MAKEN0ISE MultiWAVE: Patchen durch den Raum und ungewöhnliche Stimmungen

9. April 2026

MILES

MAKEN0ISE MultiWAVE: Patchen durch den Raum und ungewöhnliche Stimmungen

Make Noise meldet sich mit einem explorativen Tauchgang in die Welt alternativer Stimmungen zurück und nutzt das MultiWAVE-Modul als Startrampe für klangliche Abenteuer jenseits der klassischen 12-Ton-Skala. Im Video zeigt das Team, wie MultiWAVE in Kombination mit GTE ein Universum von EDO-Stimmungen (Equal Division of the Octave) erschließt, darunter das mathematisch faszinierende 31 EDO und die legendären Wendy-Carlos-Skalen. Erwartet eine patchorientierte Reise durch gestische Steuerungen, MIDI-MPE-Integration und den historischen Kontext von Stimmungssystemen – alles im typisch avantgardistischen Make-Noise-Stil. Wer schon immer wissen wollte, was passiert, wenn man mehr Töne ins Oktavfenster quetscht oder sich von der Tyrannei der perfekten Oktave befreit, bekommt hier das Ticket zu den äußeren Grenzen der modularen Tonhöhenwelt.

MultiWAVE: Ein Tor zu unkonventionellen Stimmungen

Das Video beginnt damit, dass Make Noise das MultiWAVE als Werkzeug präsentiert, mit dem man die weniger begangenen Pfade modularer Stimmungen betreten kann. Statt sich auf die vertraute 12-Ton-Gleichstufigkeit zu beschränken, liegt der Fokus auf der Erkundung von Equal Divisions of the Octave (EDO) und wie diese durch Patchen zugänglich und manipulierbar werden. Die Integration mit dem GTE (Gestural Time Extractor) wird als zentrales Element hervorgehoben, da sie eine dynamische und performative Steuerung der Stimmungssysteme ermöglicht.

Durch die Verbindung der Flexibilität von MultiWAVE mit dem gestischen Ansatz des GTE wird der Patchende ermutigt, sich von Standardskalen zu lösen und neue harmonische Territorien zu erkunden. Dieser Ansatz ist typisch für die Make-Noise-Philosophie: Module sind nicht nur Werkzeuge, sondern öffnen neue kreative Workflows und klangliche Möglichkeiten. Das Video bereitet so die Bühne für eine Reise durch alternative Stimmungen – mit dem Versprechen auf mathematische Raffinesse und musikalische Entdeckungen.


Gestische Tonhöhensteuerung: Die Space-Control im Einsatz

Im Mittelpunkt der Demonstration steht der Einsatz gestischer Steuerungen zur Manipulation der Tonhöhe, insbesondere durch die Space-Control am GTE. Der Präsentierende nutzt eine Metapher und vergleicht die GTE-Kanäle mit Streifen auf einem Hemd, wobei der Span-Regler die Streifen auswählt und die Space-Control deren Größe verändert. Diese Analogie hilft, zu verstehen, wie gestische Eingaben in feine Tonhöhenänderungen innerhalb eines Modular-Patches übersetzt werden können.

Wird die Space-Control angepasst, verändert sich die Anzahl der Schritte oder Töne, die in einen bestimmten Spannungsbereich passen – mehr oder weniger Töne werden in dieselbe physische Geste „gequetscht“. Dieser haptische Ansatz zur Steuerung von Stimmung und Ausgang ist ein Gegenentwurf zu Menü-Tauchgängen oder statischer Quantisierung und bevorzugt einen taktilen, patchbasierten Workflow. So werden Tonhöhenunterteilungen zu performativen Parametern, die zu Experimenten und Echtzeitmodulation einladen.

Betrachten wir die Kanäle des GTE als etwas wie die Streifen auf einem Hemd.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

MIDI MPE und die 31-EDO-Grenzerfahrung

Das Video zeigt anschließend, wie MultiWAVE über MIDI im MPE-Modus mit alternativen Tuning-Files wie 31 EDO verbunden werden kann. Damit umgeht man die Einschränkungen einer bloßen Abschwächung von Sequencer-Ausgängen, die ungenau und im spielbaren Bereich limitiert sein kann. Durch das Laden einer 31-EDO-Stimmung kann MultiWAVE kleinere Intervalle über die Tastatur verteilen und eröffnet so eine ganz neue melodische Landschaft.

