Die italienischen Modular-Spezialisten Frap Tools laden den australischen Produzenten Sam Sakr zu einem tiefgehenden Gespräch über modulare Synthese und texturales Sounddesign ein. Sakr, bekannt für seine Arbeit mit Pop-Größen und sein introspektives Solo-Projekt, schildert seinen Weg vom Schlagzeug zur Eurorack-Welt und verrät, wie Modular-Equipment zu einem zentralen Bestandteil seines kreativen Prozesses wurde. Das Gespräch streift alles von Patch-Philosophien und der Rolle von Noise bis hin zu den praktischen Realitäten von Mixing, Kollaboration und der allgegenwärtigen Versuchung neuer Modul-Ideen. Wer wissen will, wie ein erfahrener Produzent Modular im Produktionsalltag integriert oder einfach Patch-Tipps von jemandem sucht, der sein Motorrad für ein Rack verkauft hat, bekommt hier Spannung auf allen Kanälen.

11. September 2024
MILES
Frap Tools: Sam Sakr über modulare Texturen, Noise und die Kunst des Patchings
Filter 8, Frap Tools 321, Frap Tools 333, Frap Tools Brenso, Frap Tools CGM, Frap Tools FELISTRI, Harmonic Oscillator, Javelin, Just Friends, Marbles, Torso T1, Verbos Scan & Pan
Vom Schlagzeug zu Drones: Sam Sakrs klangliche Entwicklung
Die Episode beginnt mit Sam Sakr, der seinen musikalischen Werdegang schildert: Er startete als junger Sänger und Violinist, bevor er sich dem Schlagzeug zuwandte. Obwohl er nicht aus einer musikalischen Familie stammt, führte ihn seine Faszination für Musik zu einem Stipendium in Sydney und einer wachsenden Leidenschaft für Rhythmus. Ein Wendepunkt war das wachsende Interesse an Studio-Engineering und Sounddesign, das schließlich seine Bühnenambitionen überlagerte. Er brach sein Musikstudium ab und schrieb sich stattdessen an der Ableton Live School ein, um sich ganz der Musikproduktion und Technik zu widmen.
Seine Begegnung mit modularer Synthese war eher zufällig – ein Besuch im Berliner Schneidersladen öffnete ihm die Tür zur haptischen, offenen Welt der Eurorack-Systeme. Diese Erfahrung war so prägend, dass er während des Corona-Lockdowns sein Motorrad verkaufte, um in sein erstes Modularsystem zu investieren. Sakr beschreibt das Modular als Instrument, mit dem sich musikalische Ideen neu interpretieren lassen – wie Schatten, die aus verschiedenen Blickwinkeln geworfen werden. Dieser konzeptuelle Ansatz prägt bis heute seine Leidenschaft für Modular, das er als das inspirierendste Werkzeug seit Ableton bezeichnet.

"Ich habe mein Motorrad verkauft, was mich traurig gemacht hat, aber meine Eltern waren begeistert. Und ja, dann habe ich langsam angefangen, Eurorack-Module zu kaufen."
("I sold my motorbike, which I was sad about, but my parents were stoked. And I, yeah, start like, like really sort of slowly started buying Eurorack modules.")© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)
Modular als tägliches Produktionswerkzeug: Workflow und Inspiration

"Eurorack ist in dieser Hinsicht irgendwie magisch. Für die Künstler fühlt es sich wie ein richtiges Erwachsenenspielzeug an, so sehe ich das auch."
("So yeah, Eurorack is kind of magical in that way. It's, it's, it's, it's just like, for the artists, it feels like this like really like grown up toy, which is how I kind of like see it anyway.")© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)
Für Sakr ist modulare Synthese kein Nebenprojekt, sondern integraler Bestandteil seines täglichen Produktions-Workflows. Er erklärt, wie Eurorack-Systeme eine kreative Freiheit und glückliche Zufälle ermöglichen, die mit klassischen Synths oder Software kaum zu erreichen sind. In Kollaborationen dient Modular oft als klangliche Palette und als haptischer Spielplatz für Künstler, was Begeisterung und Identifikation mit dem Song fördert.
Wenn die Inspiration stockt, greift Sakr auf Modular zurück – wegen seiner Unvorhersehbarkeit und der Fähigkeit, neue Ideen zu generieren. Er nutzt Granular-Module, Looper und spontanes Patchen, um kreative Blockaden zu durchbrechen, nimmt diese Momente oft live auf und baut Tracks darum herum. Die Rolle von Modular wechselt dabei flexibel zwischen musikalischem Fundament und „Streuseln obendrauf“ – jenen einzigartigen Texturen, die anderswo nicht zu finden sind. Gerade diese Dualität macht Modular für Sakr in Kollaborationen wie im Soloeinsatz so besonders.
Patch-Sezierung: Noise, Subaudio-Modulation und texturale Alchemie
Sakr gibt einen detaillierten Einblick in seine Patch-Techniken und zeigt, wie er mit Frap Tools-Modulen und kreativer Modulation texturale und melodische Elemente gestaltet. Er beginnt mit dem perkussiven, texturalen Sound, der aus BRENSOs gelbem Oszillator im Subaudio-Bereich entsteht, moduliert durch bipolare, gestufte Zufallsspannungen von Marbles und Offset über das 321-Utility. Noise – ein zentrales Thema seiner Arbeit – wird in Through-Zero-FM-Eingänge und Wavefolder eingespeist und verleiht dem Klang zusätzliche Körnigkeit und Komplexität.
Die Melodien entstehen über den grünen Oszillator von BRENSO, verarbeitet durch FELISTRI und mit Noise sowie Random-Modulation für sich entwickelnde Klangfarben versehen. Weitere Stimmen wie der Harmonic Oscillator werden subtil ergänzt, während rhythmische Elemente wie die Kickdrum durch Filter-Pinging und Sidechain-Hüllkurven (über 321 und 333) für dynamische Bewegung sorgen. Sakr betont die Bedeutung von Noise nicht nur als Klangquelle, sondern auch als Modulationswerkzeug – etwa für FM- und Filtereingänge, um organische, unvorhersehbare Texturen zu erzeugen, die im Patch miteinander interagieren.
Sakrs Ansatz ist dabei stets explorativ statt dogmatisch. Er gibt zu, dass seine Verkabelung oft chaotisch ist und er selten einen festen Plan verfolgt – lieber lässt er das System „zurücksprechen“ und den kreativen Prozess leiten. Diese Philosophie spiegelt sich auch in seinem Umgang mit Stereomixing, Panning und dem Zusammenspiel von Mono- und Stereoquellen wider, was alles zur kollaborativen Natur des Patches beiträgt.

