Alex Ball entfesselt den Roland S-770: Der Sampler, der nicht sterben will

18. September 2026

SPARKY

Alex Ball entfesselt den Roland S-770: Der Sampler, der nicht sterben will

Alex Ball nimmt den mächtigen Roland S-770 auseinander und zeigt, warum dieser Flaggschiff-Sampler von 1990 immer noch ein Werkzeug für klangliche Eskapaden ist. Erwartet jede Menge klassischen Ball-Witz, praxisnahe Experimente und die Erinnerung, dass Vintage-Gear nicht nur ins Museum gehört – vor allem, wenn es resamplen, timestretchen und sogar ein Spiel verstecken kann. Wer seine Nostalgie gern mit echtem Nutzen serviert bekommt, sollte sich anschnallen.

Flaggschiff-Wucht: Die S-770-Specs haben immer noch Biss

Rolands S-770 war 1990 nicht einfach nur eine weitere graue Kiste – er war das Sampler-Äquivalent zum Rave-Bunker mit Stahlbeton. 16 Bit, 48 kHz Stereo-Sampling, 24 Stimmen und echte Multitimbralität – dieses Teil konnte einstecken und trotzdem weiter Klanglandschaften ausspucken. Alex Ball macht sofort klar, dass die Specs des S-770 auch heutige Sampler ins Schwitzen bringen würden, vor allem mit symmetrischen Eingängen, Einzelausgängen und allem Schnickschnack wie Hüllkurven, LFOs und Multimode-Filtern.

Aber es sind nicht nur die Zahlen. Das eigentliche Geheimnis des S-770 ist die Bedienung – Monitor anschließen, Maus ran, und plötzlich bearbeitet man Samples mit 90er-Jahre-Feeling, das immer noch erstaunlich modern wirkt. Kein Wunder, dass dieses Biest nicht im Synth-Museum verstaubt: Es hat immer noch Wumms. Wer in Wellenformen träumt, findet im S-770 einen rauen Spielplatz, der nicht alt werden will.

1990 kommt der Star unserer Show: der S770. Die Specs des 770 sind auch heute noch beeindruckend.

© Screenshot/Zitat: Alexballmusic (YouTube)

Durch das S-Series-Wurmloch: Wie Roland das Sampling aufmischte

Alex Ball zählt nicht nur Features auf – er kann auch Zeitreisen und rast durch die Entwicklung der S-Serie. Roland hat Sampling nicht erfunden, aber sie haben es günstiger, knackiger und straßentauglicher gemacht als die sündhaft teuren Fairlights und Emus der Anfangstage. Das S50 gab den Ton an, aber es waren die ständigen Upgrades – S550, S330, S770 – die Rolands Ansatz für alle attraktiv machten, die keinen Goldesel im Keller hatten.

Jeder Schritt der S-Serie brachte neue Tricks: Digitizer-Tablets, flotteres Editieren und vor allem die Sample-Library, mit der vom Schlafzimmerproduzenten bis zum Chart-Act alle mitmischen konnten. Balls Zusammenfassung ist prägnant, bissig und voll von Details, die zeigen: Roland hat nicht nur Trends verfolgt, sondern die Studioregeln neu geschrieben.


Sample-Mangling-Action: Resampling, Stretching und Soundverdrehung

Für mich geht es beim S770 darum, die Sounds, die man ihm gibt, zu verwandeln und zu morphen.

© Screenshot/Zitat: Alexballmusic (YouTube)

Klartext: Wer nur saubere Samples abspielen will, braucht keinen S-770 – kauf dir einen Toaster. Ball zeigt sofort, was diese Kiste zur echten Klangwaffe macht: Resampling und Time-Stretching, die heute noch so wild sind wie damals. Er bastelt eigene Samples aus Viola, Super Gemini und VP550-Vocals, schneidet, loopt und verdreht alles, bis es kaum wiederzuerkennen ist. Das Resampling des S-770 lässt dich zwei Sounds mit verschiedenen Algorithmen verschmelzen – jeder neue Patch kann ein Monster werden.

Time-Stretching ist herrlich lo-fi und unberechenbar, perfekt für alle, die ihre Drums wie durch den Fleischwolf gedreht mögen. Das Beste: Ball erklärt nicht jedes Menü – er geht direkt ans Eingemachte und zeigt genug Chaos, dass man sofort ins Video springen will. Manche Dinge muss man einfach hören, um sie zu glauben.

Legenden in der Schleife: A-ha, Roni Size und das S-Series-Erbe

Alex Ball feiert nicht nur die Hardware – er holt Anders Enger Jensen ins Boot, der einen S-770 mit echten A-ha-Tour-Sounds zeigt. Das ist kein Nostalgietrip, sondern lebendige Musikgeschichte mit Pianos, Pads und Brass-Stabs direkt von den Klassikern. Wer denkt, Vintage-Sampler seien nur was für Nerds, irrt – diese Sounds tropfen immer noch vor Atmosphäre.

Dann lässt Ball die Bombe platzen: Roni Size, Drum’n’Bass-Pionier, setzte für sein Mercury-Prize-Album ‚New Forms‘ auf den S-760. Es braucht eben nicht immer das Flaggschiff, um Geschichte zu schreiben – manchmal reicht es, aus dem vorhandenen Kasten alles rauszuholen. Das ist die S-Serie in Kurzform: Klassiker in den Händen kreativer Wahnsinniger.

Talent, Vision und Ideen sind wichtiger als das Equipment.

© Screenshot/Zitat: Alexballmusic (YouTube)

Easter Eggs und digitaler Unfug: Der S-770 versteckt ein Spiel

Gerade wenn man denkt, man kennt alle Tricks, findet Ball das legendäre Tetris – oder besser: ‚Heteris‘ – Easter Egg im S-770-Firmware-Dschungel. Die Jagd ist so verschachtelt wie ein schräges Hackermenü, und typisch Roland: Das eigentliche Spiel fehlt auf späteren Systemdisks. Aber allein die Vorstellung, dass dein Sampler heimlich auch eine Spielkonsole ist, ist purer 90er-Hardware-Wahnsinn. Wer die genaue Tastenkombi sehen will, muss das Video schauen. Keine Spoiler – aber genau solcher Quatsch hält uns bei altem Gear bei der Stange.


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