben zu hassen
AudioPilz macht sofort klar: Der Korg M1 ist Legende und Meme zugleich – ein Synth, der so allgegenwärtig ist, dass es fast schon kriminell wirkt. Das hier ist nicht irgendein Vintage-Keyboard, sondern der Soundtrack der späten 80er und frühen 90er, egal ob Pop, House oder alles mit MIDI-Anschluss. Der Ruf des M1 ist so riesig, dass selbst AudioPilz darüber witzelt, Korg hätte das Universum erschaffen – und so falsch ist das gar nicht.
Doch mit großer Macht kommt große Überdosis. Die Presets des M1 wurden so oft durchgenudelt, dass sie quasi gemeinfrei sind, und sein Einfluss ist so tief, dass die meisten ihn am liebsten vergessen würden. Wer je über Plastik-Pads gelächelt oder zu dramatischen Streichern geweint hat, weiß, wem er danken darf. Der M1 ist das klangliche Äquivalent eines Rave-Bunkers, der nie schließt – herrlich, schwitzig und irgendwann einfach zu viel.

"Dieses Korg-Workstation- und 1988er-Schatzkästchen überstrapazierter Sample-Wellenformen war und ist bis heute so hirnschmelzend einflussreich, dass die meisten wünschten, es wäre nicht so."
("This Korg workstation and 1988 treasure chest of overused sample waveforms was and still is to this day so mind-meltingly influential that most people wish it wasn't.")© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)
Sample-Library: Käse, Gold und House-DNA
Unter der Haube ist der M1 eine Vier-Megabyte-Zeitkapsel voller akustischer und elektrischer Instrumente, Panflöten und genug Slap-Bass, um Albträume zu verursachen. AudioPilz stellt klar: Die OG-House-Piano- und Orgel-Presets sind die eigentlichen Stars und haben Dancefloors und Charts geprägt.
Aber es geht nicht nur um die Hits – die Library des M1 ist ein wilder Mix aus Drumkits, DW8000-Wellenformen und unheimlichen Oohs und Aahs. Hier steckt die DNA der House-Musik, aber auch der Ursprung einiger der käsigsten Sounds aller Zeiten. Wer wissen will, warum jeder 90er-Track klingt wie ein Toaster-Fight, braucht nur in den ROM des M1 zu schauen.
Limitierungen: Wo der M1 alt aussieht
Bei all seinem Ruhm ist der M1 ein Lehrstück in Sachen Kompromiss. AudioPilz nimmt kein Blatt vor den Mund: Kein Portamento, keine Ring- oder Crossmodulation, und der 12-dB-Filter ist so fad, dass es fast schon eine Beleidigung für Synth-Design ist. Das Fehlen von Resonanz ist ein echter Schwachpunkt – gerade für ein Flaggschiff seiner Zeit.
Es gibt zwar Modulationsmöglichkeiten – mehrstufige Hüllkurven, LFOs, Aftertouch und einen Pitch/Mod-Joystick – aber wirklich wild wird es hier nicht. Die interne Dual-FX-Einheit rettet einiges und klebt den Sound zusammen, aber der Engine bleibt simpel. Hier geht’s um Samples, nicht um Synthese – und das merkt man. Wer Freude am Sounddesign sucht, muss entweder den Käse lieben oder weitersuchen.
Wie man den M1 nutzt, ohne ausgelacht zu werden

"Dieser Reichtum an zu Tode gespielten Sounds birgt die Gefahr, zu viel Käse in die Soße zu kippen."
("This wealth of beaten to death tones comes at the risk of adding too much cheese to the sauce.")© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)
AudioPilz würdigt die Stärken des M1: 16 Stimmen Polyphonie, 8-fache Multitimbralität und ein Sequencer, der tatsächlich benutzbar ist – wenn man ein Auge zudrückt. Der Expansionskartenslot war für Korg eine Gelddruckmaschine, und die Tastatur selbst ist so schwer, dass sie auch als Hantel taugt.
Aber mal ehrlich: Der M1 glänzt dort, wo er immer schon geglänzt hat – House-Pianos, Orgeln und diese sofort erkennbaren Pads. AudioPilz zeigt in ein paar Jams, wie Nostalgie und Käse Hand in Hand gehen. Wer auf authentische 90er-Vibes steht oder als House-Produzent cosplayen will, wird hier glücklich. Innovation darf man 2024 aber nicht mehr erwarten.
Nostalgie-Trip oder Relikt?
Das Fazit ist typisch AudioPilz: Der M1 ist ein Bestseller aus gutem Grund, aber seine simple Engine und die totgenudelten Samples machen ihn heute schwer vermittelbar. Der Synth ist fast mehr Deko als Instrument – perfekt, um den 909-Klon drauf zu parken und so zu tun, als wär’s 1992.
Der M1 hat definitiv Charme, aber wer ihn heute nutzt, riskiert, im Klischee zu ertrinken. Spätere Korg-Geräte können das alles flexibler, und wer nicht auf pure Nostalgie aus ist, greift besser zum Plugin. Wer den M1 aber in voller Käse-Pracht erleben will, sollte sich das Video geben – da knallt’s wirklich.
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