Sonicware Ambient Ø v1.5: Mikrotonale Expansion und Workflow-Verbesserungen

15. März 2025

LYRA

Sonicware Ambient Ø v1.5: Mikrotonale Expansion und Workflow-Verbesserungen

Sonicware hebt das Ambient Ø mit dem umfangreichen Firmware-Update v1.5 auf ein neues Level und positioniert es als vielseitige, performancetaugliche Ambient-Workstation. Bekannt für ihren benutzerfreundlichen und dennoch innovativen Ansatz, liefert Sonicware neue mikrotonale und workflow-orientierte Features, die sowohl experimentelle Sounddesigner als auch Ambient-Komponisten ansprechen. In diesem offiziellen Walkthrough, präsentiert in Zusammenarbeit mit Daniel Beck Rose, stehen die Highlights des Updates im Fokus: temperamentbezogene Einstellungen pro Pattern, erweiterte LFOs, Relaxation Playback und Echtzeit-Line-In-Bearbeitung. Wir analysieren, wie sich diese architektonischen Änderungen auf kreative Workflows auswirken – und wo das Ambient Ø nun im Feld der digitalen Ambient-Instrumente steht.

Ambient Ø v1.5: Ein neues Kapitel im Ambient-Design von Sonicware

Das Ambient Ø von Sonicware wird hier nicht einfach als weitere Groovebox vorgestellt, sondern als Plattform, die sich durch Firmware-Updates weiterentwickelt – wobei v1.5 einen besonders markanten Sprung darstellt. Der Update-Prozess selbst wurde mit einer eigenen Webanwendung deutlich vereinfacht und ist nun auch für weniger technikaffine Nutzer zugänglich. Im Video wird die Installation Schritt für Schritt demonstriert: USB-Verbindung, Gerät auswählen, Update-Modus aktivieren – den Rest übernimmt die Web-App. Ein erfreulicher Schritt für ein Gerät, das offensichtlich auf regelmäßige, firmwaregetriebene Weiterentwicklung ausgelegt ist.

Über die reinen Update-Mechanismen hinaus bringt v1.5 eine deutliche Erweiterung des Preset-Ökosystems. Nutzer erhalten Zugriff auf 64 Werkspatterns, organisiert in acht Bänken zu je sechzehn Patterns, mit einem webbasierten Tool für gezielten Pattern-Transfer. Im Video wird der Workflow zum Browsen und Verwalten dieser Patterns gezeigt und demonstriert, wie das Ambient Ø schnelle Navigation zwischen Bänken und Patterns unterstützt – ein essenzielles Feature für ein Gerät, das auf sich entwickelnde, vielschichtige Klanglandschaften ausgelegt ist. Sonicwares Ansatz ist dabei pragmatisch: Backup-Hinweise, nicht-destruktive Transfers und eine Bedienoberfläche, die tiefgehende Klangforschung zugänglich hält.


Mikrotonale Power: Temperament und Stimmung pro Pattern

Ein zentrales Feature von v1.5 ist die Möglichkeit, das Temperament für jedes Pattern individuell festzulegen – damit betritt das Ambient Ø ein Terrain, das sonst meist Software oder High-End-Modularsystemen vorbehalten ist. Das Temperament-Menü ist über eine einfache Funktion-Pattern-Kombination erreichbar und bietet eine breite Palette an Stimmungssystemen: gleichstufig, reine Dur/Moll, pythagoreische Varianten, Solfeggio, Chakra und Planetary Tunings. Im Video wird gezeigt, wie sich jedes Temperament zuweisen lässt und wie sich die klanglichen Unterschiede – besonders beim Überlagern von Patterns – bemerkbar machen. Das ist sowohl lehrreich als auch musikalisch inspirierend.

Die mikrotonalen Möglichkeiten werden noch erweitert, da jede Ebene eines Patterns ihre eigene Kammertonhöhe bekommen kann, einstellbar über Layer-Taste und Value-Regler. Das Update bringt zudem zwei Master-Tuning-Modi: Stimmung in Cent oder Hertz, wobei Letzteres nun Standard ist. Diese doppelte Herangehensweise erlaubt sowohl traditionelle als auch experimentelle Workflows, und die Möglichkeit zur Feinstimmung in Dezimalschritten (bei Hertz) eröffnet neue klangliche Nuancen. Das Video macht klar: Für die Theorie empfiehlt sich das Handbuch, aber der Workflow selbst ist unkompliziert und lädt zum Ausprobieren ein.