Es wird darauf hingewiesen, dass 31 EDO harmonisch genauere Terzen und Quinten als 12 EDO ermöglicht, aber auch so konfiguriert werden kann, dass nur 12 der 31 Töne auf die Tastatur gemappt werden. Dieser hybride Ansatz erhält vertraute melodische und harmonische Bewegungen, verschiebt sie aber subtil in Richtung reinerer Intervalle. Der Workflow zeigt, wie MultiWAVEs MIDI-Fähigkeiten einen Spielplatz für mikrotonale und alternative Stimmungssysteme eröffnen, ohne auf Spielbarkeit zu verzichten.


Ein kurzer Abriss zu Stimmungen und der Mathematik der Oktave

Wenn man die Anzahl der Teilungen in der Oktave ändert, bleibt die Oktave selbst gleich groß, aber die Anzahl der möglichen spielbaren Töne…

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Der Präsentierende macht einen Exkurs in die historische und mathematische Einordnung alternativer Stimmungen und verweist auf Persönlichkeiten wie John Coltrane und Wendy Carlos. Coltranes Diagramm wird als Versuch beschrieben, alle möglichen Notensammlungen logisch zu überlappen, während andere Musiker die Oktave in andere Teilungszahlen als 12 aufteilen, um verschiedene harmonische Ergebnisse zu erzielen.

Die Motivation für höhere Teilungen wie 31 EDO wird als Annäherung an reine Intervalle wie Terzen und Quinten erklärt – bei gleichzeitiger Symmetrie über alle Tonarten hinweg. Das Video empfiehlt außerdem Kyle Ganns „The Arithmetic of Listening“ für alle, die tiefer in die Theorie einsteigen wollen, und betont: Die Änderung der Teilungszahl verändert die verfügbaren Töne im gleichen Oktavraum.

Wendy Carlos’ Alpha-, Beta- und Gamma-Skalen werden als Beispiele für die Teilung anderer Intervalle als der Oktave vorgestellt – konkret der reinen Quinte. Diese Skalen führen zu nicht oktavwiederholenden Strukturen und ungewohnten Intervallbeziehungen, die das klangliche Spektrum erweitern. Die Gamma-Skala etwa teilt die Quinte in 20 Teile und erzeugt dichte Cluster und neue harmonische Texturen. Dieser Kontext vertieft das Verständnis, warum und wie MultiWAVE für solche Erkundungen genutzt werden kann.

Patchtechniken: Neue Muster aus ungewohnten Skalen

Im späteren Teil des Videos geht es um Patchtechniken, mit denen sich diese alternativen Stimmungen kreativ nutzen lassen. Indem der Channel-Index-Ausgang von MultiWAVE auf den Span-Eingang des GTE geroutet wird und GTE wiederum andere Module wie Polymaths im Binary-Counter-Modus triggert, entstehen komplexe, unvorhersehbare Muster. Der Präsentierende experimentiert damit, Noten makroskopisch zu verteilen und Parameter wie Fallzeit und Ausgangsstärke je nach Kanalaktivität zu modulieren.

Dieser patchbasierte Workflow nimmt die Unvorhersehbarkeit und Fremdheit nicht-standardisierter Stimmungen an. Der Performer gibt einen Teil der Kontrolle darüber ab, welche Noten auf welchen Kanälen erscheinen, und konzentriert sich stattdessen darauf, das System zu erspüren und neue Spielweisen zu entdecken. Das Video ermutigt dazu, eigene Lieblingstunings auf dem MultiWAVE zu erkunden – denn die eigentliche Magie liegt im Zusammenspiel von Patch, Performance und mathematischer Klangstruktur.


Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/maken0ise-multiwave-patching-through-space-and-unusual-tunings/
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