Expert Sleepers disting NT: C++ API und Faust – Eigene Algorithmen fürs Rack

11. März 2025

MILES

Expert Sleepers disting NT: C++ API und Faust – Eigene Algorithmen fürs Rack

Expert Sleepers verwischt erneut die Grenzen zwischen Modular-Hardware und Software: Das neueste disting NT-Firmware-Update bringt eine C++-API für selbstgeschriebene Plug-ins. Im offiziellen Walkthrough zeigt der Entwickler, wie das Modul jetzt Nutzer dazu einlädt, eigene DSP-Algorithmen zu programmieren, Effekte und Generatoren zu laden und sogar Code aus der Sprache Faust zu portieren. Der Fokus liegt klar auf praxisnaher Patchbarkeit und offenem Sounddesign – mit Verweis auf die aktive Community und das Versprechen eines wirklich modularen Ansatzes. Wer in Code und CV träumt, sollte hier unbedingt genauer hinschauen.

Neuland: Die C++-API hält Einzug ins disting NT

Das disting NT von Expert Sleepers war schon immer ein Chamäleon im Eurorack-Kosmos, doch mit Firmware v1.7.0 öffnet sich eine neue Dimension: Nutzer können jetzt eigene Plug-ins über eine C++-API laufen lassen. Das ist kein kleines Update, sondern ein grundlegender Wandel – das Modul wird damit zum Hardware-Pendant eines DAW-Plug-in-Hosts, nur eben mit Patchkabeln und CV statt Mausklicks. Das Video macht von Anfang an klar: Hier geht es darum, eigene Algorithmen zu schreiben und zu laden – ganz im Geiste der Flexibilität von VSTs, aber als Hardware.

Der Entwickler positioniert das disting NT als Plattform für musikalische Entdeckungen, bei der die Grenzen zwischen eingebauten Algorithmen und eigenem Code bewusst verschwimmen. Wer schon immer davon geträumt hat, eigene DSP-Experimente ins Rack zu bringen oder einen Lieblingseffekt zu portieren, bekommt hier eine direkte Einladung. Das passt perfekt zur Philosophie von Expert Sleepers: praxisnah, offen und immer mit Blick darauf, was Modular-Nutzer wirklich im Patch-Alltag brauchen.

Das Modul hat jetzt eine C++-API, mit der man Plug-ins schreiben kann.

© Screenshot/Zitat: Expertsleepersltd (YouTube)

Plug-ins in der Praxis: Laden und Anpassen von Custom-Code

Es ist eine super einfache Datei, das C++, das man schreiben und kompilieren, auf das Listing laden und ausführen kann.

© Screenshot/Zitat: Expertsleepersltd (YouTube)

Das Video geht zügig von der Theorie zum Patch-Alltag über und zeigt, wie Plug-ins neben den gewohnten disting NT-Algorithmen geladen werden. Der Ablauf ist simpel: Plug-ins erscheinen am Ende der Algorithmus-Liste, sind klar gekennzeichnet und lassen sich wie jede andere Funktion laden und einem Preset zuweisen. Als Beispiel dient ein klassischer Gain-Plug-in – eine Hommage an die Anfänge der VST-Entwicklung, als das Multiplizieren zweier Zahlen zum DSP-Ritual gehörte.

Ist das Gain-Plug-in geladen, verhält es sich wie jeder andere Algorithmus im disting NT-Universum. Die Signalführung wird so eingestellt, dass der Piano-Sound durch das Modul läuft, und der Gain-Parameter lässt sich in Echtzeit anpassen. Die Demonstration macht deutlich: Eigener DSP-Code lässt sich nicht nur einbinden, sondern ist ausdrücklich erwünscht – und das Ganze fühlt sich absolut nativ im Workflow des Moduls an. Entfernen oder Austauschen von Plug-ins ist ebenso direkt möglich, was unterstreicht, dass User-Code im disting NT gleichberechtigt neben den Werksalgorithmen steht.

