Syntaur beleuchtet: Suzanne Ciani’s Seven Waves – Eine klangliche Gezeiten-Erinnerung

25. Jänner 2026

LUMINA

Syntaur beleuchtet: Suzanne Ciani’s Seven Waves – Eine klangliche Gezeiten-Erinnerung

Tauche ein in die schimmernde Welt von Suzanne Ciani, in der jeder Ton eine Welle und jeder Patch ein Sternbild ist. In dieser poetischen Reflexion lädt Syntaur uns ein, durch die Entstehung von ‚Seven Waves‘ zu treiben – Cianis bahnbrechendes Debüt, das klassische Wurzeln mit elektronischer Innovation vereint. Der Buchla atmet, Rhythmen verlangsamen sich bis zum Mondtempo, und Klang wird zum Zufluchtsort. Mit Syntaurs typischer Ehrfurcht vor analoger Magie erhaschen wir einen Blick auf die emotionale Strömung und technische Kunstfertigkeit hinter Cianis traumhaften Klanglandschaften. Dies ist nicht nur eine Geschichte über Geräte, sondern über Wellen – über Erinnerung, Raum und die Freude, zur eigenen Stimme zurückzukehren.

Die Entstehung der Seven Waves

Die Geburt von ‚Seven Waves‘ entfaltet sich als Begegnung zweier Ströme: Suzanne Cianis klassische Herkunft und ihre Umarmung der elektronischen Sprache. Sie spricht davon, dieses Album viele Jahre lang machen zu wollen, nur um festzustellen, dass sich die Welt verändert hatte, als sich die Gelegenheit endlich bot. Die Synthesizer-Landschaft – Yamaha, Korg, Roland, Moog – blühte auf, doch Cianis Herz trug die Einsamkeit ihrer frühen Buchla-Experimente, die von vielen nicht verstanden wurden.

Inmitten dieses Wandels entsteht ‚Seven Waves‘ nicht als Bruch, sondern als Zusammenfluss. Cianis sorgfältige Dokumentation jedes Instruments – Roland MC-4, MC-8 und natürlich der Buchla – zeigt ihre Ehrfurcht vor diesen Maschinen als ihr eigenes Orchester. Das Album wird zum Gefäß, das sowohl die Nostalgie des ersten Analog-Zeitalters als auch das Versprechen neuer klanglicher Horizonte trägt.

Seven Waves ist wirklich eine Verschmelzung meiner klassischen Wurzeln mit meiner elektronischen Sprache.

© Screenshot/Zitat: Syntaur (YouTube)

Klang als Zuflucht: Die emotionale Strömung

Mein Ziel war es, einen sicheren Raum zu schaffen.

© Screenshot/Zitat: Syntaur (YouTube)

Im Kern von ‚Seven Waves‘ liegt die Sehnsucht nach Geborgenheit – ein sicherer Raum, der im Klang beschworen wird. Cianis Vision war es, den Hörer einzuhüllen, eine Umgebung zu schaffen, so immersiv wie Nebel in einem Traum. In Quadrophonie arbeitend, formte sie räumlichen Klang und lud uns ein, die Musik nicht nur zu hören, sondern zu bewohnen.

Die Maschinen, mit ihren verlässlichen Rhythmen, wurden ihre Mitverschwörer in der Langsamkeit. Wo menschliche Hände ins Stocken geraten könnten, konnten die Elektroniken träge Pulse halten, das Tempo der damaligen Musik halbieren. In dieser Verlangsamung fand Ciani eine sanfte Schwerkraft, einen Ort, an dem sich die Zeit dehnt und der Hörer schwebt – unbeeilt und furchtlos.

Wellen aus Drähten: Die Stimme des Buchla und die Kunst des Klangschaffens

Cianis Beziehung zum Buchla ist intim – ein Dialog statt eines Befehls. Sie verzichtet auf Samples und formt jede Welle lieber direkt aus der Spannung selbst. Der Buchla, so betont sie, bleibt der beste Architekt dieser wogenden Formen, jede davon ein lebendiges, atmendes Wesen und nicht bloß eine Aufnahme des Meeres.

Die Nahtlosigkeit des Albums ist kein Zufall. Vocoder-Texturen, gestaltet mit Harold Bodas Erfindung, durchziehen das Gewebe und erlauben Ciani, ohne Gesang zu singen. Jeder Klang ist von Hand geformt – ein Zeugnis für die persönliche Bedeutung, Wellen aus nichts als Elektrizität und Intention zu erschaffen – ein Prozess so taktil wie das Modellieren von Ton im Dunkeln.

Ich mache diese Wellen im Buchla.

© Screenshot/Zitat: Syntaur (YouTube)

Echos und Entwicklungen: Die neue analoge Generation

Ich gehe dahin, wo es sich richtig anfühlt.

© Screenshot/Zitat: Syntaur (YouTube)

Die Zeit dreht sich weiter, und Ciani findet sich im Dialog mit einer neuen Generation wieder – einer, die analoge und modulare Systeme verehrt. Sie erinnert sich an ihren eigenen Weg von der Isolation zur Verbindung, von einer Welt, die nicht bereit war für quadrophonische Immersion, zu einer, in der Eurorack-Systeme in zahllosen Studios blühen. Das Publikum hört nun mit neuen Ohren, empfänglich für die räumlichen und emotionalen Nuancen, die sie einst vorwegnahm.

Ihre Begegnungen mit zeitgenössischen Künstlern wie Floating Points und Gerald Donald (Drexciya) zeigen eine lebendige Linie. Der Buchla 200, entworfen von Don Buchla – dem Leonardo da Vinci des elektronischen Musikinstrumentenbaus – bleibt zentral, seine räumliche Bewegung und spannungsgesteuerte Magie sind bis heute unerreicht. Doch Ciani sieht die Entwicklung als unvollendet, mit neuen Möglichkeiten und fehlenden Werkzeugen, die noch von heutigen Klangforschern entdeckt werden wollen.

Die freudige Rückkehr: Authentizität, Kunst und der Fluss

Cianis Reflexionen kristallisieren sich zu einer Meditation über Authentizität und die Freude am Spielen. Sie beschreibt ihren künstlerischen Weg als Fluss – manchmal geplant, oft spontan, immer von Intuition geleitet statt von Markterwartungen. Der Buchla ist nun ihr gewählter Begleiter, doch ihre Offenheit für Wandel bleibt ungebrochen.

Für Ciani ist das wahre Maß der Musik die persönliche Resonanz. Sie ermutigt uns, uns selbst zu gefallen, der eigenen Stimme zu vertrauen und den Prozess ohne starre Regeln geschehen zu lassen. Die Entstehung von ‚Seven Waves‘ dauerte zwei Jahre, doch die Lektion ist zeitlos: Künstlerische Entwicklung ist eine langsame Flut, und das wahre Wunder ist, ein Publikum zu finden, das endlich zuhört. Manche Geschichten – und manche Klänge – erlebt man am besten im Moment; hoffen wir also wie sie, dass der Buchla heute Nacht spielt.


Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/syntaur-illuminates-suzanne-cianis-seven-waves-a-sonic-tidal-memory/
Zum YouTube Video:


Zum YouTube Video: