Neben dem Crema steht bei Starsky Carr ein Gerät, das einen guten Teil seiner Erklärung übernimmt: ein MIDI-Controller mit eigens eingerichteten Parameterseiten. Carr greift darauf zu, um Funktionen zugänglich zu machen, die das kleine Bedienfeld nicht unmittelbar herzeigt. In seinem am 29. Oktober 2026 veröffentlichten Video „Waldorf Crema | More than Meets the Eye“ wird daraus mehr als eine technische Hilfestellung. Der zusätzliche Controller legt offen, wie viel Instrument hinter der überschaubaren Oberfläche steckt.
Die Streicher sind erst der Anfang
Die Bezeichnung String-Ensemble hält Carr für eine Untertreibung. Für die Texture-Engine nennt er neben dem Streicher-Modell auch 17 Wavetables und sechs FM-Algorithmen. Dazu kommt mit Lines eine zweite, eigenständige Klangerzeugung; beide lassen sich schichten oder auf der Tastatur aufteilen. Das ist keine bloße Ausstattungsliste: Carr nimmt die Bereiche auseinander, statt sich mit einer Parade fertiger Flächen zu begnügen.
Besonders anschaulich wird das, als er einen bewusst robotischen Wavetable-Klang wählt, dessen Wellenhüllkurve verändert und anschließend auf die Hüllkurvenseite seines Controllers wechselt. Aus einem Menüeintrag wird ein direkt erreichbarer Eingriff in den Klangverlauf. Allerdings ist nicht jedes Modell gleich ausgestattet: Beim Streicher-Modell fehlt etwa die Filterhüllkurve. Wer die Tiefe verstehen will, muss also nicht nur Parameter finden, sondern auch die Unterschiede der Klangerzeugungen kennenlernen.
Einmal zuweisen ist leicht. Sehr oft zuweisen weniger.

„it doesn't come with any midi mappings on board to start with, which I think is a bit of a shame, because there's about 117 different things or something crazy that you can modulate on it, so to set them up can take forever, (Ab Werk sind keine MIDI-Zuordnungen eingerichtet, was ich etwas schade finde, denn es gibt ungefähr 117 verschiedene Dinge oder so eine verrückte Zahl, die man damit modulieren kann. Das alles einzurichten kann also ewig dauern.)“
© Screenshot/Zitat: Starsky Carr (YouTube)
Den Lernvorgang führt Carr erfreulich unspektakulär vor: Animate bewegen, mit Shift und Settings die Funktion Map CC aufrufen, dann das gewünschte externe Bedienelement bewegen. Sein Einwand richtet sich nicht gegen diesen einzelnen Vorgang. Er vermisst vorbereitete MIDI-Zuordnungen – und angesichts der Menge wird aus einer einfachen Handbewegung eben doch Einrichtungsarbeit.
Carr spricht von ungefähr 117 modulierbaren Dingen, ausdrücklich als grobe Größenordnung. Auf seinem Controller hat er acht Seiten mit jeweils etwa 16 Bedienelementen vorbereitet. Fertig ist er trotzdem noch nicht; als Grund nennt er den Zeitaufwand. Die eingeblendete CC-Tabelle passt dazu: Sie dokumentiert seine Zuordnungen, ist aber noch kein Ersatz für eine vorbereitete Belegung. Eine kleine Box spart Platz am Tisch. Die Konfigurationsarbeit schrumpft deshalb nicht automatisch mit.
Nicht jede Vereinfachung ist ein Verlust
Interessant ist, dass Carr reduzierte Bedienung keineswegs grundsätzlich ablehnt. Die Lines-Engine beschreibt er als eingeschränkt, aber eigenwillig und einfallsreich. Bei ihrer Pulsbreitenmodulation beobachtet er, dass ein Regler zunächst die Modulationsstärke und dann auch die Geschwindigkeit erhöht. Hier ist Klangbewegung gebündelt, statt in einzelne Stellschrauben zerlegt. Das kann eine musikalisch sinnvolle Reduktion sein – etwas anderes als ein wichtiger Parameter, den man erst im Menü suchen muss.
Sein externer Controller soll den Crema entsprechend nicht zu einem anderen Synthesizer machen. Er verschafft den vorhandenen Möglichkeiten einen besseren Zugang. Carrs Motivation bleibt dabei deutlich musikalischer als die Verwaltung einer möglichst vollständigen Parameterliste:

„just showing you really that you can access everything from something else, because I think it's worth doing that with this, there's so much happening in here, it's a shame not to dig in, (Ich zeige euch eigentlich nur, dass ihr von einem anderen Gerät aus auf alles zugreifen könnt, denn ich finde, bei diesem Instrument lohnt sich das. Hier steckt so viel drin, dass es schade wäre, nicht tiefer einzusteigen.)“
© Screenshot/Zitat: Starsky Carr (YouTube)
Für Carr lohnt sich das Graben offensichtlich. Seine Vorführung liefert aber keinen Freibrief für versteckte Bedienung. Gerade weil er die Möglichkeiten so engagiert erschließt, wird der zusätzliche Aufwand greifbar. Der reizvolle Gedanke ist nicht, jeden Parameter dauerhaft unter einem eigenen Finger zu haben. Es ist die Freiheit, die musikalisch wichtigen selbst auszuwählen – möglichst ohne davor eine halbe Verwaltungsabteilung eröffnen zu müssen.
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