Intellijel Multigrain: Live Sounds und Looping Recorder – Granularsynthese auf neuem Niveau

19. Juli 2025

MILES

Intellijel Multigrain: Live Sounds und Looping Recorder – Granularsynthese auf neuem Niveau

Intellijels Multigrain-Modul war schon immer ein Spielplatz für Granular-Fans, doch mit Firmware 1.2 wagt es den Sprung in die Echtzeit-Audiomanipulation. Im offiziellen Walkthrough zeigt Intellijel, wie die neuen Live Sounds und der Looping Recorder Multigrain vom Sample-Zerstückler zum dynamischen Performance-Instrument machen. Freuen Sie sich auf einen tiefen Einblick ins Patchen von Live-Audio, das Einfrieren und Modulieren von Loops sowie das Umwandeln spontaner Texturen in wiederverwendbare Samples – alles mit der klaren, praxisnahen Hands-on-Attitüde, die man vom Intellijel-Kanal kennt. Wer granulare Texturen sucht, die direkt auf das Rack reagieren, sollte sich dieses Update genauer ansehen.

Granularsynthese, neu verdrahtet: Multigrain im Wandel

Mit Firmware-Version 1.2 macht Intellijels Multigrain-Modul einen Sprung: Aus einem rein samplebasierten Granularsynthesizer wird ein Gerät, das mit Live-Audio aufblüht. Das Update führt das Konzept der „Live Sounds“ ein, bei denen Grains direkt aus dem in die Multigrain-Eingänge gepatchten Echtzeit-Audio erzeugt werden. Damit sind Nutzer nicht mehr auf vorab aufgenommene Samples beschränkt – sie können granulare Texturen aus allem formen, was gerade im Rack passiert. Der Prozess zum Erstellen eines Live Sounds ist unkompliziert: Sound-Taste halten, Sample-Taste drücken, und schon kann frisches Audio eingepatcht werden. Die Benutzeroberfläche gibt mit magenta- und grünen LEDs klares visuelles Feedback, um zwischen Live- und Sample-Sounds zu unterscheiden.

Ebenso bedeutsam ist die Einführung des Looping Recorders. Er agiert wie ein virtuelles Tonband, nimmt bis zu 32 Sekunden Audio auf und liefert das Rohmaterial für Live-Grains. Der Looping Recorder wird automatisch aktiviert, sobald ein Live Sound erstellt wird, und sein Status wird durch die Farbe der Sample-Taste angezeigt. Dieses Setup ermöglicht einen hybriden Workflow, bei dem Live- und Sample-Sounds in einem Preset gemischt werden können – neue Möglichkeiten für Performance und Sounddesign. Das Patch-Beispiel im Video – ein Dreieckswellen-Ausgang vom Dixie über Amps in Multigrain – zeigt, wie direkt und flexibel dieser neue Ansatz ist.

Jetzt können wir Live Sounds erstellen, die Grains aus in Echtzeit an Multigrains Eingänge gepatchtem Audio erzeugen.

© Screenshot/Zitat: Intellijel (YouTube)

Live-Audio und Looping: Das Herz von Multigrain 1.2

Eingangsaudio wird auf die Bandschleife aufgenommen, die eine feste Länge hat und entweder 8, 16, 24 oder 32 Sekunden lang sein kann.

© Screenshot/Zitat: Intellijel (YouTube)

Im Mittelpunkt des Updates stehen zwei Funktionen: das Generieren von Live Sounds aus Echtzeit-Eingängen und die Fähigkeit des Looping Recorders, Audio zu manipulieren und zu layern. Live Sounds verhalten sich fast identisch zu Sample-Sounds, mit zwei entscheidenden Unterschieden. Erstens stammen die Grains aus dem Looping Recorder statt aus einem statischen Sample. Zweitens kann der Looping Recorder auch unabhängig über die Sampling-Einstellungen aktiviert werden, was den Nutzern Kontrolle darüber gibt, wann und wie er aktiv ist.

Der Looping Recorder funktioniert wie ein Tonbandgerät mit fester Länge (8, 16, 24 oder 32 Sekunden) und zwei Zuständen: Aufnahme und eingefroren. Im Aufnahme-Modus überschreibt die Schleife sich kontinuierlich selbst, während das Einfrieren das Band anhält und am Loop-Punkt einen Crossfade setzt. Die Startposition der Grains ist immer relativ zum Loop-Punkt, was eine feine Kontrolle darüber ermöglicht, welcher Teil des Audiopuffers granuliert wird. Im Video wird dies durch das Einpatchen eines OP-Z-Patterns und das Durchfahren des Start-Reglers illustriert – von nahezu sofortigen Grains bis hin zu verzögerten, bandähnlichen Effekten.

