Make Noise taucht in seinem neuesten Video in Iteration 4 des 12 String Iterative Music Project ein und verlagert den Fokus vom Patchen und Reels hin zur Erstellung grafischer Partituren. Ganz im Sinne des avantgardistischen Markenethos erforscht diese Episode, wie Modularmusiker über das traditionelle Patchen hinausgehen und Komposition als kollaborativen, visuellen und erzählerischen Prozess begreifen können. Mit Verweisen auf Terrence Dwyers Tape-Musik-Philosophien und einer wachsenden Bibliothek einzigartiger Klang-Schnipsel lädt das Projekt die Community ein, mit neuen Formen musikalischen Erzählens zu experimentieren. Es ist ein faszinierender Einblick, wie experimentelle Synthese die Grenzen zwischen Notation, Sounddesign und kollektiver Kreativität verschwimmen lässt.

18. September 2025
MILES
MAKEN0ISE und die Kunst der grafischen Partitur: Iteration 4 im Fokus
Vom Patchkabel zum Papier: Der Sprung zur grafischen Partitur
Im neuesten Kapitel des 12 String Iterative Music Project schlägt Make Noise eine kreative Richtungsänderung vor – weg von der Welt der Patchkabel und Reels, hin zur abstrakten Sphäre grafischer Partituren. Anstatt einfach Patches zu bauen oder Sound-Reels zu sammeln, werden die Teilnehmer nun ermutigt, visuelle Darstellungen musikalischer Ideen zu entwerfen und so die Grundlage für Kompositionen zu legen, bevor überhaupt ein Ton erklingt. Dieser Schritt ist sowohl eine Hommage an experimentelle Traditionen als auch eine praktische Einladung, die Struktur und Teilbarkeit modularer Musik neu zu denken.
Das Video rekapituliert die Entwicklung des Projekts: Beginnend mit rohen Aufnahmen einer zwölfsaitigen Gitarre, die iterativ weiterverarbeitet und in neuen Reels erweitert wurden. Mit über 50 einzigartigen Klang-Schnipseln steht nun eine breite Palette zur Verfügung, die unterschiedlichste kompositorische Ansätze ermöglicht. Im Mittelpunkt steht, diese Ressourcen als Basis für Partituren zu nutzen, die Interpret:innen leiten, inspirieren oder sogar herausfordern können, Klang auf neue Weise zu deuten.

"That should be enough to do just about anything we want to do."
© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)
Aufbau auf Vergangenem: Iterative Klänge und wachsende Reels
Die Entwicklung des Projekts ist geprägt von einem wachsenden Archiv an Klangaufnahmen, wobei jede Iteration auf der vorherigen aufbaut. Der Weg begann mit einfachen Aufnahmen von zwölfsaitiger Gitarre und Umgebungsgeräuschen, die dann transformiert und in neuen Reels geschichtet wurden. In Iteration 3 umfasst das Projekt bereits ein Reel mit 52 kurzen Schnipseln, jeder mit eigenem, klangvollen Namen – ein wahres Werkzeugset für klangliche Erkundungen.
Diese wachsende Sammlung ist nicht bloß eine Bibliothek, sondern eine lebendige Ressource, die Modularmusiker dazu einlädt, über das Patchen hinauszudenken. Das Video ermutigt dazu, aus diesem vielfältigen Klangpool schöpferische grafische Partituren zu entwickeln, lässt aber auch Raum für neues Material und eigene Ansätze. Der iterative Prozess selbst wird so zum kompositorischen Werkzeug, das beeinflusst, wie Klänge ausgewählt, kombiniert und letztlich in der Performance realisiert werden.
Kompositorische Ansätze: Narration, Spannung und Nicht-Linearität

