Make Noise Bruxa: Ein klangliches Zwiegespräch zwischen Tony Rolando und Alessandro Cortini

29. Juni 2024

MILES

Make Noise Bruxa: Ein klangliches Zwiegespräch zwischen Tony Rolando und Alessandro Cortini

Im neuesten Gespräch von Make Noise nehmen uns Tony Rolando und Alessandro Cortini mit auf eine Reise in die Entstehung und Entwicklung von Bruxa, ihrem neuen Eurorack-Modul, das aus Jahren gemeinsamer Klangforschung hervorgegangen ist. Das Video bietet einen seltenen, offenen Einblick, wie zwei Köpfe – geprägt von Strega und modularer Improvisation – einen Prototypen zu einem Werkzeug für kreative Klangmutation verfeinerten. Mit dem typisch experimentellen Geist von Make Noise bewegt sich das Gespräch von Patch-Anekdoten hin zu philosophischen Fragen des Instrumentendesigns und positioniert Bruxa als Produkt einer Linie und zugleich als Gefäß für persönliche Ausdruckskraft. Wer wissen will, wie Module mehr werden als die Summe ihrer Chips, sollte hier unbedingt reinschauen.

Vom Prototyp zur Bruxa: Eine kollaborative Evolution

Das Gespräch beginnt damit, dass Tony Rolando und Alessandro Cortini die Ursprünge von Bruxa bis zu ihren ersten Schaltungs-Experimenten zurückverfolgen – lange bevor das Modul einen Namen oder eine feste Rolle hatte. Was als einfacher Prototyp begann, um die klanglichen Möglichkeiten des PT-Chips auszuloten, wurde rasch zur Grundlage für weitere Zusammenarbeit. Ursprünglich war nicht einmal ein Modul geplant, sondern ein Standalone-Gerät; das modulare Format bot jedoch eine flexible Testumgebung für die iterative Entwicklung.

Cortini erinnert sich an die unmittelbare Haptik dieser frühen Patches, bei denen er einfache Signale durch den Prototyp schickte, um zu sehen, wie sie verwandelt und bereichert werden konnten. Schon zu diesem Zeitpunkt reagierte die Schaltung auf eine Weise, die sowohl formbar als auch eng mit dem Input des Performers verbunden war. Dieser praxisnahe Ansatz, inklusive Feedback von Künstlern wie Rob Lowe, prägte eine Designphilosophie, die sowohl persönliche Klangidentität als auch Offenheit für verschiedene Ansätze schätzt.

Die Ergebnisse, die Rob damit erzielte, waren völlig anders als meine eigenen, was mich wirklich hoffnungsvoll und gespannt auf mehr davon…

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Der Bruxa-Sound: Klangfarbe und Zeit formen

Im Zentrum von Bruxa steht eine Schaltung, die von Stregas Time/Filter Experiment abstammt, aber eine ganz eigene Stimme besitzt. Das Herzstück ist der sogenannte Echo-Verb, eine Mischung aus Delay und Filterung, die sowohl Klangfarbe als auch zeitlichen Charakter formt. Dieser Ansatz geht über bloße Geräusch- oder Clock-Artefakte hinaus und zielt stattdessen auf einen spielbaren, ausdrucksstarken und anpassbaren Sound.

In der Praxis ist Bruxa darauf ausgelegt, selbst einfachstem Ausgangsmaterial Charakter zu verleihen und es den Nutzern zu ermöglichen, den Grad der Transformation nach Wunsch zu dosieren. Das Video zeigt, wie das Modul ein Signal subtil anreichern kann, ohne dessen Identität zu überdecken – oder es je nach Patch radikal zu verändern. Diese Flexibilität ist ein direktes Ergebnis des iterativen Entwicklungsprozesses, der Erkenntnisse aus Prototyp und Strega vereint.


