David Hilowitz hat sich einen zweiten FM-1 gekauft. Nicht als Reserve: Auf dem pinken soll Bod Girls Firmware bleiben, der orange ist für Experimente vorgesehen. In seinem am 7. November 2026 veröffentlichten Video erzählt diese Aufteilung bereits viel über den kleinen M-VAVE. Ein Gehäuse muss offenbar nicht mehr auf Dauer dasselbe Instrument beherbergen.
Nicht jede Firmware will eine Groovebox sein

„I've never actually used one, so I can't say how close it is, but I do find this instrument super inspiring. (Ich habe selbst noch nie einen benutzt, deshalb kann ich nicht sagen, wie nah es dran ist. Aber ich finde dieses Instrument enorm inspirierend.)“
© Screenshot/Zitat: David Hilowitz Music (YouTube)
Hilowitz interessiert sich hörbar für musikalische Eigenarten statt bloß für längere Featurelisten. Grimm nutzt er nach eigener Aussage für eine Sample-Library mit gruseligen Synth-Klängen. AMB-1 stellt er dagegen als generatives, von Brian Enos „Music for Airports“ inspiriertes Instrument vor. Noten lassen sich aktivieren und deaktivieren, Skalenmodi auswählen. Der reizvolle Perspektivwechsel: Man gibt der Musik einen harmonischen Rahmen, statt jede Note selbst zu setzen.
Mit Choral Flower, lose vom Orchid von Telepathic Instruments inspiriert, nimmt er eine kleine Sequenz auf und spielt sie wieder ab. Dabei bleibt er angenehm präzise: Seine Begeisterung ist kein Nachweis für die Nähe zum Vorbild.
Erst selbst erschlossen, dann offiziell unterstützt
Den Anfang dieser Verwandlungen beschreibt Hilowitz anhand von Bod Girls Arbeit: Fehler der ursprünglichen FM-Engine beheben, eine eigene Synthese-Engine ergänzen, die Oberfläche überarbeiten. Später kam mit Falluca eine kostenlose Open-Source-Firmware hinzu, auf deren Code andere Entwickler aufbauen konnten. Aus einzelnen Umbauten wurde damit eine Grundlage für weitere Instrumente.
Bemerkenswert ist die Reihenfolge. Laut Hilowitz erschloss die Community das Gerät zunächst per Reverse Engineering, unterstützt von KI-Werkzeugen. M-VAVE lieferte erst danach ein offenes SDK und eine veränderbare Firmware. Ein SDK bündelt Bibliotheken und Dokumentation für eigene Programme. Der Hersteller unterstützt damit einen Weg, den die Nutzer zunächst selbst finden mussten – ein stärkeres Signal als bloßes Gewährenlassen.

„To their credit, MVave has responded incredibly positively. They've now released an open source SDK and another custom firmware that's completely open to being modified by the community. Honestly, the response could not have been classier and it buys them a lot of goodwill. (Man muss M-VAVE zugutehalten, dass sie unglaublich positiv reagiert haben. Sie haben inzwischen ein Open-Source-SDK und eine weitere Custom-Firmware veröffentlicht, die der Community vollständig zur Bearbeitung offensteht. Ehrlich gesagt hätte die Reaktion kaum souveräner ausfallen können, und sie bringt ihnen viel Wohlwollen ein.)“
© Screenshot/Zitat: David Hilowitz Music (YouTube)
Mehr Auswahl ist noch keine neue Idee

„A lot of them are just trying to push the same, let's turn it into a groove box aesthetic. (Viele verfolgen einfach denselben Ansatz: Machen wir daraus eine Groovebox.)“
© Screenshot/Zitat: Blairy's Beatlab (YouTube)
Blair von Blairy's Beatlab beschäftigt allerdings nicht nur die Menge des Nachschubs. In „THE SYNTH REVOLUTION WILL BE TELEVISED“ vom 17. Oktober begrüßt er originelle Firmware-Projekte, bemerkt aber auch zunehmende Ähnlichkeiten. Ihn reizt das ungenutzte Potenzial eigenständiger Synthesizer und neuer Syntheseideen. Das ist die produktive Gegenfrage zum Firmware-Boom: Entstehen andere musikalische Möglichkeiten – oder immer neue Varianten derselben Komplettausstattung?
Die eigene Groovebox darf trotzdem sein
Am 23. Oktober zeigt Blair dann ausgerechnet eine eigene Groovebox im Rohbau. Der Unterschied liegt im Anspruch: Er will keine fremde Arbeitsweise lernen, sondern seine eigene umsetzen. Mit Claude als Programmierhilfe entwickelt er vier Spuren, größere Bedienelemente auf dem Display und Punch-in-Makros. In der Vorführung schickt er Klänge in Hall und Delay und bearbeitet die Kickdrum. Hier wird Klanggestaltung zur Frage, welche Eingriffe unter den Fingern liegen sollen.
Die Demonstration ist kein Hochglanzbeweis müheloser KI-Entwicklung. Blair erreicht das Makro-Limit, kämpft mit Bugs und entdeckt eine Bedienreihenfolge, die er ändern möchte. Gerade diese Reibung macht den Beitrag interessant: Zwischen einem schnell erzeugten Entwurf und einem Instrument, das auf musikalische Gesten verlässlich antwortet, liegt Arbeit.

„Instead, you go step by step and you build it up piece by piece and you fine tune and you reiterate and you reiterate and it takes a long time. (Stattdessen gehst du Schritt für Schritt vor, baust es Stück für Stück auf, verfeinerst es und überarbeitest es wieder und wieder. Das dauert lange.)“
© Screenshot/Zitat: Blairy's Beatlab (YouTube)
Hilowitz möchte eine gefundene Klangwelt behalten und daneben weiterforschen. Blair möchte das Instrument selbst formen. Darin liegt die musikalische Stärke dieser Öffnung: Sie lässt beides zu. Nicht jeder muss Firmware schreiben. Aber welche Musik in der kleinen Box möglich wird, entscheidet nicht mehr allein der Hersteller.
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