Faust-Power: Greyhole und mehr

Die eigentliche Magie beginnt, als das Video auf Faust zu sprechen kommt – die Open-Source-DSP-Sprache, die für ihre zugängliche Syntax und riesige Effektbibliothek geschätzt wird. Hier demonstriert der Entwickler das Laden des ‚greyhole‘-Effekts – ein üppiger, verwaschener Reverb, inspiriert von einem bekannten Gitarrenpedal –, der aus Faust-Code konvertiert und nativ auf dem disting NT ausgeführt wird. Der Effekt wird geladen, geroutet und verwandelt die Piano-Sequenz sofort in eine kathedralenartige Klanglandschaft, wobei Parameter wie Feedback für dramatische Texturwechsel sorgen.

Die Demonstration bleibt nicht bei Effekten stehen. Der Entwickler zeigt, dass auch Synths und Soundgeneratoren möglich sind, und lädt als Beweis einen einfachen Sägezahn-Oszillator als Plug-in. Damit öffnet sich eine ganze Welt: Nicht nur Effekte, sondern auch eigene Oszillatoren, Filter und mehr – alles per User-Code. Das Konvertieren von Faust-DSP-Code fürs Modul wird als zugänglich präsentiert, besonders für alle, die schon mit der Sprache experimentieren oder deren Bibliotheken nutzen wollen.

Auffällig ist, wie das disting NT zur Leinwand für klassische wie experimentelle DSP-Ideen wird – egal ob für massive Reverbs, schräge Delays oder eigene Oszillator-Designs. Die Möglichkeit, bestehenden Open-Source-Code einzubinden, erlaubt es Nutzern, auf bewährten Algorithmen aufzubauen und sie mit minimalem Aufwand ins Modular-Setup zu holen.

Es ist tatsächlich ein großer, verwaschener Effekt, wie der Name schon sagt.

© Screenshot/Zitat: Expertsleepersltd (YouTube)

Community, Code und kreative Workflows

Expert Sleepers hebt die aktive Community rund um die neue API des disting NT hervor und lädt Nutzer ein, sich über GitHub und Discord zu beteiligen. Der Entwickler betont, dass die Performance von User-Plug-ins nahezu auf Augenhöhe mit den eingebauten Algorithmen liegt, da die API-Schicht sehr schlank gehalten ist und Echtzeitverarbeitung nicht ausbremst. Das ist nicht nur ein technisches Gimmick, sondern eine offene Einladung zur gemeinsamen Entwicklung und zum Teilen von Algorithmen, Effekten und Generatoren.

Der Workflow ist so gestaltet, dass er möglichst nahtlos funktioniert – egal, ob man von Grund auf neu entwickelt oder bestehenden Code anpasst. Das Video vermittelt, dass das disting NT sich zu einer wirklich offenen Plattform entwickelt, auf der die Grenzen zwischen Entwickler und Nutzer, Effekt und Instrument zunehmend verschwimmen. Für Modular-Fans bedeutet das: ein Rack, das mit der Community wächst und neue Ideen so schnell aufnehmen kann, wie sie programmiert werden.


Faust-Integration: Die modulare Klangpalette wächst

Faust ist eine funktionale Programmiersprache, die speziell dafür entwickelt wurde, musikalische und Audio-Sachen einfach zu machen.

© Screenshot/Zitat: Expertsleepersltd (YouTube)

Im letzten Abschnitt geht es tiefer in Faust selbst: Die Sprache wurde als funktionale Programmiersprache speziell für musikalische DSP-Anwendungen entwickelt. Der Entwickler führt durch die Faust-IDE, zeigt, wie man Code schreiben oder anpassen, Signalflussdiagramme generieren und Effekte sogar im Browser testen kann, bevor sie als Plug-in für das disting NT exportiert werden. Am Beispiel des greyhole-Effekts wird die Kontinuität zwischen Code, UI und Hardware-Umsetzung deutlich.

Entscheidend: Die Faust-Integration ist kein Zwang – wer lieber reines C++ schreibt oder bestehenden Code anpasst, kann das ebenso tun. Doch Fausts Bibliotheken mit ihren zahllosen Reverbs, Filtern, Synths und mehr sind ein wahrer Schatz für experimentierfreudige Patch-Fans. Das Video schließt mit dem Hinweis, dass das disting NT jetzt eine Plattform für tiefe Individualisierung ist – die einzige Grenze ist die eigene Fantasie (und vielleicht die Bereitschaft, DSP-Code um zwei Uhr morgens zu debuggen).

Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/expert-sleepers-disting-nt-c-api-and-faust-custom-algorithms-in-your-rack/
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