Lektionen von Strega: Praxiserfahrung inspiriert das Design

Cortinis umfangreiche Erfahrung mit Strega in verschiedensten Umgebungen spielte eine entscheidende Rolle bei der finalen Gestaltung von Bruxa. Nach Dutzenden von Shows, in denen er mit zwei Stregas und zwei 0-CTRLs improvisierte, entwickelte er ein feines Gespür dafür, was in der Praxis funktioniert und was verbessert werden könnte. Dieses Feedback aus der realen Anwendung ermöglichte es dem Team, die Bedienelemente und Interaktionspunkte des Moduls für maximale Kreativität zu optimieren.

Das Design von Bruxa spiegelt den Wunsch wider, die klangliche Essenz von Strega ins modulare Umfeld zu bringen – jedoch mit neuen Integrations- und Steuerungsmöglichkeiten. Der Schritt vom eigenständigen Instrument zum Eurorack-Modul eröffnet Workflows, die sowohl vertraut als auch neu sind, und ermöglicht es den Nutzern, verschiedene Herangehensweisen und Modulationsgrade für ihre gewünschten Klanglandschaften zu nutzen.


Bruxa im Rack: Integration und Interaktion

Der Vorteil, es einfach in ein bestehendes System zu stecken und mit anderen Elementen interagieren zu lassen – im Gegensatz zum Strega…

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Eine der großen Stärken von Bruxa ist die Fähigkeit, sich nahtlos in bestehende Eurorack-Systeme einzufügen und mit unterschiedlichsten Modulen und Patch-Strategien zu interagieren. Anders als die All-in-One-Umgebung von Strega lädt Bruxa dazu ein, Audio- und Steuersignale flexibel hinein- und herauszuleiten und so neue Formen von Feedback und Modulation zu ermöglichen.

Im Gespräch wird auch der Trend thematisiert, einzelne Elemente geliebter Instrumente als Module neu zu interpretieren. Obwohl Bruxa in der Linie von Strega steht, ist es bewusst kein direkter Klon – vielmehr bietet es einen einzigartigen Klangkern, der sich im modularen Kontext anders verhält. Das Ergebnis ist ein Modul, das sowohl vertraut als auch überraschend sein kann und Nutzer dazu ermutigt, im eigenen Setup unbekanntes Klangterrain zu erkunden.

Design-Philosophie: Ausdruck, Iteration und das Gefäß

Rolando und Cortini vergleichen ihren kollaborativen Prozess mit der Dynamik einer Band – schnell, manchmal unvorhersehbar und immer geprägt von den beteiligten Persönlichkeiten. Sie betonen, dass es nie das Ziel war, bestehende Schaltungen einfach neu zu verpacken, sondern etwas zu schaffen, das sie wirklich begeistert und sich im Meer elektronischer Instrumente abhebt. Der PT-Chip im Herzen von Bruxa ist eine bekannte Zutat, doch das Rezept – die Summe zahlloser kleiner Designentscheidungen – verleiht dem Modul seinen einzigartigen Charakter.

Ein wiederkehrendes Motiv ist die Idee, dass Werkzeuge wie Bruxa letztlich Gefäße für den persönlichen Ausdruck sind. Das Design des Moduls ermutigt die Nutzer, ihre eigene klangliche Identität einzubringen, statt eine bestimmte Nutzungsweise vorzugeben. Diese Haltung spiegelt sich auch in der rätselhaften Inschrift auf der Rückseite von Bruxa wider, die andeutet, dass die wahre Stimme des Instruments vom Anwender selbst kommt.

Abschließend thematisiert das Gespräch die Realität, neue Hardware in eine kritische und oft skeptische Welt zu entlassen. Während das Internet schnell anhand von Specs oder Demos urteilt, zeigt sich das wahre Potenzial erst, wenn Musiker das Modul selbst in die Hand nehmen. Bruxa ist hier sowohl Fortsetzung der experimentellen Linie von Make Noise als auch offene Einladung, etwas Neues zu erschaffen.

Egal wie viel Charakter ein Werkzeug haben kann – am Ende bist du es, der ihm eine Stimme gibt.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

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