AutomaticGainsay – Behringer MS-5: Zwei Filter suchen eine Stimme

30. Oktober 2026

RILEY

Behringer MS-5: Zwei Filter suchen eine Stimme

Erst soll der Synthesizer eine Stimme nachahmen. Dann macht AutomaticGainsay mit dem Mund vor, wie der Synthesizer seine Stimme nachahmt. Der kleine akustische Kreisverkehr passt zu seinem am 29. Oktober 2026 veröffentlichten Video „34-The Behringer MS-5-Formants Part 2“: Hier wird nicht bloß ein fertiger Patch präsentiert. Der Creator sucht, hört nach, zweifelt – und zeigt dabei ziemlich anschaulich, wie nah eine clevere Filterkombination an Vokalklänge herankommt, ohne ganz am gewünschten Ziel zu landen.

Sägezahn statt Stimmbänder

AutomaticGainsay – 34-The Behringer MS-5-Formants Part 2

© Screenshot/Zitat: AutomaticGainsay (YouTube)

Sein Ansatz ist gut nachvollziehbar: Der MS-5 hat einen zusätzlichen Bandpass, und auch der Hauptfilter lässt sich auf Bandpass schalten. Damit möchte AutomaticGainsay zwei betonte Frequenzbereiche erzeugen, die gemeinsam eine vokalartige Klangfarbe ergeben. Statt vorher exakte Vokalfrequenzen auszurechnen, tastet er sich nach Gehör heran. Das macht den Versuch zugänglich, aber eben nicht zur präzise vermessenen Vokalbibliothek.

Er beginnt mit einem Sägezahn, schaltet am VCF Key Follow und Hüllkurvenempfindlichkeit aus und erhöht die Resonanz. Wichtig ist ihm, unterhalb der Selbstoszillation zu bleiben: Gesucht ist eine spektrale Betonung, kein zusätzlicher Sinuston. Danach bekommt der zweite Sägezahnoszillator seinen eigenen Weg über den Zusatzbandpass.

Besonders aufschlussreich ist sein Wechsel zwischen Bereichen, die er als menschenstimmenähnlich beschreibt, und solchen, die diese Wirkung verlieren. Doch beim Einstellen des zweiten Filters bleibt er skeptisch: Zwei einzeln interessante Färbungen verschmelzen für ihn noch nicht überzeugend zur gemeinsamen Stimme.

Der Bandpass muss nicht sprechen

Starsky Carr nutzt die Filter in seinem Vergleich „Behringer MS-5 v Roland SH 5 // The Comparison“ vom Dezember 2024 für ein anderes Ziel. Er führt VCO 1 über den Hauptfilter, VCO 2 über die Kombination aus VCF und Zusatzbandpass. Dann zeigt er einen handfesten Bass-Trick: Bandpasspegel und Resonanz hinauf, Frequenz hinunter. Der zusätzliche Filter dient hier nicht als zweite bewegliche Formantregion, sondern zum gezielten Verstärken des tiefen Bereichs.

Starsky Carr – Behringer MS-5 v Roland SH 5 // The Comparison

© Screenshot/Zitat: Starsky Carr (YouTube)

Zwei Hüllkurven, ein unerfüllter Wunsch

AutomaticGainsay – 34-The Behringer MS-5-Formants Part 2

© Screenshot/Zitat: AutomaticGainsay (YouTube)

AutomaticGainsay möchte dagegen die beiden Frequenzbetonungen gezielt zueinander bewegen. Darin sieht er den entscheidenden Schritt zu lebendigeren Vokalklängen. Sein Wunsch: eine Hüllkurve für den VCF, die andere für den Zusatzbandpass. Zwei Hüllkurven sind vorhanden; die gewünschte Steuerung des zweiten Filters fehlt ihm aber. Seine Enttäuschung ist gerade deshalb greifbar, weil er sich ausdrücklich für die übrigen Möglichkeiten des Instruments begeistert.

Das bedeutet nicht, dass statische Formantfärbungen keine Formanten wären oder der Versuch gescheitert wäre. Am Ende hält er ausdrücklich fest: Mit Hüllkurvenbewegung am VCF und unverändertem Zusatzbandpass sind weiterhin vokalartige Klänge möglich. Für ihn ist das nur weniger wirkungsvoll als eine getrennte Hüllkurvensteuerung beider Filter.

Was innerhalb der Grenze passiert

Auch Carr benennt die fehlende Modulation des Zusatzbandpasses. Er belässt es aber nicht dabei: Im Vergleich moduliert er den VCF mit Sample and Hold und verändert zusätzlich den Bandpass von Hand. Das ist keine Lösung für AutomaticGainsays Wunsch nach zwei unabhängig verlaufenden Filterhüllkurven. Es zeigt vielmehr, dass ein fest eingestellter Filter und ein bewegter Filter gemeinsam reichlich Spielraum lassen.

Zu Beginn seines Vergleichs formuliert Carr passend dazu einen Maßstab jenseits identischer Klangfarben: Eigenheiten, Stimmenarchitektur und Einschränkungen gehörten für ihn zum Reiz solcher Vintage-Instrumente.

Starsky Carr – Behringer MS-5 v Roland SH 5 // The Comparison

© Screenshot/Zitat: Starsky Carr (YouTube)

Das Schönste an AutomaticGainsays Suche ist deshalb nicht der vermeintlich perfekte Vokal. Es ist die hörend erarbeitete Unterscheidung zwischen einer interessanten Färbung und der Bewegung, die ihm noch fehlt. Der MS-5 muss dafür keine fertige Stimme liefern: Als Anlass, genauer hinzuhören und selbst Klang zu formen, hat dieser Versuch schon einiges zu sagen.

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Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch. Du findest ihn hier: https://synthmagazine.com/behringer-ms-5-two-filters-in-search-of-a-voice/

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