Vom Input zur Textur: Schnelle Granular-Workflows

Eine der herausragenden Eigenschaften von Multigrain nach dem Update ist, wie schnell Nutzer von Rohmaterial zu komplexen Granulartexturen gelangen. Der Workflow ist auf Unmittelbarkeit ausgelegt: Audio einpatchen, Live Sound erstellen und Grain-Parameter in Echtzeit manipulieren. Anpassungen von Grain-Größe, Rate, Pitch, Quantisierung und Randomisierung sind direkt möglich, sodass das eingehende Material im Handumdrehen zu schimmernden Wolken oder rhythmischen Stottereffekten wird.

Auch das Kopieren und Einfügen von Live Sounds geht effizient von der Hand. Durch Halten eines Live Sounds und Drücken einer leeren Sound-Taste lassen sich Einstellungen duplizieren und für Performance-Variationen weiter anpassen. Die Möglichkeit, Live- und Sample-Grains in einem Preset zu mischen, lädt zum Experimentieren ein. Die praxisnahen Beispiele im Video zeigen, wie schnell sich neue Klanggebiete erschließen lassen. Der Prozess ist ebenso sehr das Festhalten flüchtiger Momente wie das akribische Programmieren – ein Gewinn für Improvisierende und Sounddesigner gleichermaßen.

Das klingt vielleicht verwirrend, aber am besten experimentiert man mit den Positionsreglern, während der Looping Recorder nicht…

© Screenshot/Zitat: Intellijel (YouTube)

Freeze, Modulation, Threshold: Das kreative Werkzeugset wächst

Wenn das Eingangsaudio über dem Schwellenwert liegt, nimmt der Looping Recorder auf und die Sample-Taste leuchtet magenta.

© Screenshot/Zitat: Intellijel (YouTube)

Die Freeze-Funktion des Looping Recorders ist ein mächtiges Werkzeug für Sounddesign: Sie ermöglicht es, den Audiopuffer einzufrieren und wie ein statisches Sample zu behandeln. Das Einfrieren kann manuell, per Modulation oder über einen Schwellenwert des Eingangssignals ausgelöst werden. Im eingefrorenen Zustand sind die Grains statisch, und mit Scan und Wrap kann man das eingefrorene Audio wie ein Sample durchfahren. Besonders nützlich ist das, um gezielt Texturen zu extrahieren oder aus einem einzelnen Audioereignis sich entwickelnde Flächen zu schaffen.

Modulation bringt eine weitere Ebene ins Spiel. Weist man Freeze einem CV-Eingang zu, kann der Loop-Zustand rhythmisch oder zufällig umgeschaltet werden – global über alle Presets hinweg. Die Threshold-Funktion ist für freihändiges Arbeiten praktisch: Überschreitet das Eingangsaudio einen bestimmten Pegel, wird aufgenommen; fällt es darunter, friert der Puffer ein. Die aktualisierte Sampling-Einstellungsseite bietet intuitiven Zugang zu diesen Funktionen, inklusive Gain-Staging und Loop-Länge. Das Ergebnis ist ein System, das sowohl sorgfältige Planung als auch glückliche Zufälle belohnt.

Von Live zu Sample: Granulare Momente festhalten und wiederverwenden

Ein Highlight des Videos ist die Demonstration, wie sich Live Sounds in Sample-Sounds umwandeln lassen – so können Nutzer ihre besten Granular-Improvisationen festhalten und wiederverwenden. Der Ablauf: Looping Recorder einfrieren, den Puffer auf die microSD-Karte speichern und das resultierende Sample einem Sound-Slot zuweisen. Alle Parameter-Einstellungen bleiben dabei erhalten, sodass komplexe Texturen jederzeit wieder abrufbar sind.

Es gibt mehrere Wege für diese Umwandlung, inklusive direktem Ersetzen eines Live Sounds durch seine Sample-Version. Der Workflow ist nahtlos gestaltet, mit klaren visuellen Hinweisen und minimalem Menü-Gewusel. Diese Funktion erweitert das Klangspektrum von Multigrain erheblich, da spontane Performances Teil der eigenen Soundbibliothek werden können. Das Video schließt mit dem Hinweis, dass weitere Updates in künftigen Tutorials behandelt werden, und verweist für tiefergehende Infos auf das schriftliche Handbuch.


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