Clockwork Origins: Richard Devine über 4ms Company, Modular-Anfänge und die Kunst der Clock Division

23. Juni 2026

MILES

Clockwork Origins: Richard Devine über 4ms Company, Modular-Anfänge und die Kunst der Clock Division

Im ersten Interview der 4ms Company spricht der legendäre Sounddesigner Richard Devine über seine persönliche Odyssee mit Eurorack – und insbesondere mit 4ms. Von ARP 2600s aus dem Pfandhaus bis zu den frühen Tagen der Doepfer-Racks und den Eigenheiten von Clock Dividern schildert Devine, was 4ms-Module im dicht besetzten Modularmarkt besonders macht. Er zeigt, wie diese Werkzeuge seine komplexen, hochdichten Patches im Studio und auf der Bühne prägen, und gibt praktische Tipps für Einsteiger, wie sie ihren eigenen Modular-Weg beginnen können. Wer einen tiefen Einblick in Patch-Logik, reale Anwendungsszenarien und die Bedeutung von Clocking jenseits des bloßen Takthaltens sucht, bekommt hier echtes Synth-Wissen serviert.

Vom Pfandhaus zum Patchkabel: Devines Modular-Genesis

Richard Devine erzählt von seiner langjährigen Verbindung zur 4ms Company, die bis in die frühen 2000er zurückreicht, als Eurorack noch ein Nischenthema war. Er erinnert sich an die Zeit, als 4ms gerade von Effektpedalen zu den ersten Modular-Angeboten wechselte, und hebt die Underground-Atmosphäre sowie die Knappheit an Herstellern hervor. Doepfer, Livewire und Plan B gehörten zu den wenigen, und Devine war von Anfang an dabei – er baute seine Systeme aus leeren Gehäusen und Papierkatalogen zusammen, ein Ansatz, der seine gesamte Arbeitsweise bis heute prägt.

Devines frühes Interesse an Modularsystemen war auch praktisch motiviert: Vintage-Synths waren sperrig und ständig reparaturbedürftig. Eurorack bot eine kompakte, flexible Alternative. Die Möglichkeit, sein System von Grund auf selbst zu gestalten und Module wie Klang-Legosteine auszuwählen, war eine Offenbarung. Für Devine lag der Reiz ebenso in der Freiheit, Signale umzuleiten und zu experimentieren, wie im Klang selbst. Seine ersten Begegnungen mit 4ms – insbesondere deren frühe Clock Divider – waren Schlüsselmomente, die eine Beziehung begründeten, durch die 4ms-Geräte bis heute in fast jedem seiner Patches zu finden sind.

Ich konnte mir im Grunde alles selbst zusammenstellen, und die ganze Idee, das Konzept, hat mich wirklich angesprochen.

© Screenshot/Zitat: 4Mscompany (YouTube)

Clockwork Thinking: Was 4ms besonders macht

Was ich an Dans Sachen so mochte, war, dass er sich auf einen Bereich konzentrierte, den damals wirklich niemand im Blick hatte.

© Screenshot/Zitat: 4Mscompany (YouTube)

Devine hebt den besonderen Ansatz von 4ms im Bereich Clocking und Timing als deren einzigartigen Beitrag zur Modularwelt hervor. Während andere klassische Oszillatoren und Filter nachbauten, konzentrierte sich 4ms auf Rhythmen, Teilungen und Timing-Utilities – Bereiche, die oft übersehen, aber für komplexe Patches absolut entscheidend sind. Module wie der Rotating Clock Divider und der Quad Clock Distributor bieten nicht nur klassische Teilungen, sondern ermöglichen wilde, sich verändernde rhythmische Strukturen und eröffnen neue kreative Möglichkeiten für das Triggern von Sequencern und Modulationen.