"Weil der gelbe Oszillator jetzt im niedrigen Subaudio-Bereich ist, bekommt man die Klicks aus den Wellenformen. Und ich liebe diesen Sound aus dem Brenzo wirklich, weil man so viel an der Welle modulieren kann."
("Because the Yellow Oscillator is now in that low sub-audio rate, you get the clicks from the waveforms. And I really, really love the sound of it out of the Brenzo, and I think it's because you can modulate so much of the wave and what's going on.")© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)
Songwriting: Kollaboration vs. Exploration im Sakr-Projekt
Sakr stellt seine Arbeitsweise beim Produzieren für andere Künstler seiner eigenen Arbeit als Sakr gegenüber. In Kollaborationen sieht er sich als Ermöglicher, der Künstlern hilft, ihre Vision umzusetzen – oft anhand ihrer Geschichten oder emotionalen Vorgaben. Modulare Synthese wird dabei zum Werkzeug der Beteiligung: Die Künstler können physisch mit dem Sound interagieren und so die Klangidentität des Tracks mitprägen.
Für sein Solo-Projekt ist der Prozess deutlich explorativer und weniger strukturiert. Sakr beschreibt einen Workflow, bei dem er lange Improvisationen aufnimmt und anschließend nach spannenden Momenten sucht. Diese Methode, vergleichbar mit dem Werfen von Farbe auf eine Leinwand und dem anschließenden Neuarrangieren, ermöglicht ein persönlicheres und experimentelleres Ergebnis. Er spricht offen über die Herausforderung, das organische Zusammenspiel eines Modular-Patches in einen Multitrack-Mix zu übertragen – besonders bei Formaten wie Dolby Atmos –, schätzt aber das einzigartige Leben und die Interaktion, die Modular seiner Musik verleiht.
Zukunftsmodule und modulare Denkweisen: Sakrs Wunschliste

"Ich will einfach eine halbe Felistri, vielleicht 8 HP, 10 HP, wenn der Slew Limiter noch draufpasst – das wäre richtig praktisch."
("I want like I just yeah, just so it's like, you know, maybe like a 8 HP, 10 HP half half a Felistry. If you can fit the slow limiter on there. Awesome. I think that would go a really long way.")© Screenshot/Zitat: Fraptools (YouTube)
Zum Abschluss teilt Sakr seine Ideen für zukünftige Frap Tools-Module. Sein „egoistischer“ Wunsch: eine halbe FELISTRI, um mehr Funktionsgeneratoren auf kleinem Raum zu haben. Ambitionierter ist seine Vision eines Frap Tools-Ansatzes für Multi-Output-Funktionsgeneratoren – ähnlich wie Mutable Instruments’ Tides oder Mannequins’ Just Friends, aber mit individueller Kontrolle über jede Hüllkurve oder LFO und der Möglichkeit, sie für komplexe rhythmische und melodische Interaktionen zu kaskadieren oder zu verschieben.
Sakrs Vorschläge spiegeln seine modulare Philosophie wider: den Wunsch nach Werkzeugen, die zur Exploration, Interaktion und zum organischen Verschmelzen von Modulationsquellen einladen. Er schätzt Module, die sowohl als Klangquelle als auch als Modulationszentrale dienen und so die Grenzen zwischen Funktion und Timbre aufheben. Das Gespräch endet mit Vorfreude auf die Zukunft modularen Designs und den fortlaufenden Dialog zwischen Künstlern und Herstellern bei der Entwicklung neuer kreativer Werkzeuge.
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