Novations Launchkey trifft Klevgrand: Zwei Stunden, ein Track, unendliche Workflow-Lektionen

22. August 2025

LYRA

Novations Launchkey trifft Klevgrand: Zwei Stunden, ein Track, unendliche Workflow-Lektionen

Was passiert, wenn man zwei Produzenten in ein Berliner Studio sperrt – mit nur einem Novation Launchkey Mini, Logic Pro und der kompletten Klevgrand-Plugin-Suite? Novations neuestes Video beantwortet diese Frage mit einer zweistündigen Music-Production-Challenge, die mindestens so sehr um Workflow wie um Sound kreist. Im Mittelpunkt stehen Vini von Novation und Lucas von Klevgrand, die unter strikten Vorgaben einen Track von Grund auf bauen. Zu sehen gibt es Drum-Programming, Chord-Mapping, Arpeggiator-Tricks und kreativen Effekt-Einsatz – alles mit Fokus darauf, wie digitale Tools und Performance-Hardware den Produktionsprozess prägen. Wer sich für die Architektur hybrider Setups und die Praxis DAW-basierter Komposition interessiert, erhält hier einen aufschlussreichen Einblick in Möglichkeiten (und Grenzen) kreativer Beschränkung.

Berlin, Beschränkungen und das Zwei-Stunden-Track-Experiment

Das Video von Novation startet im klassischen Challenge-Format: Zwei Produzenten, Vini von Novation und Lucas von Klevgrand, treffen sich erstmals in Berlin und nehmen sich vor, in nur zwei Stunden einen kompletten Track zu produzieren. Die Regeln sind klar und streng – als MIDI-Controller dient ausschließlich ein Novation Launchkey Mini 37, als DAW Logic Pro, und für alle Instrumente und Effekte kommen ausschließlich Klevgrand-Plugins zum Einsatz. Lediglich der Logic-eigene EQ ist fürs Mischen erlaubt, alles andere muss aus dem Klevgrand-Universum stammen. Damit rückt der Fokus sofort auf effiziente Workflows und kreatives Problemlösen statt auf endlose Optionen.

Der Ton des Videos ist angenehm offen: Beide Produzenten geben zu, dass sie unterschiedliche Herangehensweisen beim Songwriting haben – der eine startet meist mit Rhythmus und Drums, der andere mit harmonischen Instrumenten. Diese Unterschiedlichkeit sorgt für einen spannenden Austausch über die musikalische Richtung. Die Challenge ist somit mindestens genauso sehr ein Experiment in Zusammenarbeit und Anpassung an Grenzen wie ein musikalisches Ergebnis.


Drum-Fundamente, Chord Maps und der Tomofon-Workflow

Die erste technische Vertiefung erfolgt beim Drum-Programming mit Klevgrands OneShot-Plugin als Drum-Engine. Der Drum-Pad-Modus des Launchkey wird fürs Fingerdrumming genutzt, wobei Kick, Snare und Hi-Hat nacheinander eingespielt werden. OneShots Velocity-Layering (bis zu 40 Layer pro Drum) wird als dynamisches Highlight hervorgehoben, und der Workflow bleibt bewusst simpel, um den Zeitdruck der Challenge nicht aus dem Blick zu verlieren.

Anschließend rückt der harmonische Aufbau in den Fokus. Klevgrands Tomofon – eine Mischung aus Wavetable-Synth und Sampler, selbstbewusst als „Real Audio Synth“ bezeichnet – liefert die Akkorde. Die Produzenten wählen ein paddy, steel-gitarrenartiges Preset und führen Klevgrands Chord Map vor, die Akkord-Voicings und Strumming-Effekte automatisiert. Parameter wie „Roll“, „Adventure“ und „Explore“ werden gezeigt und erlauben alles von simplen Blockakkorden bis zu jazzigen, breiten Inversionen. Die Möglichkeit, eine Tonart (hier G Mixolydian) zu setzen und Akkordkomplexität on the fly zu morphen, ist ein klarer Workflow-Vorteil.

Dieser Abschnitt zeigt, wie digitale Tools harmonisches Experimentieren beschleunigen können. Die Integration des Launchkey mit diesen Plugins ermöglicht es, Ideen schnell zu skizzieren, Voicings zu variieren und eine harmonische Basis zu schaffen – ohne sich in Menüs oder MIDI-Editing zu verlieren.

