MAKEN0ISE: Strumming the Grid – Ein Patch-Abenteuer jenseits des Sequenzierens

15. Jänner 2026

MILES

MAKEN0ISE: Strumming the Grid – Ein Patch-Abenteuer jenseits des Sequenzierens

Im neuesten Video von Make Noise nehmen uns die Modular-Tüftler aus Asheville mit auf eine Reise durch einen Patch, der klassische Sequenzierung zugunsten einer Strumming-Technik hinter sich lässt. Statt sich an die üblichen Raster zu halten, erforscht der Patch langsame zyklische Modulation, kreatives Signalrouting und sich entwickelnde harmonische Landschaften. Wie immer ist der Ansatz von Make Noise experimentell und offen – und zeigt, wie weit sich ihre Module pushen lassen, wenn man abseits der Step-Sequencer denkt. Wer neugierig auf innovative Workflows und die klanglichen Eigenheiten von Make Noise ist, findet in dieser Patch-Analyse eine wahre Fundgrube.

Strumming statt Stepping: Das Patch-Konzept

Das Video beginnt mit einem Geständnis: Dieser Patch entstand aus dem Versuch, der Tyrannei des grid-basierten Sequenzierens zu entkommen. Anstelle des üblichen, schrittweisen Notentriggerns wird eine Strumming-Technik als Kern des Patches eingeführt. Dieser Ansatz sorgt sofort für einen organischeren und weniger vorhersehbaren Notenfluss – eher wie das Zupfen von Saiten als das Programmieren von Steps.

Im Zentrum des Patches steht ein langsam zyklischer Kanal von Maths, mit leicht exponentieller Kurve. Diese Modulation wird auf den Span-Eingang des Polymath-Moduls geroutet und erzeugt so einen abwärts gerichteten Strum über alle acht Kanäle. Durch die Steuerung des Span-Eingangs via Tenuverter zeigt der Patch-Ersteller, wie man durch den gesamten Kanalbereich sweepen kann – sogar mit Überschuss, wenn gewünscht. Dieses Strumming ersetzt die klassische Sequenzierung durch eine gestenbasierte Notenkaskade und setzt so den Ton für den weiteren Verlauf des Patches.

Ich wollte etwas Langsames machen, das weit entfernt vom typischen grid-basierten Sequenzieren ist.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Modulation in Bewegung: Maths, Polymath und Effekte

Es gibt wahrscheinlich mehr Möglichkeiten, das zu tun, als ich mir überhaupt vorstellen kann.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Der Signalfluss des Patches ist ein Paradebeispiel modularer Choreografie. Der Maths-Kanal steuert nicht nur den Span-Eingang des Polymath, sondern setzt auch alle Kanäle auf ihre unmodulierte Tonhöhe zurück – so beginnt jeder Strum frisch. Dieses Zurücksetzen ist entscheidend, um mit jedem Zyklus eine neue Notenreihe zu erzeugen und die Sequenz lebendig und unvorhersehbar zu halten.

Noch mehr Komplexität entsteht, indem Rene mit einem schnellen Puls von Tempi getaktet wird, während der End-of-Cycle-Ausgang des Strum-Kanals auf den Z-Mod-Eingang gepatcht wird und so die States – und damit die verfügbaren quantisierten Noten – wechselt. Jeder Strum kann also aus einer anderen Notenpalette schöpfen, wobei die tatsächlich an die Multiwave-Kanäle gesendeten Noten vom aktuellen State abhängen. Das Ergebnis ist ein Patch, der ständig in Bewegung ist und sich nie exakt wiederholt.

Strum-gesteuerte Sequenzierung: Noten, Modulation und Akkumulation

Statt auf eine feste Sequenz zu setzen, dient hier der Strum-Kanal als Hauptmotor für die Notengenerierung. Durch das Patchen des Strum-Gates auf den Accumulate-Eingang von Multiwave werden die Kanäle nur am Ende jedes Strums aktiviert – so erfolgen Pitch-Updates synchron zu den State-Wechseln. Das garantiert, dass jeder Strum einen kohärenten Satz an Noten aus nur einem State liefert, statt eines Mischmaschs aus mehreren States.

Um die Vorhersehbarkeit weiter zu destabilisieren, wird ein weiterer Maths-Kanal ins Spiel gebracht, der auf Renes XCV-Eingang mit der Fun-Add-Funktion gepatcht wird. So sind in-Skala-Transpositionen möglich, die pro State an- oder ausgeschaltet werden können – eine weitere Variationsebene. Der Maths-Ausgang kann zudem in den Strum selbst gemischt werden und verändert so subtil die Bewegung und das Gefühl der Kaskade. Das Resultat ist ein Patch, bei dem jeder Strum sowohl strukturiert als auch überraschend bleibt, mit Modulation als integraler Bestandteil der Sequenz.

Sie spielen ausschließlich Noten aus genau einem State pro Strum.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Zufall und Obertöne: Spannung, Oszillation und Klangentwicklung

Praktisch gesehen randomisieren wir die Rate jedes Kanals im Moment der Aktivierung.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Kein Make Noise Patch wäre komplett ohne eine ordentliche Portion Zufall und sich entwickelnde Klangfarben. Hier wird eine langsame Zufallsspannung vom Wogglebug auf den Exponential-Eingang von Oszillator A geschickt und randomisiert so pro Kanal die Oktave – bei jedem Zyklus entstehen neue harmonische Inhalte. Dieser Zufall sorgt dafür, dass selbst wiederholte Gesten stets neue Ergebnisse liefern.

Weitere klangliche Aufwertung entsteht, indem Multiwave-Ausgänge in Multi-Mod gepatcht werden, der die Rate des Eingangssignals teilt und multipliziert. Da es sich um Audio handelt, entsteht ein reiches Gemisch aus Obertönen und Subharmonien. Anschließend werden Highpass-gefilterte Ausgänge durch Mimeophon und weiter in den QPAS-Filter geleitet, wobei die Filterfrequenz für zusätzliche Bewegung moduliert wird. Auch der Spread-Parameter von Multi-Mod wird vom Strum moduliert, sodass die klangliche Entwicklung direkt mit der Kern-Geste des Patches verknüpft ist.

Patch-Flexibilität: Modulation, Exploration und Kreativität

Der letzte Akt des Videos demonstriert, wie flexibel diese Patch-Architektur sein kann. Wird das gleichmäßige Strum-Tempo zu eintönig, kann dessen Rate moduliert werden – das verändert den Charakter des Patches dramatisch. Mit dem Follow-the-Leader-Cycling kommen zusätzliche Events zwischen die Strums, was die Unvorhersehbarkeit weiter steigert, ohne ins Chaos abzudriften.

Noch weiter getrieben wird das Ganze, indem die Oszillationsrate von Polymath mit einem weiteren Multi-Mod-Kanal moduliert wird – selbst Audiosignale werden vom System als Sample-and-Hold-Modulationsquellen behandelt. Der Patch-Ersteller geht noch einen Schritt weiter und führt echte Audio-Rate-Modulation ein, indem Multi-Mod-Kanäle durch DXP und in den Radiate-Eingang von QPAS geschickt werden. Das Ergebnis ist eine weitläufige, sich ständig entwickelnde Klanglandschaft, die das kreative Potenzial von Make Noise-Modulen bei explorativem Ansatz eindrucksvoll demonstriert.


Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/maken0ise-strumming-the-grid-a-patch-adventure-beyond-sequencing/
Zum YouTube Video:


Zum YouTube Video: