Sonicstate zieht die zweite Stimmgruppe im Pegel zurück und legt damit einen Teil seines Patches frei. Danach bekommt die andere Gruppe ihren Auftritt: zwei unterschiedliche Klangprogramme aus demselben Instrument. Im SonicLAB-Beitrag vom 6. November 2026 wird der Morphor Echon 6 so weniger zum gewöhnlichen Sechsstimmer als zum kleinen Ensemble. Interessant ist nicht bloß, wie viele Töne gleichzeitig gehen, sondern wer darin welche Rolle übernimmt.
Polyphonie als Besetzungsfrage

„so we can have six monos, or two threes, or a three, a two, and a one, or all variations, (Wir können also sechs Monostimmen haben, zwei Dreiergruppen oder eine Dreier-, eine Zweier- und eine Einergruppe – und alle möglichen Varianten.)“
© Screenshot/Zitat: sonicstate (YouTube)
Als Grundlage beschreibt der Host pro Stimme eine analoge Klangerzeugung samt BBD-Resonator: eine kurze, auf Tonhöhen stimmbare Delay-Leitung, deren Stimmung den eingehenden MIDI-Noten folgt. Die Voice Groups organisieren diesen Vorrat neu. Statt sämtliche Stimmen einem Klang zu überlassen, lassen sie sich auf bis zu sechs Gruppen mit unterschiedlichen Sounds verteilen. Die Stimmen werden dabei aufgeteilt, nicht vervielfacht.
Im Zweigruppen-Beispiel beeinflusst die Anschlagstärke die Attack-Zeit eines Sounds, während ein LFO dessen Panorama bewegt. Das ist bereits innerhalb eines Stereo-Patches mehr als bloßes Stapeln. Für getrennte Bearbeitung verweist Sonicstate außerdem auf sechs Einzelausgänge. Seine Vorführung der beiden Klanggruppen läuft allerdings über den gemeinsamen Stereoausgang.
Nicht jede Stimme muss dasselbe können
Molten Music Technology nähert sich der Aufteilung in seinem Review vom 15. September 2026 mit hörbarer Experimentierlust. Der Host isoliert zunächst eine einzelne Stimme, weist einer zweiten eine eigene Gruppe zu und vergleicht Sinus und Rechteck. Dann gleicht er die Klänge an und verstimmt eine Stimme leicht. Der klassische Unisono-Effekt funktioniert – doch gerade die Unterschiede reizen ihn mehr.
Er verteilt schließlich jede Stimme auf eine eigene Gruppe. Für getrennte Parts skizziert er außerdem verschiedene MIDI-Kanäle: etwa eine vierstimmige Resonatorfläche neben zwei Lead-Linien. Das bleibt eine Anwendungsidee, keine fertig vorgeführte Kombination. Für einen Tastatur-Split müsste ein Zuspieler die gewünschten Notenbereiche entsprechend auf diese MIDI-Kanäle verteilen. Der unmittelbar gezeigte Spaß liegt zunächst im Layer, dessen Bestandteile nicht alle gleich gestimmt oder gleich geformt sein müssen.

„but it's more interesting to do completely different things with each voice and tune them differently perhaps or affect them differently perhaps (Interessanter ist es aber, mit jeder Stimme etwas völlig anderes zu machen, sie vielleicht unterschiedlich zu stimmen oder unterschiedlich zu bearbeiten.)“
© Screenshot/Zitat: Molten Music Technology (YouTube)
Welche Gruppe war das jetzt?

„I think also the choice of no display, while it's kind of nice to be able to deal with, you know, not having to do that, when you're in sort of complex voice group setups, it can be, you can get a little bit lost sometimes. (Auch die Entscheidung gegen ein Display finde ich einerseits ganz angenehm, weil man sich damit nicht beschäftigen muss. Bei komplexeren Voice-Group-Setups kann man allerdings manchmal ein wenig den Überblick verlieren.)“
© Screenshot/Zitat: sonicstate (YouTube)
Sonicstate demonstriert später einen Unisono-Klang mit unterschiedlich gestimmten und im Panorama verteilten Stimmen. Das Modulationsrad steuert in den einzelnen Klangprogrammen Dry/Wet und Eingangsfilter; externer Hall kommt dazu. Genau bei solchen Konstruktionen wird die Freiheit arbeitsintensiv: Will der Host dieselbe Änderung auf mehrere Gruppen übertragen, muss er sie einzeln bearbeiten. Er wünscht sich übergreifende Regler etwa für Dry/Wet oder Hüllkurvenzeiten.
Dabei fällt sein Urteil über die Bedienung keineswegs pauschal negativ aus. Modulationszuweisungen gesammelt stummzuschalten und ihre Stärke über Makros zu verändern, findet er flott und praktisch. Kompliziert werde es mit unterschiedlich eingerichteten Gruppen. Molten erlebt den Haken ganz konkret: Beim Zudrehen des Filters bearbeitet er nur die gewählte Stimme und muss erst klären, welche gerade ausgewählt ist.
Den Resonator spielen, nicht nur die Tasten
Warum sich trotzdem auf diese Architektur einlassen? Molten liefert einen schönen Moment dafür: Er lässt einen LFO das Feedback anheben und landet bei einem Klang, den er als eine Art Weltraum-Saxofon beschreibt – ausdrücklich nicht absichtlich erzeugt. Das passt zu seiner Vorstellung vom Instrument: Den Resonator muss man aktiv begleiten, anstupsen und modulieren. Klangsuche wird zur Performance. Dass dabei externe Effekte mitspielen, legt er ebenso offen wie Sonicstate.

„But you end up having to ride the resonator. It's not going to behave nicely, necessarily. (Letztlich muss man den Resonator aktiv im Zaum halten. Er wird sich nicht unbedingt brav benehmen.)“
© Screenshot/Zitat: Molten Music Technology (YouTube)
Der spannende Unterschied liegt zwischen zwei Arten des Sich-Verlierens. In einem unerwarteten Oberton hängen zu bleiben, kann der Beginn einer musikalischen Idee sein. Die gerade bearbeitete Stimmgruppe zu suchen, ist dagegen schlicht eine Unterbrechung. Der Echon 6 macht Lust auf eigenwillige Ensembles – seine Bedienung fordert dafür einen ziemlich aufmerksamen Bandleader.
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