Tonepusher – Halloween II: Zwei Prophets sind noch nicht der ganze Lead

31. Oktober 2026

RAUMKLANG

Halloween II: Zwei Prophets sind noch nicht der ganze Lead

Wie viele Synthesizer stecken in einer einzigen Leadmelodie? In seinem am 30. Oktober 2026 veröffentlichten Video über John Carpenters Horror-Soundtracks geht Tonepusher den Instrumenten hinter den Filmmusiken nach. Carpenters Scores bezeichnet er als wichtigen Einfluss auf seine eigene Musik und sein Sounddesign. Besonders interessant wird sein Rückblick dort, wo aus mehreren Geräten eine gemeinsame Klangidee entsteht: beim Lead von Halloween II.

Ein Studioinventar ist noch kein Soundtrack

Tonepusher – The synths behind JOHN CARPENTER's iconic horror soundtracks

© Screenshot/Zitat: Tonepusher (YouTube)

Tonepusher bremst zunächst eine beliebte Form der Synthesizer-Archäologie: Aus einer alten Geräteliste lässt sich noch keine Aufnahme rekonstruieren. Für Halloween von 1978 verweist er auf Dan Wymans Angaben zum großen Moog-Modularsystem. Anschließend führt er ein damaliges Studioinventar an, in dem unter anderem auch ein Sequential-Prophet und ein Yamaha CS-80 auftauchen. Seine entscheidende Einschränkung folgt gleich mit:

Eine Melodie bekommt Gesellschaft

Für Halloween II beschreibt Tonepusher dagegen eine konkrete Kombination. Der Beitrag nennt einen Prophet-5 Rev 3, einen Prophet-10 und verschiedene ARP-Instrumente als Teil von Howarths Ausstattung. Beim Lead bleibt es nicht beim Gerätebestand: Unter Berufung auf Howarth schildert Tonepusher, wie die beiden Prophets geschichtet und durch einen zusätzlich aufgenommenen ARP Quadra verdichtet wurden.

Gemeint ist damit das Kombinieren mehrerer Instrumentenklänge, nicht bloß das Zuschalten weiterer Stimmen innerhalb eines Synthesizers. Die zusätzliche ARP-Spur soll laut dieser Darstellung den Klang noch dicker machen. Mehr Instrumente übernehmen hier dieselbe melodische Aufgabe, statt zwangsläufig mehr musikalisches Material hinzuzufügen.

Daneben arbeitet eine zweite Ebene der Studiotechnik: Tonepusher beschreibt zwei ARP Avatars am ARP-Sequencer; eine Linn LM-1 liefert die Masterclock. Die im Video wiedergegebene Studioerinnerung nennt ausdrücklich Clock-Pulse, mit denen die Drummachine den Sequencer antreibt. Lead-Layering und Sequencing sind also unterschiedliche Aufgaben: Das eine verdichtet die Melodie, das andere organisiert die wiederkehrenden Figuren zeitlich. Die Drummachine interessiert hier einmal als Dirigentin, nicht als Schlagzeugerin.

Tonepusher – The synths behind JOHN CARPENTER's iconic horror soundtracks

© Screenshot/Zitat: Tonepusher (YouTube)

Ein Prophet für jedes Ohr

Starsky Carr – Softube Model 80 // Sounds like a Prophet 5 to me.

© Screenshot/Zitat: Starsky Carr (YouTube)

Wie reizvoll zwei verwandte, aber nicht deckungsgleiche Klänge zusammen sein können, führt Starsky Carr in seinem Model-80-Video von 2023 vor. Er legt den Hardware-Prophet auf ein Ohr und Softubes Software auf das andere. Dabei entsteht für ihn ein räumlicher Effekt, den er mit dem Super 6 vergleicht.

Carr verschweigt die Grenzen seiner Anordnung nicht: Die Reglerzuordnung stimmt nicht vollkommen überein, und er bemerkt Unterschiede bei der Resonanz. Außerdem vergleicht er seinen Prophet-5 Rev 4 mit einer laut ihm am Rev 3 orientierten Software. Das ist ein Hardware/Software-Vergleich, keine Rekonstruktion des Halloween-Leads. Gerade das gleichzeitige Spiel macht aber nachvollziehbar, dass klangliche Verwandtschaft und kleine Unterschiede nebeneinander bestehen können.

Nicht alle Stimmen müssen gleich abbiegen

Noch genauer wird Carr beim Aging-Regler des Model 80. Er schaltet auf Unison, um alle fünf Stimmen gemeinsam zu hören. Zunächst beschreibt er eine nahezu exakte Stimmung. Mit aufgedrehtem Aging zählt er dann die fünf Stimmen einzeln durch und erklärt die Unterschiede im Verlauf ihrer Hüllkurven. Klangliche Dichte entsteht in dieser Demonstration also nicht allein durch die Anzahl der Stimmen, sondern auch dadurch, dass sie sich nicht völlig gleich verhalten.

Starsky Carr – Softube Model 80 // Sounds like a Prophet 5 to me.

© Screenshot/Zitat: Starsky Carr (YouTube)

Howarths geschichteter Lead und Carrs Stimmenexperimente bleiben unterschiedliche Verfahren. Ein musikalisch reizvoller Gedanke steckt dennoch in beiden: Nicht jede zusätzliche Schicht muss eine neue Idee liefern. Manchmal besteht ihre Aufgabe darin, dieselbe Idee eindringlicher zu machen.

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Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch. Du findest ihn hier: https://synthmagazine.com/halloween-ii-two-prophets-are-not-the-whole-lead/

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