"The music should stand on its own feet and be worth listening to without the accompanying action."
© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)
Inspiriert von Terrence Dwyers ‚Composing with Tape Recorders‘ taucht das Video in verschiedene Strategien elektronischer Komposition ein. Die Narration ist ein klassischer Ansatz – Musik als Erzählung, in der Klang einen dramatischen Bogen oder eine Abfolge illustriert. Doch wie Dwyer warnt, garantiert das bloße Befolgen einer Handlung noch keine fesselnde Musik; die Struktur muss für sich stehen, unabhängig von einer äußeren Geschichte. Das Video greift diesen Gedanken auf und schlägt vor, Narration als Funke zu nutzen, sie aber nicht zur Krücke werden zu lassen.
Spannung und Klimax werden als wesentliche Zutaten für dynamische Kompositionen hervorgehoben, besonders wenn traditionelle harmonische Verläufe fehlen. Im modularen und Tape-Musik-Kontext werden diese Qualitäten nicht durch Akkordwechsel, sondern durch die Manipulation von Klangcharakteristika, Dynamik und zeitlichen Strukturen erreicht. Das Video schlägt vor, Techniken wie variierende Segmentlängen, modulierte Veränderungsraten und Clock Divider einzusetzen, um sich entwickelnde, unvorhersehbare Formen zu schaffen.
Auch nicht-lineare und mathematische Verfahren kommen ins Spiel und bieten Alternativen zur konventionellen musikalischen Entwicklung. Durch die Organisation von Audiosegmenten nach mathematischen Beziehungen oder abstrakten Plänen können Komponist:innen Stücke erschaffen, die sich auf unerwartete Weise entfalten. Im Zentrum steht das Experimentieren – mit den Werkzeugen der Modularsynthese neue Wege durch den Klang zu bahnen, frei von den üblichen Regeln von Melodie und Harmonie.
Dwyers Bauplan: Planung und Erstellung elektronischer Partituren
Das Video wendet sich Dwyers praktischen Ratschlägen zur Planung elektronischer Kompositionen zu und hebt die grafische Partitur als Brücke zwischen Konzept und Realisierung hervor. Diese Partituren, meist von links nach rechts mit der Zeitachse gelesen, nutzen Symbole und Metaphern, um klangliche Ereignisse und Bewegungen darzustellen. Auch wenn dies nicht der einzige Ansatz ist, bietet diese visuelle Methode eine flexible Vorlage zur Organisation komplexer Modularstücke.
Die Teilnehmer:innen werden ermutigt, eigene Partituren zu erstellen – ob akribisch detailliert oder locker angedeutet – ohne sich über technische Hürden bei der Umsetzung in Klang zu sorgen. Der Prozess wird als Gelegenheit verstanden, persönliche musikalische Narrative zu definieren, mit Strukturen zu experimentieren und die Basis für kollaborative Interpretation zu legen.

"This is not the only possible approach, but I think it makes it a decent template to at the very least be aware of and think about."
© Screenshot/Zitat: Maken0Isemusic (YouTube)
Kollaborative Realisierung: Gemeinschaft, Kreativität und offener Klang
Der vielleicht spannendste Aspekt dieser Iteration ist ihr kollaborativer Dreh. Jede:r Teilnehmer:in erhält die Partitur einer anderen Person zur Realisierung – das Projekt wird so zu einem gemeinschaftlichen Experiment in Interpretation und Kreativität. Dieser Ansatz fördert nicht nur ein Gefühl geteilter Urheberschaft, sondern fordert Musiker:innen auch heraus, sich mit ungewohnten Ideen und Techniken auseinanderzusetzen.
Das Video macht deutlich, dass es keine strikten Regeln gibt – die Teilnehmer:innen können die bestehenden Reels, eigene Klänge oder jede beliebige Kompositionsmethode nutzen. Das wachsende Archiv aus Klängen und Partituren, inklusive Zuordnung und Links zu den Beiträgen der Community, dient als Inspiration und Ressource zugleich. Es ist ein mittel- bis langfristig angelegtes Projekt, das organisch wächst, je mehr Menschen beitragen, interpretieren und ihre eigenen modularen Partitur-Interpretationen teilen.
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