This one brings some brand new and exciting features, including the ability to set the temperament of the Ambient Zero on a per pattern…

© Screenshot/Zitat: Sonicware (YouTube)

Relaxation Playback Mode: Nahtlose Pattern-Übergänge für fließende Klanglandschaften

This playback mode allows us to play multiple patterns in a row in an order of our choosing. And it's going to do a nice smooth transition…

© Screenshot/Zitat: Sonicware (YouTube)

Der Relaxation Playback Mode ist ein neues Performance-Tool, das sich gezielt an Ambient- und Cinematic-Produzenten richtet. Nutzer können mehrere Patterns in beliebiger Reihenfolge aneinanderreihen und erhalten dank sanfter Überblendungen fließende Übergänge – ideal für lang angelegte, sich entwickelnde Kompositionen ohne manuelle Eingriffe. Der Einstieg ist simpel: Doppelklick auf die Pattern-Taste, zwei zentrale Parameter – Wiederholungen pro Pattern und Fade-Out-Zeit – sind direkt einstellbar.

Der Workflow ist auf Flexibilität ausgelegt: Patterns werden in Sequenz ausgewählt, und die Übergänge werden visuell auf dem Sequenzer angezeigt. Die Fade-Out-Zeit, einstellbar von fünf bis dreißig Sekunden, sorgt dafür, dass Übergänge je nach musikalischem Kontext subtil oder dramatisch ausfallen können. Dieser Modus ist ein klares Statement für die Bedürfnisse von Ambient-Performern, die sowohl Struktur als auch Flexibilität in Live- oder Studiosituationen benötigen – und er fügt sich nahtlos in die Architektur des Ambient Ø ein.

LFO-Evolution: Neue Schwingungsformen und Oszillator-Level-Modulation

Das v1.5-Update erweitert die Modulationsarchitektur des Ambient Ø deutlich. Drei neue LFO-Schwingungsformen – Long Sine, Long Triangle und Long Synchronized Random – sind hinzugekommen, jeweils für ultrasanfte, langsame Modulationen, wie sie besonders im Ambient-Bereich gefragt sind. Im Video wird gezeigt, wie diese Formen schnell erreichbar sind und wie ihre langsamen Zyklen für organischere Klangbewegungen sorgen.

Ein echtes Highlight ist die neue LFO-Zuweisung: Oszillator-Level. Im Unterschied zur klassischen Level-Zuweisung, die die Gesamtlautstärke einer Ebene moduliert, erlaubt Oszillator-Level eine pro-Note-Modulation und erzeugt so schimmernde, unsynchronisierte Amplitudeneffekte über polyphone Texturen hinweg. Der Presenter illustriert, wie sich damit komplexe Hüllkurvenverläufe – etwa Decay- und Sustain-Phasen – nachbilden lassen und das Klangdesign ohne zusätzliche Hüllkurvengeneratoren deutlich erweitert wird. Diese architektonische Feinheit ist subtil, aber wirkungsvoll und wird mit klaren, praxisnahen Beispielen präsentiert.

We have the default sine shape, and if you go to the right, you'll see all of your old friends, but if you keep going, eventually you'll…

© Screenshot/Zitat: Sonicware (YouTube)

Line-In-Processing: Das Ambient Ø als Echtzeit-Audio-Processor

And now, the noise layer is set up to do live processing of the audio that you're sending in through the line in of the Ambient Zero.

© Screenshot/Zitat: Sonicware (YouTube)

Vielleicht die transformierendste Neuerung in v1.5 ist die Möglichkeit, externe Audiosignale in Echtzeit über den neuen Line-In-Modus der Noise-Layer zu verarbeiten. Am Ende der Sample-Liste der Noise-Layer lässt sich Line-In auswählen, wodurch externe Signale durch das komplette Effekt- und Modulationsarsenal der Noise-Layer geschickt werden können. Im Video werden Live-Manipulationen von Reverb, Shimmer, Filter, Resonanz, Level und Panning sowie LFO-Modulation dieser Parameter demonstriert – und so gezeigt, wie externe Quellen nahtlos in Ambient-Kompositionen integriert werden können.

Es gibt Einschränkungen – Pitch- und Tune-Parameter sind gesperrt, die Tastatur der Noise-Layer ist in diesem Modus deaktiviert –, aber das kreative Potenzial ist enorm. Der Presenter zeigt, wie subtile LFO-gesteuerte Tremolos oder Filtersweeps eingehende Audiosignale radikal transformieren können – und eröffnet damit neue Workflows für Live-Processing, Resampling oder hybride Setups. Für alle, die interne Synthese und externe Klanglandschaften verschmelzen wollen, ist dieses Feature ein echter Schritt nach vorn für das Ambient Ø.

Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/sonicwares-ambient-o-v1-5-microtonal-expansion-and-workflow-upgrades/
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