HakenAudio – Continuum-App: Beim Loslassen wächst der Hall

3. November 2026

JET

Continuum-App: Beim Loslassen wächst der Hall

Josh Madoff koppelt den Hall an eine Geste, die sonst leicht als bloßes Ende einer Note durchgeht: das Nachlassen des Fingerdrucks. In der am 2. November 2026 veröffentlichten Herstellerdemo zur Haken Mobile App weist er dem Ambience-Makro eine negative Z-Steuerung zu. Tiefes Drücken hält den Hall zurück, beim Loslassen wächst die Hallfahne. Eine kleine Umkehrung mit musikalischer Konsequenz: Nicht nur der Anschlag gestaltet die Phrase, sondern auch die Art, wie die Hand sie freigibt.

Derselbe Filter, eine andere Handbewegung

HakenAudio – The Haken Mobile App: Control a Haken Continuum with your mobile device!

© Screenshot/Zitat: HakenAudio (YouTube)

Madoff beginnt seine Makro-Vorführung mit dem Preset Diatonic Cluster Saw. Statt nur einen Filterwert zu verändern, führt er drei Möglichkeiten vor, ihn zu spielen: über die Bewegung entlang der Y-Achse, über die X-Position beziehungsweise Tonlage und über den Druck auf der Z-Achse. Auch die Richtung lässt sich umkehren. Der praktische Unterschied: Man legt nicht bloß fest, wie offen ein Filter sein soll, sondern welche Bewegung ihn öffnet.

Die Hüllkurve sitzt im Finger

Wie sehr solche Zuordnungen das Instrument prägen, macht Cuckoo in der bei Voltage Labs veröffentlichten Thomann-Vorführung vom 15. April 2019 greifbar. Er beschreibt viele Continuum-Klänge als Sounds, deren Hüllkurve der Finger übernimmt. Später wechselt er innerhalb eines Patches vom perkussiven Spiel zu einem langsamen Klangeinsatz, indem er sich der Oberfläche anders nähert. Dafür braucht es in seiner Demonstration keinen Presetwechsel. Die Spieltechnik verändert bereits den Klangverlauf.

Voltage Labs – Cuckoo | Haken Continuum Demo | Thomann

© Screenshot/Zitat: Voltage Labs (YouTube)

Ein Preset ist noch kein Können

Voltage Labs – Cuckoo | Haken Continuum Demo | Thomann

© Screenshot/Zitat: Voltage Labs (YouTube)

Cuckoo macht aus dieser Freiheit allerdings keinen Gratis-Virtuosenkurs. Wer ein Patch beherrscht, muss deshalb noch lange nicht gut mit einem Fingerdrumming-Klang zurechtkommen, erklärt er. Beim Ausprobieren erlebt sein Gesprächspartner die passende Überraschung: Mit dem Geigenklang fühlt er sich unmittelbar wohler als mit dem Percussion-Sound – entgegen seiner Erwartung. Vertrautheit mit einer Spielweise lässt sich eben nicht zuverlässig vom Namen des Presets ableiten.

Madoff gestaltet in seiner App-Demo genau diese Beziehung zwischen Klang und Bewegung. Bei einem Bläser-Preset legt er das Atemrauschen auf Y. Das Body-Makro steuert er auf X umgekehrt: Höhere Töne sollen größer und dunkler wirken, statt ihm zu schrill zu werden. Klangprogrammierung heißt hier auch, einer naheliegenden Entwicklung bewusst entgegenzuarbeiten. Höher muss nicht heller heißen.

Der Bildschirm darf wieder Pause machen

Bemerkenswert ist Madoffs Schlussgedanke für eine App-Vorstellung: Die lohnendste Erfahrung liege für ihn im Üben und Spielen, nicht im Blick auf den Bildschirm. Das Handy möchte er kurz anschließen, Einstellungen ändern und dann wieder Musik machen. Wie gut dieser Ablauf im Alltag funktioniert, ist damit nicht unabhängig geprüft; Cuckoos Beitrag von 2019 behandelt die mobile App nicht. Madoffs persönliche Erfahrung lenkt den Blick aber auf etwas, das keine zusätzliche Menüseite ersetzen kann:

HakenAudio – The Haken Mobile App: Control a Haken Continuum with your mobile device!

© Screenshot/Zitat: HakenAudio (YouTube)

Vielleicht ist das die produktivste Frage an einen solchen Editor: nicht, wie viele Parameter er erreichbar macht, sondern welche Gewohnheit man damit aufbrechen kann. Ein Hall, der beim Loslassen wächst, ist dafür ein ziemlich guter Anfang.

Videos zu diesem Artikel

Alle YouTube-Videos mit dem Produkt Haken Audio Continuum

Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch. Du findest ihn hier: https://synthmagazine.com/continuum-app-reverb-grows-as-you-let-go/

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