For the drums, we used OneShot, which is like your workstation for drums, our flagship plugin for drums.

© Screenshot/Zitat: Novationtv (YouTube)

Arpeggiator und Bass: Performance-Tools in Aktion

Something that I really like doing with the launch key when I'm trying to put bass lines together and I'm not quite there with the rhythm…

© Screenshot/Zitat: Novationtv (YouTube)

Mit Rhythmus und Akkorden im Kasten geht es an die Bassline. Hier wird der eingebaute Arpeggiator des Launchkey zum kreativen Werkzeug für rhythmische und melodische Bassmuster. Die Produzenten zeigen, wie Latch-, Tempo- und Mutationsfunktionen schnelles Experimentieren ermöglichen – Gate-Länge, Notendichte und Rhythmusgefühl lassen sich im Handumdrehen variieren.

Dieser Ansatz unterstreicht, wie performance-orientierte Features moderner MIDI-Controller die Grenze zwischen Komposition und Live-Improvisation verwischen. Statt eine statische Bassline zu programmieren, lädt der Arpeggiator zum spielerischen Entdecken ein und macht es leicht, Variationen zu testen und Grooves zu finden, die zum Track passen.

Arrangieren, FX-Layer und der Logic-Pro-Mixdown

Im weiteren Verlauf rückt das Arrangement in den Mittelpunkt. Das Team baut A- und B-Parts auf, nutzt Akkordvariationen und Drum-Änderungen für Kontraste. Klevgrands Skaka-Plugin übernimmt Shaker- und Percussion-Aufgaben und wird für seine Bedienfreundlichkeit gelobt – einfach eine Note halten, und vorprogrammierte Rhythmen laufen ab, ganz ohne manuelles Pattern-Programmieren.

Für Charakter sorgt das Intro mit Klevgrands DAW Cassette, das Lo-Fi-Tape-Texturen und automatisierte Übergänge beisteuert. Weitere Layer entstehen durch arpeggierte Synths, die durch Klevgrand Stark (Amp-Simulation) und Spinn (Multiband-Modulation für Stereobewegung) geschickt werden. Die Akkordklänge werden mit Tomofon verfeinert, und Raumtiefe bringt Revolv, ein Convolution-Reverb. Der Launchkey bleibt dabei stets das zentrale Performance-Interface – von Akkord-Stabs bis Drum-Fills.

Das Mixing erfolgt in Logic Pro, wobei Klevgrands Korvpressor für visuelles Kompressions-Feedback sorgt – ein Detail, das sowohl für den Sound als auch für den Lerneffekt geschätzt wird. Der Workflow zeigt, wie eine fokussierte Plugin-Suite und ein eng integrierter Controller nicht nur das Sounddesign, sondern auch Arrangement und Mixdown effizient gestalten können.


Reflexion: Grenzen als Kreativmotor und die Kraft der Einfachheit

Mit dem fertigen Track ziehen die Produzenten Bilanz. Sie benennen die Einschränkungen – begrenzte Plugin-Auswahl, ein einziger MIDI-Controller, knappe Zeit – und betonen zugleich, wie gerade diese Limits Kreativität freigesetzt und zu schnellen Entscheidungen gezwungen haben. Nicht jede Idee hat perfekt funktioniert, manches Plugin blieb ungenutzt, doch der Prozess offenbarte die Stärken von Launchkey und Klevgrand-Ökosystem.

Ihr Fazit plädiert für den Wert selbstgewählter Beschränkungen in der Musikproduktion. Wer sich auf das Nötigste reduziert, entdeckt neue Workflows, unerwartete Sounds und das befriedigende Gefühl, unter Druck einen Track abgeschlossen zu haben. Für alle, die sich von endlosen Optionen verführen lassen, ist dieses Video ein überzeugendes Plädoyer für die kreativen Vorteile des Arbeitens „in der Box“.

If you're at home and you're watching this, maybe you should try making a song just with a limitation, just like one keyboard, one set of…

© Screenshot/Zitat: Novationtv (YouTube)

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