TAETRO zieht eine Bassfigur aus dem Chordcat Manager auf eine Spur in Ableton Live. Dieselben Noten, ein völlig anderer Klang: Genau diesen Wechsel führt er in seinem am 26. Oktober 2026 veröffentlichten Deep Dive vor. Interessanter als die Frage, ob diese Box alles alleine kann, wird damit eine andere: Wie offen bleibt eine musikalische Idee? Das Video entstand in Partnerschaft mit AlphaTheta; laut TAETRO ohne redaktionellen Einfluss des Herstellers.
Vorschläge, keine Vorschriften

„yes it's offering them to me but I'm the one choosing what it is that I want (Ja, das Gerät schlägt sie mir vor, aber ich bin derjenige, der auswählt, was ich möchte.)“
© Screenshot/Zitat: sonicstate (YouTube)
In Sonicstates Demo vom 19. Oktober entsteht zunächst ein eigenes Set aus vier Akkorden. Der Chord Cruiser schlägt mögliche Fortsetzungen vor; der Demonstrator hört sich durch, verwirft eine Variante und legt eine andere auf den nächsten Platz. Das ist keine automatisch gelieferte Komposition, sondern eine Auswahl nach Gehör. Die Maschine erweitert das Angebot, nicht die Zahl der fertigen Songs.
TAETRO zieht dabei eine persönliche Grenze: Manche Cruiser-Vorschläge gehen ihm harmonisch zu weit. Über alternative Voicings – also andere Tonlagen und Anordnungen eines Akkords – findet er eher die vertrauteren Farben, die er sucht. Mehr Möglichkeiten sind eben nicht automatisch die passendere Stimmung.
Eine Oktave verändert die Rolle
Besonders greifbar wird TAETROs Herangehensweise im Zusammenspiel mit der Blackbox 2. Die Drums kommen aus dem Chordcat, harmonische und melodische Instrumente aus dem Sampler. Acht Tracks mit einzeln zuweisbaren MIDI-Kanälen geben dafür den organisatorischen Rahmen. Den eigentlichen Reiz liefert aber eine kleine Arrangemententscheidung.
Für einen gedämpften Gitarrensound verwendet er dieselben Akkorde wie für die Begleitung, zerlegt sie jedoch mit dem Arpeggiator. Danach nimmt er eine tiefere Fassung in einem weiteren Pattern auf und bevorzugt diese. Nicht noch eine Stimme hinzufügen, sondern einer vorhandenen weniger Vordergrund geben: Solche Momente machen den Deep Dive musikalisch interessant, jenseits der Funktionsliste.

„I'm gonna go ahead and record a lower octave version of that, 'cause I think it's a little too on the nose the way I just played it. (Ich werde davon eine Version in einer tieferen Oktave aufnehmen, weil ich das, so wie ich es gerade gespielt habe, etwas zu vordergründig finde.)“
© Screenshot/Zitat: TAETRO (YouTube)
Wenn der Bass zur Fläche wird

„it's kind of almost turned that into a kind of like a pad quite like that (Das hat es fast schon in eine Art Pad verwandelt. Das gefällt mir.)“
© Screenshot/Zitat: sonicstate (YouTube)
Sonicstate findet eine andere Verschiebung der Rollen: Eine Bassvariation bekommt Delay und nähert sich für den Demonstrator plötzlich einem Pad an. Zuvor zeigt die Demo, wie Filter, Verstärkerhüllkurve und aufgezeichnete Bewegungen die internen Klänge verändern. Auch ohne neue Klangquelle lässt sich also am Charakter einer Stimme arbeiten.
Diese Formbarkeit ersetzt allerdings keinen Sample-Import. Eigene Aufnahmen oder Sounds lassen sich laut TAETRO nicht laden; für einen rein eigenständigen Einsatz hält er das für eine erhebliche Einschränkung. Auch die XY-Bedienung hat für ihn zwei Seiten: schnell veränderbare Parameter, aber mitunter schwierige Präzision, wenn eine Fingerbewegung unbeabsichtigt beide Achsen erwischt.
Echos, die bearbeitbare Noten bleiben
Mit Ableton Live zeigt TAETRO, warum die MIDI-Seite mehr ist als ein Ausweg aus der begrenzten Soundbibliothek. Das Delay wiederholt Noten statt Audiosignale. Er nimmt diese Wiederholungen live als MIDI auf, erzeugt damit kleine Percussion-Flams und kann anschließend jede Note im Clip bearbeiten. Der rhythmische Einfall bleibt beweglich, statt bereits als Audio festzustehen.
Für gespeicherte Patterns demonstriert er einen separaten Weg: per USB verbinden, im Chordcat Manager auswählen und als MIDI-Datei in die DAW ziehen. Akkorde und Bass erhalten dort andere Instrumente. Beim Drum-Import muss er dagegen Noten aus dem Bereich um C3 nach unten verschieben; anschließend vermutet er noch eine Hi-Hat auf der Clap-Zeile. Die programmierten Velocity-Abstufungen bleiben erhalten. Unkomplizierter Transfer bedeutet hier also nicht automatisch passendes Drum-Mapping.

„The ultimate question is, how do you get the ideas out and into a professional software that you might actually finish a track in? Well, this is Chord Cat's answer, and I think it's a pretty decent one. (Die entscheidende Frage ist: Wie bekommt man die Ideen aus dem Gerät in eine professionelle Software, in der man einen Track tatsächlich fertigstellen könnte? Das ist Chordcats Antwort darauf, und ich finde sie ziemlich ordentlich.)“
© Screenshot/Zitat: TAETRO (YouTube)
Der Chordcat wirkt in diesen Demos weniger wie ein endgültiger Klangort als wie ein Ort für Entscheidungen. Welche Akkorde bleiben, welche Stimme tritt zurück? Dass die Antwort später anders klingen darf, ist hier kein Verlust, sondern die eigentliche Freiheit.






