In dieser Episode von Frap Tools steht die italienische Klangkünstlerin und Forscherin Isabella Forciniti im Mittelpunkt. Sie taucht tief ein in die Schnittstellen von digitaler Vernetzung, Umweltdaten und modularer Synthese. Frap Tools, bekannt für ihre designorientierten Eurorack-Module, moderiert ein Gespräch, das von Isabellas ländlichen italienischen Wurzeln bis zu ihren Erkundungen von Interaktion und Improvisation in der elektronischen Musik reicht. Die Diskussion ist ein Streifzug durch Grenzen, Stille und taktile Erfahrung, die ihren Ansatz für modulare Performances prägen. Unterwegs erläutert Isabella ihre Patch-Philosophie, die Rolle von Stille und Effekten sowie die anhaltende Bedeutung von Sichtbarkeit für Frauen und nicht-binäre Künstler:innen in der Synth-Welt. Erwartet durchdachte Einblicke, technische Patch-Analysen und einen nüchternen Blick auf die sich wandelnde Landschaft modularer Kunst.

4. Mai 2024
MILES
Frap Tools: Interaktion, freier Wille und modulare Bewusstheit mit Isabella Forciniti
ALM Dual 12-bit Digital Wavetable Drum Voice, Batumi LFO, Erica Synths Black Hole DSP2, Erica Synths Sample Drum, Frap Tools Brenso, Mutable Instruments Plaits, MUX Slicer, Pamela's Workout
Von Kalabrien zu den Schaltkreisen: Isabellas künstlerische Perspektive
Die Episode beginnt mit einer Vorstellung von Isabella Forciniti, einer italienischen Klangkünstlerin, Forscherin und Performerin, die heute in Wien lebt. Ihre Arbeit kreist um das künstlerische Potenzial digitaler Vernetzung und Umweltdaten und verbindet technologische Neugier mit einem ausgeprägten Sinn für Kontext. Frap Tools, stets auf der Suche nach modularen Nuancen, rahmt Isabellas Praxis als Brücke zwischen Kommunikationswissenschaften, Multimedia und Computermusik. Damit ist die Bühne bereitet für ein Gespräch, das ebenso sehr von Philosophie und Interaktion handelt wie von Patchkabeln und Oszillatoren.
Rhythmen, Wurzeln und der modulare Werdegang
Isabellas musikalische Reise begann in den ruhigen Landschaften Süditaliens, wo sie zunächst Schlagzeug in einer rein weiblichen Punkband spielte. Die Spannung zwischen der rohen Energie des Punk und den hypnotischen Rhythmen des traditionellen Tarantella-Tanzes hinterließ einen bleibenden Eindruck und förderte eine tiefe Beziehung zu Rhythmus und Gemeinschaftserlebnis. Mit wachsendem Interesse wechselte sie von DIY-Bandauftritten zu privatem Schlagzeugunterricht und entwickelte allmählich eine Faszination für experimentelle Musik, angestoßen durch die Soundtracks von Wendy Carlos und die immersiven Welten des Krautrock.
Ihr Weg führte sie von Rom, wo sie Kommunikation und digitale Medien studierte, nach Wien, wo sie sich der elektroakustischen Komposition widmete. Während sie zunächst in computerbasierter Klangsynthese aufging, sehnte sich Isabella nach direkter, taktiler Interaktion. Diese Suche führte sie schließlich zu modularen Synthesizern, bei denen die Unmittelbarkeit physischer Kontrolle und die Unvorhersehbarkeit des Live-Spiels eine befriedigende Alternative zur Abstraktion des Programmierens boten. Das Modularsystem wurde ihr Instrument der Wahl – ein hybrides Setup, das Begrenzung und kreative Erkundung gleichermaßen belohnt.
Interaktion als kreativer Motor: Modulare Improvisation und Kontrolle
Im Verlauf des Interviews kehrt Isabella immer wieder zum Thema Interaktion zurück – zwischen Performer, Instrument und Publikum. Ihre Forschungsprojekte wie „A Sound That Never Was“ und „The Choir and the Sound System“ loten die Grenzen von Partizipation und Kontrolle aus, indem sie seismische Daten oder vernetzte Smartphones nutzen, um die Rollen von Musiker:in und Zuhörer:in zu verwischen. Sie reflektiert über das Paradox des freien Willens im digitalen Kontext und merkt an, wie Technologie sowohl befähigen als auch subtil lenken kann.
In der modularen Synthese zeigt sich dies in einer Vorliebe für begrenzte, fokussierte Setups. Isabella schätzt die kreative Spannung, die aus dem Arbeiten mit wenigen Modulen entsteht, und zieht es oft vor, ein kleines System bis an die Grenzen auszureizen, statt es endlos zu erweitern. Improvisation bedeutet für sie nicht Maximalismus, sondern den richtigen Beitrag im richtigen Moment zu finden – manchmal durch Zurückhaltung, manchmal indem Stille ebenso laut spricht wie Klang. Dieser Ansatz, verwurzelt in philosophischer Reflexion und praktischer Patcharbeit, prägt ihre unverkennbare Stimme als modulare Performerin.

