Make Noise und das DPO Supersaw Redux: Patch-Alchemie im Eurorack

24. Juli 2025

MILES

Make Noise und das DPO Supersaw Redux: Patch-Alchemie im Eurorack

Make Noise kehrt zu seinen Wurzeln zurück und taucht tief in die Kunst ein, aus dem DPO mit Hilfe von modDemix und dem seltenen Megawave einen Supersaw zu zaubern. Ganz im typischen Make Noise-Stil geht es hier weniger um ein Rezept, sondern um das Erkunden der verschlungenen, manchmal frustrierenden Wege, die die modulare Synthese eröffnet. Freuen Sie sich auf eine Patch-Odyssee durch Wavefolding, Signalinvertierung und die eine oder andere historische Anekdote – plus ein paar Lektionen in kreativer Problemlösung, die nur ein Jahrzehnt Eurorack-Besessenheit liefern kann. Wer gerne abseits ausgetretener Pfade patcht, bekommt hier eine Meisterklasse im Verwandeln von Begrenzungen in Inspiration.

Supersaw revisited: Eine Patch-Herausforderung aus dem Archiv

Das Video beginnt mit einem nostalgischen Rückblick auf das Jahr 2015, als Make Noise erstmals die Herausforderung annahm, aus dem DPO-Oszillator einen Supersaw zu kitzeln. Anstatt einer simplen Nachbildung steht der modulare Forschergeist im Vordergrund – weniger Roland-Emulation, mehr das Ausloten, was passiert, wenn man DPO und modDemix in unbekanntes Terrain schickt. Der Macher gesteht, dass das ursprüngliche Ziel gar kein Supersaw war, sondern vielmehr die Erforschung, wie der Wavefolder des DPO den Megawave modulieren kann – ein seltenes und begehrtes Modul in Eurorack-Kreisen.

Im Verlauf des Patches wird klar, dass der Weg alles andere als geradlinig war. Die Reise führt über Waveshaping, Signalinvertierung und den Einsatz von Slope-Detektoren – alles auf der Suche nach einer überzeugenden Rampenwellenform. Der modDemix wird zum Schlüssel, indem er mithilfe der Square-Welle des DPO die halbe Wellenform invertiert und so eine Sägezahnwelle mit doppelter Frequenz erzeugt. Diese Art von verschlungenem Problemlösen ist typisch Make Noise: Es geht mehr um den Prozess und das Lernen als um das Endergebnis.

Und genau hier kommt schließlich der modDemix ins Spiel und so bin ich beim DPO-Supersaw gelandet.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

DPO Anatomie: Folders, Megawaves und modDemix-Magie

Wir haben ein paar Möglichkeiten, den Sound zu kontrollieren.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Die Architektur des DPO wird mit Blick auf ihre Eigenheiten und Stärken seziert. Der Wavefolder, ein zentrales Feature, steht im Mittelpunkt des Patches – nicht nur als Klangformer, sondern auch als Modulationsquelle für den Megawave. Der Megawave selbst wird als digitales Wellen-Lookup-Modul mit Wurzeln in Grant Richters Designs beschrieben, das je nach Eingangssignal als Wavetable-Oszillator oder komplexer Waveshaper dienen kann.

Der modDemix wird als Signalinverter und Mixer genutzt, wobei seine Fähigkeit, Wellenformen mit negativem CV zu drehen, voll ausgespielt wird. Der Patch kombiniert clever die Triangle- und Square-Ausgänge des DPO, wobei die Square als phasenverriegeltes Steuersignal für den modDemix dient und so eine neue Wellenform zusammengenäht wird. Das Ergebnis ist ein fetter, obertonreicher Klang, der nicht durch Imitation, sondern durch modulare Findigkeit als Supersaw durchgeht.

Waveshaping-Zauberei: Signaltransformationen in Aktion

Mit dem Grundpatch an Ort und Stelle zeigt das Video, wie schon kleine Anpassungen an den DPO-Reglern eine breite Palette an Klangfarben hervorbringen. Die Angle- und Shape-Parameter werden genutzt, um den Sound zu verdicken und Bewegung hineinzubringen, während der Wavefolder für maximale Amplitude sorgt. Ein Filter zähmt die Obertöne, und Modulationen beider Oszillatoren bringen zusätzliche Komplexität.

Das Zusammenspiel von analogen und digitalen Modulen steht immer wieder im Fokus. Indem die DPO-Ausgänge durch modDemix und in den Megawave geschickt werden, entstehen einzigartige Wellenformen, die mit einem klassischen Subtraktiv-Synth kaum zu erreichen wären. Das ist die Stärke modularer Synthese: Jede Eigenheit eines Moduls wird zur kreativen Chance, und der finale Klang ist das Ergebnis zahlloser kleiner Entscheidungen und glücklicher Zufälle.


Kreatives Patchwork: Die modulare Denkweise

Das Video unterstreicht, wie wichtig Kreativität und Querdenken in der modularen Synthese sind. Statt einem festen Plan zu folgen, geht es darum, das Unbekannte zuzulassen und sich von den Modulen zum Ergebnis führen zu lassen. Diese Haltung ist zentral für den Make Noise-Ansatz – Nutzer werden ermutigt, zu experimentieren, Fehler zu machen und durch praktisches Ausprobieren neue Klänge zu entdecken.


DPO-Reflexionen: Designphilosophie und klangliches Erbe

Im abschließenden Abschnitt schlägt das Video einen nachdenklicheren Ton an und gibt Einblicke von Tony Rolando in die Designentwicklung des DPO. Er spricht über die ungewöhnliche Saw-Form, die mit einer Sinuswelle abgerundet wurde, um sie für Lowpass-Gates kompatibler zu machen, sowie über die absichtlich versetzte Square-Welle für leichteres Blending und asymmetrisches Clipping. Auch die Shape-Schaltung mit Phasenauslöschung und das allmähliche Ausphasen von Vactrols aus Beschaffungsgründen werden thematisiert.

Diese Designentscheidungen, oft aus praktischen Zwängen oder dem Wunsch nach Buchla-inspirierten Klangwelten getroffen, prägen den Charakter des DPO und seine Rolle im Make Noise Shared System. Die Botschaft ist klar: Jede kleine Entscheidung im Schaltungsdesign summiert sich, und genau diese Summe verleiht einem Modul seine eigene Stimme. Für Modularfans ist das eine Erinnerung daran, dass Eigenheiten und Begrenzungen keine Hindernisse, sondern die eigentlichen Zutaten musikalischer Identität sind.

So hat die Sägezahnform am Ende diesen seltsamen kleinen welligen Rücken, sieht fast aus wie eine Fischflosse.

© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)

Übersetzt aus dem Englischen. Den Originalbeitrag findest du hier: https://synthmagazine.com/make-noise-and-the-dpo-supersaw-redux-patch-alchemy-in-eurorack/
Zum YouTube Video:


Zum YouTube Video: