Verysickbeats – SP-404MKII: Pattern statt Looper – damit der Beat beweglich bleibt

4. November 2026

KNISTER

SP-404MKII: Pattern statt Looper – damit der Beat beweglich bleibt

Der Bass hat bei Verysickbeats zuletzt Staub gesammelt. Für sein am 3. November 2026 veröffentlichtes Video mit SP-202 und SP-404MKII nimmt er ihn wieder zur Hand und sampelt drei Töne. Eine weitere Folge seiner Reihe „Use What You Have“: Vorhandenes benutzen, statt den nächsten Einkauf zu planen. Der eigentliche Live-Gewinn entsteht allerdings erst danach – wenn der Beat läuft und die Hände Zeit für seinen Klang haben.

Vier Takte, dann wird geschraubt

Verysickbeats – SP 202 + SP 404MKII : Proof You Don’t Need New Gear To Make Fire Beats

© Screenshot/Zitat: Verysickbeats (YouTube)

Die Gitarrensamples liegen auf dem SP-202, die Drums auf dem MKII. Sequenziert wird im MKII, dessen Pads über MIDI die Samples des SP-202 auslösen. Verysickbeats zeigt dabei auch die etwas verdrehte Zuordnung der Pad-Reihen zwischen den Geräten. Vier Takte bilden das Grundgerüst; für eine weitere Einspielung probiert er später eine Quantisierung auf Sechzehnteltriolen.

Für die anschließende Performance ist ihm aber etwas anderes wichtiger als das Raster: Er will Pads auswählen und ihren Klang bearbeiten, ohne die Wiedergabe zu unterbrechen. Den Looper verwirft er für diesen Ablauf ausdrücklich zugunsten des Pattern-Modus.

Der Bass muss nicht mit

Zunächst kündigt Verysickbeats an, ausgewählte Pads einschließlich des Basses zu filtern. Dann entscheidet er um. Genau dieser kleine Rückzieher macht den Versuch interessant: Die Möglichkeit, alles zu bearbeiten, verpflichtet noch lange nicht dazu. Nicht jeder Filtergriff muss gleich das Fundament mitnehmen.

Bereits in seinem Kev-Brown-inspirierten Beitrag vom 17. September 2026 arbeitet er mit solcher Trennung. Dort sequenziert eine MPC-2000XL die Sounds des SP-404MKII. Die Basslinie legt er bewusst sparsam an; bei der Effektbearbeitung will er den Bass keinem Bus zuweisen, während die Drums auf einem anderen Bus als die übrigen Sounds laufen. Im neuen Zweiergespann übernimmt nun der MKII das Sequenzieren. Die musikalische Frage bleibt: Was darf sich verändern, was soll tragen?

Verysickbeats – SP 202 + SP 404MKII : Proof You Don’t Need New Gear To Make Fire Beats

© Screenshot/Zitat: Verysickbeats (YouTube)

Erst ein Pattern, dann der nächste Schritt

Gabe Miller Music – First Day with the SP-404 MKII

© Screenshot/Zitat: Gabe Miller Music (YouTube)

Wie viel die Reihenfolge der Arbeitsschritte ausmacht, zeigt Gabe Miller Music in „First Day with the SP-404 MKII“ vom 29. November 2022. Er lässt die holprigen Stellen seines Einstiegs stehen: Tempoangaben, Sample-Enden und ein Pattern, dessen Loop nicht sauber funktioniert. Statt souveräner Vorführung gibt es einen nachvollziehbaren Lernprozess.

Nach einem Firmware-Update nutzt Miller chromatische und mehrstimmige Einspielungen im Sequencer und stellt den vertrauten Pattern-Aufbau an den Anfang. Erst wenn er mit dem Ergebnis zufrieden ist, geht er zum Resampling über. Für ihn wird der SP dadurch übersichtlicher – nicht weil sämtliche Eigenheiten verschwinden, sondern weil er zunächst einen vertrauten Zugang findet.

Spielen ist nicht dasselbe wie Festhalten

Miller unterscheidet in seinem damaligen Workflow zwischen einem Pattern, das mit eingeschalteten Effekten spielt, und einem neu aufgenommenen Sample, das diese Bearbeitung enthält. Beim Resampling hält er den bearbeiteten Klang auf einem Pad fest; anschließend kann er die Effekte ausschalten, weil sie bereits aufgenommen sind.

Das macht die Aufnahme nicht zum Endpunkt: Miller pitcht resampeltes Material im Vinyl-Modus herunter und bearbeitet es weiter. Die zuvor aufgenommene Effektschicht gehört dann allerdings zum Audiomaterial. Für die Performance steckt darin eine praktische Entscheidung: Welche Klangbewegung soll bereits vorbereitet sein, welche erst unter den Händen entstehen?

Gabe Miller Music – First Day with the SP-404 MKII

© Screenshot/Zitat: Gabe Miller Music (YouTube)

Verysickbeats muss seinen Beat dafür nicht ständig neu erfinden. Das Pattern übernimmt die Wiederholung; er entscheidet, welche Klänge sich bewegen dürfen. Aus Wiedergabe wird so eine Performance mit musikalischen Prioritäten. Und manchmal besteht der beste Eingriff eben darin, den Bass nicht anzufassen.

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Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch. Du findest ihn hier: https://synthmagazine.com/sp-404mkii-pattern-instead-of-looper-keeping-the-beat-flexible/

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