"Das ist irgendwie das, was ich durch modulare Synthesizer gefunden habe – eine gewisse Interaktion ist da."
("This is somehow what I found through modular synthesizers, so to say, a certain interaction is there.")© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)
Patchen mit Stille: Perkussiver Minimalismus und Effekte in der Praxis

"Für meine Live-Performance integriere ich oft den Erica Synth Sample Drum neben dem Brenso."
("For my live performance, I often integrate the Erika Sint sample drum alongside the Brenzo.")© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)
Isabellas Patch-Stil, wie in ihrer detaillierten Demonstration gezeigt, ist eine Studie in Zurückhaltung und klanglicher Fokussierung. Sie beginnt mit einem einzelnen perkussiven Klang, geformt vor allem mit dem Frap Tools Brenso-Oszillator und einer sorgfältig ausgewählten Modul-Kombination. Das Patch nutzt Pamela’s Workout für Clocking und euklidische Rhythmen, Batumi LFO für Modulation sowie eine Reihe von Filtern, Hüllkurven und Effekten zur Klanggestaltung.
Ein zentrales Element ist der bewusste Einsatz von Stille – die Pausen zwischen den Schlägen sind ebenso wichtig wie die Klänge selbst. Effekte wie Reverb sind keine bloßen Verzierungen, sondern agieren als zweite Stimme, füllen Lücken und erweitern den akustischen Raum, ohne den Kernklang zu überdecken. Modulation wird subtil eingesetzt: FM und Wavefolding sorgen für klangliche Verschiebungen, ohne die Klarheit zu verlieren. Isabellas Ansatz zeigt, wie minimales Material, durchdacht moduliert und räumlich gesetzt, eine reiche und wandelbare Klanglandschaft erzeugen kann. Ihre Live-Performances spiegeln dieses Ethos wider: Perkussive Direktheit trifft auf das Nachhallen von Effekten und die kreative Kraft der Pause.
Sie unterscheidet zwischen Studio- und Live-Workflow und passt Effekte und Layering dem jeweiligen Kontext an. Das zugrundeliegende Prinzip bleibt: Klänge über die Zeit entwickeln, nicht jeden Moment ausfüllen und jedem Element Raum zum Atmen lassen. Diese Philosophie ist ebenso sehr Zuhören wie Klangmachen – eine Lektion, von der viele Modular-Fans profitieren könnten.
Einflüsse, Sichtbarkeit und die Zukunft der Modular-Community
Im späteren Verlauf der Episode spricht Isabella über die Künstler:innen, die ihr Denken geprägt haben – von Suzanne Ciani und Wendy Carlos bis zu zeitgenössischen Stimmen wie Arushi Jain und Basak Kunak. Sie schätzt Vielseitigkeit und Diversität und lässt sich von einer breiten Palette an Musiker:innen und Genres inspirieren. Diese Offenheit spiegelt sich auch in ihrer eigenen Arbeit wider, die experimentelle, perkussive und ambient-orientierte Ansätze vereint.
Besonders wichtig ist Isabella das Thema Sichtbarkeit für Frauen, nicht-binäre und genderfluide Künstler:innen in der elektronischen Musik. Sie betont, dass das Problem nicht Talentmangel, sondern mangelnde Sichtbarkeit und Anerkennung ist. Initiativen wie das Female Pressure Kollektiv und unterstützende Förderstrukturen – etwa in Österreich – helfen, doch die Geschlechterlücke bleibt bestehen, besonders auf Festival-Line-ups und in Mainstream-Narrativen. Isabellas Appell für mehr Bewusstsein und Inklusion ist sowohl Spiegel ihrer eigenen Reise als auch ein Aufruf an die modulare Community, den Horizont zu erweitern und unterrepräsentierte Stimmen zu stärken.

"Die Erzählung, an die wir gewöhnt sind, schlägt nicht vor, dass die erste... Option, die man bei der Nennung eines Musikers hat, eine Frau ist – sondern meist ein Mann."
("The narrative that we are used to it is doesn't suggest that the first... options you have in suggesting a musician is a female, but it's mostly like a male musician.")© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)
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