Spectral Microsonics: Make Noise taucht in modulare Mikrosounds ein

4. Juli 2024

MILES

Spectral Microsonics: Make Noise taucht in modulare Mikrosounds ein

Make Noise, die experimentierfreudigen Eurorack-Tüftler aus Asheville, melden sich mit einem Deep Dive in die Welt der Spectral Microsonics zurück. Im Video wird komplexes Sounddesign und Mikrosound-Technik anhand eines Patches rund um Morphagene, DXG und weitere Make Noise-Module demonstriert. Erwartet werden praktische Beispiele für Pulsar-, Lysone- und Framelit-Synthese sowie eine ordentliche Portion kreativer Modulation und Transientengestaltung. Wie immer bei Make Noise steht das offene Erkunden und die Patch-Strategie im Vordergrund – mit genug Raum, sich in Details zu verlieren oder ein paar Feedback-Schleifen zu entdecken.

Mikrosound im Modular-Kosmos

Das Video startet mit einem Verweis auf die geräuschvolle Tagesstimmung und leitet damit eine Session ein, die sich auf komplexes Sounddesign konzentriert. Make Noise erinnert an das frühere Video „Microsound Workshop“ und knüpft an Techniken aus Curtis Rhodes’ Buch „Microsound“ an. Damit positioniert sich der Spectral Microsonics-Patch als Fortsetzung dieser Tradition und lotet die granularen und texturalen Möglichkeiten eines Modularsystems aus.

Statt bei Null zu beginnen, dient das bereits erstellte Morphagene-Reel als klangliche Grundlage. Dieses Reel, das zum Download bereitsteht, fungiert als Ausgangspunkt für weitere Experimente. Der Ansatz ist pragmatisch: Bewährte Mikrosound-Techniken werden genutzt und mit aktuellen Make Noise-Modulen und kreativen Routings in neue Gefilde geführt.

If you've been watching the channel for a while, you might remember a video called "Microsound Workshop" from 2019.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Pulsar, Lysone und Framelit: Synthese in Aktion

Im Video werden drei zentrale Mikrosound-Syntheseverfahren demonstriert: Pulsar-, Lysone- und Framelit-Synthese. Jede Methode wird kurz anhand des Morphagene-Ausgangs und über den DXG vorgestellt, um ihren individuellen Klangcharakter zu zeigen. Die Pulsar-Methode liefert körnige Impulsfolgen, während Lysone und Framelit kontrastierende Texturen und rhythmische Strukturen bieten.

Durch das Abhören der DXG-Ausgänge und das Patchen der Morphagene-Ausgänge auf Kanal 2 entsteht ein flexibler Spielplatz für spektrale Manipulationen. Der Workflow zeigt, wie sich diese Syntheseverfahren schichten und kombinieren lassen – das Morphagene-Reel dient dabei als reichhaltige Quelle mikroskopischer Klangbausteine für weitere Transformationen.


Modulation und Transientengestaltung: Die Kunst der Kontrolle

If we patch it to channel 4's signal input, we can add it to that offset to allow it to poke itself through more as the output gets louder.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Ein Schwerpunkt des Patches liegt auf dynamischer Kontrolle und Transientengestaltung. Im Video wird gezeigt, wie der Thumb-Ausgang von Maths auf den Control-Eingang des DXG gepatcht wird, um die Präsenz des Sounds manuell oder per CV zu steuern. Dieser praxisnahe Ansatz ist typisch für Make Noise: Nutzer sollen ihren Sound in Echtzeit formen, nicht nur einmal einstellen und vergessen.

Noch mehr Nuancen entstehen durch das Nutzen des Envelope-Followers-Ausgangs vom Morphagene, der auf Maths Kanal 4 gepatcht wird. So reagiert das System auf die Amplitude des eingehenden Audios und hebt Transienten und Spitzen hervor. Mit Anpassungen an Fallzeit und Offset von Maths zeigt der Patcher, wie sich die Hüllkurvenantwort feinjustieren lässt – für präzise Kontrolle darüber, wie viel Mikrosound-Inhalt sich im Mix durchsetzt.

Kreatives Routing: Ein klangliches Ökosystem bauen

Der Patch wächst, indem DXG-Ausgänge durch Brusa geschickt und dann zurück ins System geführt werden – Brusa dient dabei als Send-Effekt mit komplett nassem Blend. Über den Input-Level lässt sich die Send-Menge steuern – ein Ansatz, der an klassische Studiotechnik erinnert, aber mit modularer Flexibilität.

Parallel wird ein weiterer DXG-Ausgang auf beide Eingänge des Spectrophone geschickt, das im Spectral Amplitude Modulation-Modus läuft. Die ungeraden Ausgänge des Spectrophone werden zurück auf DXG Kanal 1 geführt, wodurch eine spektrale Resynthese der Mikrosounds entsteht. Diese verzahnte Verschaltung verkörpert den Make Noise-Ansatz: Das Modularsystem als lebendiges Ökosystem, in dem sich die Module gegenseitig beeinflussen und transformieren.

This gives us spectral resynthesis of the micro sounds.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Modulationswahnsinn: Bewegung ins Patch bringen

Mit dem Fundament steht nun die Modulationsstrategie im Fokus. Ausgänge des Channel Saver werden auf Ziele wie Very Speed, Side A Vulper Octave und den abgeschwächten Time-Eingang von Brusa gemultet. So werden mehrere Parameter gleichzeitig moduliert und es entsteht eine ständig wechselnde Klanglandschaft.

Manuelle Modulation per Offset-Regler ist ausdrücklich erwünscht, doch der Patcher demonstriert auch die Kraft von Feedback und Envelope-Follower-CVs. Durch Slide-Feedback am Morphagene und Modulation des Slides mit dem Envelope-Follower von Side A verweigert sich das Patch dem Stillstand – die Genes verweilen nie lange am selben Ort. Das Ergebnis ist ein lebendiges Patch, in dem Feedback-Schleifen und Beinahe-Loops organisch aus dem Zusammenspiel von Modulation und Audiosignalen entstehen.


Community und fortlaufende Erkundung

Zum Abschluss lädt Make Noise die Zuschauer ein, ihre eigenen Ansätze zur mikroskopischen Synthese zu teilen. Der Aufruf, den Microsound-Workshop auf Synthese-Ebene erneut zu besuchen, signalisiert einen fortlaufenden Dialog mit der Modular-Community. Diese offene Haltung ist typisch für Make Noise: Ein Patch ist nie wirklich fertig, und jeder Zuschauer ist eingeladen, die Ideen im eigenen System weiterzuentwickeln.


Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/spectral-microsonics-make-noise-dives-into-modular-microsound/
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