Chase Bliss Big Time: Analoge Delay-Presets im Überblick

20. Mai 2026

MILES

Chase Bliss Big Time: Analoge Delay-Presets im Überblick

Chase Bliss, die Pedal-Alchemisten aus Minnesota, sind bekannt dafür, analoge Seele und digitale Magie in Effektboxen zu packen, die zum Patchen, Experimentieren und kreativen Missbrauch einladen. Ihr neuestes Werk, Big Time, macht da keine Ausnahme – ein Delay-Pedal mit zehn Werkspresets, die jeweils als Sprungbrett für klangliche Erkundungen dienen. Im offiziellen Walkthrough führt Analog-Ingenieur John Snyder durch jedes Preset und zeigt nicht nur die Bandbreite an Delay- und Modulationseffekten, sondern auch den Charakter der zugrundeliegenden Schaltung. Für alle, die in Feedback-Pfaden und Filter-Voicings denken, ist dieses Video ein tiefer Einblick, wie Big Time das Signal klassisch und völlig abgefahren verbiegen, verschmieren und animieren kann.

Zehn Presets, unendliche Möglichkeiten

Das Big Time-Pedal von Chase Bliss kommt mit zehn Werkspresets, die jeweils als eigenständiger Einstieg in die Welt von analogem Delay und Modulation gestaltet sind. Das Video beginnt mit John Snyder, dem Analog-Ingenieur hinter Big Time, der das Konzept des Pedals vorstellt: Jedes Preset ist ein Ausgangspunkt für tiefergehende Erkundungen, kein statischer Effekt. Dieser Ansatz ist typisch Chase Bliss – Nutzer sollen das Pedal als modulares Spielfeld und nicht als starre Box begreifen.

Preset Null gibt den Ton an und bietet ein unkompliziertes, aber üppiges analoges Delay. Hier steht die Qualität des Delays im Vordergrund, wobei die analoge Schaltung für Wärme und subtile Sättigung sorgt. Wie John demonstriert, lebt selbst die grundlegendste Einstellung vom Zusammenspiel aus Preamp-Färbung, Feedback-Kompression und Limiting. Die Presets sind nicht als fertige Sounds gedacht, sondern als Startpunkte, um sie weiter zu verbiegen, zu morphen und in neue Gefilde zu treiben.

Each one designed to serve as a jumping off point for deeper exploration within the pedal.

© Screenshot/Zitat: Chaseblissaudio (YouTube)

Analoge Schaltung und Modulationsmodi

In mod mode, the delay times are very short to give you things like chorus and flange and double tracking and weirder stuff besides.

© Screenshot/Zitat: Chaseblissaudio (YouTube)

Ein zentrales Element des Big Time-Sounds ist die ausgeklügelte analoge Schaltung, die die Delay-Qualität und den gesamten Klangcharakter prägt. John hebt hervor, wie das Anheben des Color-Reglers mehr vom analogen Signalweg aktiviert und Preamp, Feedback-Kompression sowie Sättigung ins Spiel bringt. Es geht hier nicht nur um Schmutz, sondern um die gezielte Formung von Dynamik und Reaktion der Wiederholungen.

Die Modulationsmodi sind ein weiteres Kernstück des Big Time-Designs. Im ersten Preset schaltet das Pedal auf kurze Delayzeiten und eröffnet so Chorus-, Flanger- und Doubletracking-Effekte. Die Modulation ist höchst interaktiv, mit eigenen Reglern für Texture und State, die von subtiler Bewegung bis zu wilden, feedbacklastigen Eskapaden alles ermöglichen. Das Video macht deutlich: Diese Features sind keine Zugaben, sondern tief integrierte Werkzeuge für kreative Klanggestaltung.

