Wenn AudioPilz den Korg Phase 8 in die Finger bekommt, wird’s wild. Diese „überkandidelte Hipster-Kalimba“ trifft Daumenklavier auf Synth-Experiment – und AudioPilz nimmt kein Blatt vor den Mund. Von schrägen Mechaniken bis zu Techno-Jams: Wer wissen will, ob dieses Teil genial oder nur Designer-Quatsch ist, sollte reinschauen. Erwartet trockenen Humor, rohe Meinungen und null Toleranz für Synth-Snobismus.

19. September 2026
JET
AudioPilz vs. Korg Phase 8: Hipster-Kalimba oder Synth-Punk-Meisterwerk?
Kalimba trifft Cyberpunk
AudioPilz startet mit einem klassischen Seitenhieb auf den Korg Phase 8 und nennt ihn eine „überkandidelte Hipster-Kalimba“. Acht klingende Zungen, ausgeliefert in C-Dur – ja, richtig gelesen, ein Synth, der eigentlich ein Daumenklavier auf Steroiden ist. Aber lass dich nicht täuschen: Das hier ist nicht Omas Mbira. Überall Innovation-Lab-Fingerabdrücke und genug Schrulligkeit, um selbst den abgestumpftesten Gearhead zu überraschen.
Das Video macht sich direkt über das Drama um Korg Berlins erstes Nicht-Merch-Produkt lustig. Es ist nicht die Cowbell, die alle wollten, aber definitiv ein Statement – und Tatsuya Takahashis Handschrift ist überall zu spüren. Wer einen Grund sucht, FX-Pedale zu stapeln, wird hier fündig. Aber wie AudioPilz klarstellt: Das ist ein echter Exot, der dein Studio-Chi ordentlich durcheinanderwirbelt.

"the future of music technology is over engineered hipster kalimbas."
© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)
Begrenzter Tonumfang, unbegrenzte Fragen

"These eights range will remain limited to one octave though"
© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)
Trotz aller Zukunfts-Tech-Hymnen ist der Tonumfang des Phase 8 so schmal wie die vegane Auswahl im Eck-Imbiss – eine Oktave, Kollege. Klar, man kann Resonatoren tauschen und mit dem Inbusschlüssel nachstimmen, aber das Grundproblem bleibt. Das Trigger-System ist clever: Spulen für Plucks und Pad-artige Hüllkurven, mit Doppelschlägen und allerlei Envelope-Spielereien. Aber ist das wirklich genial oder einfach nur unnötig kompliziert?
Es gibt sogar einen „Air Slider“, der das Teil empfindlicher für Vibes und Feedback macht. Oder du gehst voll John Cage und bereitest das Ding für noch mehr Absurdität oder Drones vor. Trotz aller Modularität scheint das Instrument wild entschlossen, dich in seiner eigenen kleinen Welt einzusperren – und nicht jeder will da wohnen.
Klangchaos und Techno-Träume
AudioPilz legt los und zeigt, was der Phase 8 wirklich kann – und das ist ein ordentlicher Krawall, im besten Sinne. Wave Shaping gibt’s nur minimal, aber mit aufgedrehter Velocity landet man schnell im Zerrgebiet. Tremolo, Pitch-Envelopes, polyphone AM (bei Bedarf quantisiert) und ein Sequencer, der flexibler ist als ein Punk im Moshpit. Viel MIDI-Speicher gibt’s nicht, aber die DAW-Integration ist solide genug für ernsthafte Studio-Experimente.
Die Jam-Sessions reichen von Techno bis zu experimentellen Beats, wobei der natürliche Klang des Instruments besonders roh und unverfälscht glänzt. Trotzdem gibt AudioPilz zu: Für dauerhafte Inspiration braucht’s ordentlich Effekte. Die abgefahrenen perkussiven Sounds und das Objekt-Geklopfe muss man gehört haben – also unbedingt das Video anschauen, um den vollen Sound-Irrsinn zu erleben.

"Not the most versatile synth on its own, but a nice addition to the techno-like sound aesthetics."
© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)
Gebaut wie ein Panzer, verbindet wie ein Toaster
Was die Verarbeitung angeht, ist der Phase 8 robust wie ein alter Panzer – da gibt’s nix zu meckern. Aber bei der Konnektivität spart AudioPilz nicht mit Kritik. MIDI ist top und macht das Teil fit für größere Setups, aber der Rest ist eher durchwachsen. Für einen Tausender könnte man hintenrum schon mehr erwarten.
Immerhin hat Korg Berlin bei den wichtigen Performance-Teilen nicht gespart, aber klar ist: Das hier ist nicht das Herzstück deines Live-Rigs. Eher der schräge Sidekick, den du um 3 Uhr morgens auspackst, um das Publikum zu verwirren – nicht dein Main Act.
Schönes, nutzloses Wunder?

"it is also very limited, some might say borderline useless"
© Screenshot/Zitat: Audiopilz (YouTube)
Am Ende bringt’s AudioPilz auf den Punkt: Der Phase 8 ist vielleicht das beste Instrument seiner Art – vor allem, weil es das einzige seiner Art ist. Schön, clever und – ohne Umschweife – für die meisten Producer so praktisch wie eine Schokoladenteekanne. Trotzdem: ein High-Class-Kuriosum, ein echtes Statement für alle, die mutig (oder wohlhabend) genug sind, es über den Gag hinaus einzusetzen.
AudioPilz überlässt die tiefen Experimente den Ausdauernden, aber die Herausforderung steht. Wer wirklich ausbrechen will und das nötige Kleingeld (und Können) hat, findet im Phase 8 einen echten Kreativ-Test. Für den Rest bleibt’s eine Kuriosität – wahrscheinlich spannender zum Zuschauen als zum Besitzen.
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