Er beschreibt, wie diese Module zu festen Bestandteilen seines Systems wurden und in nahezu jedem Patch auftauchten – sowohl wegen ihrer Funktionalität als auch wegen ihrer Zuverlässigkeit im Live-Einsatz. Die kompakte Bauweise der 4ms-Designs und ihr Fokus auf Clock-Manipulation bieten ein Werkzeugset, das ebenso robust wie erfinderisch ist. In Devines Händen sind Clock Divider nicht nur nützliche Helfer, sondern generative Motoren für musikalisches Chaos und Ordnung zugleich.

Patch-Dichte und kreativer Flow: 4ms in Devines Setup

Modularsynthese bildet das Rückgrat von Devines Arbeitsweise – sowohl im Studio als auch in seinen beeindruckenden Live-Rigs. Er beschreibt, wie 4ms-Module wie der Stereo Triggered Sampler (STS) und das Dual Looping Delay (DLD) zentral für seinen Workflow sind und tiefgreifende Sample-Manipulation, kreatives Loopen und wilde Delay-Texturen ermöglichen. Die Fähigkeit, Soundbänke on-the-fly zu speichern, zu pitch-shiften und zu manipulieren, ist essenziell für seine dichten, sich ständig entwickelnden Patches – besonders bei Auftritten auf großen Soundsystemen, wo Detail und Punch entscheidend sind.

Devine geht darauf ein, wie er externes Mastering-Equipment mit seinen Modular-Ausgängen kombiniert, um das Chaos zu bändigen und den finalen Sound zu formen. Er lobt die durchdachte Bedienoberfläche der 4ms-Module, insbesondere im Live-Einsatz, wo schnelle Zugänglichkeit und robuste Bauweise zählen. Für Devine bleibt der Quad Clock Distributor, besonders mit Expander, das Mittel der Wahl für komplexe, organische Rhythmen – ein Beweis dafür, dass das richtige Utility ein System von einer Modulsammlung in ein spielbares Instrument verwandeln kann.


Virtuelle Anfänge: Das Plädoyer für VCV Rack

Für alle, die mit Modular anfangen, ist Devines Rat eindeutig: Fangt mit VCV Rack an. Die virtuelle Umgebung bietet eine risikofreie Spielwiese, um Patchen, Signalfluss und Modular-Theorie zu lernen – ganz ohne hohe Anfangsinvestition. Er betont den pädagogischen Wert, Patches anderer Nutzer zu studieren, Signalwege zu analysieren und Ideen zu entwickeln, bevor man sich auf Hardware festlegt.

Devine hebt außerdem die Synergie zwischen VCV Rack und dem 4ms Meta Module hervor, mit dem sich virtuelle Patches direkt ins Hardware-Modul übertragen lassen. Diese Brücke zwischen Software und Hardware sei ein Game-Changer – sie ermögliche unmittelbare, haptische Kontrolle, sobald man sich im virtuellen Bereich sicher fühlt. Mit Tools wie VCV Rack können Einsteiger die Einschüchterung durch Kabelsalat und blinkende LEDs umgehen und sich solide Kenntnisse aneignen, bevor sie ins echte Patch-Leben einsteigen.

Wenn ich heute anfangen würde, wäre das Erste, was ich machen würde: VCV Rack holen.

© Screenshot/Zitat: 4Mscompany (YouTube)

Treue zur Quelle: Devines anhaltende 4ms-Loyalität

Ich könnte das, was ich mache, ohne euch nicht tun. Ich bin Fan der ersten Stunde und liebe immer noch, was ihr macht.

© Screenshot/Zitat: 4Mscompany (YouTube)

Zum Abschluss des Gesprächs macht Devine deutlich, dass seine Wertschätzung für 4ms ungebrochen ist. Er verweist auf die anhaltende Innovationskraft und die zentrale Rolle der 4ms-Module in seinem kreativen Output und bekräftigt seine Unterstützung für die Ausrichtung und Philosophie der Marke. Für Devine ist 4ms nicht einfach ein weiterer Hersteller – sie sind grundlegend für seine Arbeit, und er ermutigt sowohl Veteranen als auch Einsteiger, zu entdecken, was deren Module leisten können.

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