Von Flanger bis Loop-Diffusion: Kreative Einsatzmöglichkeiten

Das Herzstück des Videos sind die praktischen Demonstrationen jedes Presets, die die Vielseitigkeit des Pedals zeigen. Preset Zwei geht in Richtung Distortion-Pedal und nutzt kurze Delays, Preamp-Drive und gesättigte States für aggressive, aufblühende Attacks – besonders, wenn das Trockensignal entfernt und die Bias-Schaltung zum Durchhängen gebracht wird. Dieser Modus glänzt beim Füttern von Loops und sich entwickelnden Texturen und deutet das experimentelle Potenzial des Pedals an.

Preset Fünf ist ein Highlight für Fans von dynamischem Flanging und envelope-gesteuertem Chaos. Envelope-Motion und Bias-Modulation sorgen für kaputte, warbelnde Texturen, die auf das Spiel reagieren. Durch Manipulation von Feedback und Color kann man von chaotischer Zerstörung zu spielerischem Vibrato wechseln, wobei Delayzeiten bis auf drei Millisekunden sinken – ideal für fast latenzfreie Modulationseffekte.

Loop-basierte Kreativität wird in Presets wie Acht und Neun weiter ausgelotet. Preset Acht entfernt das Trockensignal komplett und lädt zu Frippertronics-artigen Time-Lag-Loops ein, bei denen Pitch und Feedback in Echtzeit geformt werden. Cluster- und Diffusion-Regler erlauben es, Loops zu verschmieren, zu zerstreuen und neu zu formen – für sich entwickelnde Klanglandschaften, die Delay, Reverb und granulare Prozesse verschwimmen lassen. Das Pedal reagiert sowohl auf subtile als auch extreme Eingaben und ist damit ein Werkzeug für Traditionalisten und Klangabenteurer gleichermaßen.

You can kind of see how I would push texture up to kind of like punch through the loop by causing the bias circuit to sag out completely.

© Screenshot/Zitat: Chaseblissaudio (YouTube)

Feedback, Modulation und die Kunst der Kontrolle

You can get a sort of buffer replacement, where when you add new material, it fully replaces what was there before.

© Screenshot/Zitat: Chaseblissaudio (YouTube)

Im gesamten Walkthrough lenkt John die Aufmerksamkeit auf die Feinheiten beim Umgang mit Feedback und Modulation. Die Platzierung von Kompressoren und Limitern im Feedback-Pfad ermöglicht besondere Verhaltensweisen – etwa Ducking-Delays, die alten Buffer-Inhalt durch neues Material ersetzen, oder Feedback-Wege, die eingefroren werden können, um einen Moment analogen Chaos festzuhalten. Diese Features sind nicht nur technische Spielereien, sondern laden dazu ein, mit dem internen Signalfluss des Pedals zu experimentieren.

Das Zusammenspiel von Reglern wie Texture, State und Cluster ist zentral, um einzigartige Hörerlebnisse zu gestalten. Durch das Justieren dieser Parameter kann man von kontrollierten, HiFi-artigen Wiederholungen zu instabilen, aliasing-geschwängerten Klangwolken wechseln. Das Video zeigt, wie Big Time diejenigen belohnt, die seine Regler bis zum Anschlag drehen, aber auch genug Nuancen für musikalische Anwendungen bietet. Es ist ein Balanceakt zwischen Chaos und Kontrolle – ein Markenzeichen der Chase Bliss-Philosophie.

Analoge Wärme trifft moderne Flexibilität

Zusammengefasst bieten die zehn Presets von Big Time eine riesige Klangpalette, die klassische analoge Wärme mit der modernen, tiefgreifenden Funktionalität verbindet, für die Chase Bliss bekannt ist. Ob man nun auf der Suche nach makellosen Delays, sich entwickelnden Loops oder unvorhersehbarer Modulation ist – das Pedal liefert ein Werkzeugset für Sounddesigner und Musiker, die die Grenzen des Delays ausloten wollen. Der Walkthrough macht klar: Big Time ist nicht einfach ein weiteres Delay-Pedal, sondern ein modulares Spielfeld im Stompbox-Format, das darauf wartet, im Dienste kreativer Klanggestaltung verbogen, gebrochen und neu zusammengesetzt zu werden.


Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/chase-bliss-big-time-analog-delay-presets-explored/
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