Teenage Engineering EP-133 K.O. II

9. September 2026

MILES

Teenage Engineering EP-133 K.O. II: Wie viel Sampler passt in 128 MB?

Der EP-133 K.O. II ist eines dieser Geräte, bei denen die technischen Grenzen zunächst fast genauso auffallen wie die Möglichkeiten. 128 MB Speicher, ein eigenwilliges Display, zwölf Sample-Pads und ein Bedienkonzept, das sich deutlich von einer klassischen Groovebox oder einer kleinen DAW unterscheidet. Auf dem Papier klingt das nicht nach besonders viel Spielraum.

In der Praxis verfolgt Teenage Engineering aber eine andere Logik. Der K.O. II will nicht möglichst viele Produktionsfunktionen unterbringen, sondern Sampling, Sequencing und Performance so miteinander verzahnen, dass aus wenigen Elementen schnell ein Track entstehen kann. Dabei helfen vier Gruppen, Pattern, Scenes, Song Mode, ein druckempfindlicher Punch-in-FX-Workflow und ein Sequencer, der wesentlich tiefer reicht, als die verspielte Oberfläche zunächst vermuten lässt.

Und selbst die vielleicht auffälligste Grenze – der Speicher – ist inzwischen Teil des kreativen Konzepts geworden. Mit variablen Samplerates lässt sich nicht nur Platz sparen. Der K.O. II kann dadurch bewusst zwischen sauberem Sampling und deutlichem Lo-Fi-Charakter wechseln.

SON WU über die Lo-Fi-Samplerate des EP-133 K.O. II

© Screenshot/Zitat: SON WU (YouTube)

Das Zitat stammt aus SON WUs Beitrag zum versteckten beziehungsweise später offiziell ausgebauten Lo-Fi-Workflow des K.O. II.

Ein Sampler, der lieber spielt als verwaltet

Der K.O. II stammt gedanklich aus derselben Familie wie Teenage Engineerings kleiner PO-33 K.O!, ist aber ein erheblich umfassenderes Instrument. Samples werden über das integrierte Mikrofon oder den Stereo-Eingang aufgenommen, auf Pads gelegt, geschnitten, gepitcht und anschließend in Patterns organisiert. MIDI In und Out sowie Sync In und Out erlauben die Einbindung externer Geräte.

Zwölf druck- und anschlagempfindliche Pads dienen dabei nicht nur zum Abfeuern von Samples. Sie bilden gemeinsam mit vier Gruppen die eigentliche Arbeitsoberfläche des Sequencers. Jede Gruppe kann eigene Patterns enthalten, die wiederum miteinander kombiniert werden können. Teenage Engineering nennt bis zu 99 Patterns pro Gruppe und 80.000 Noten pro Projekt. Der Song Mode kann Scenes über bis zu 99 Positionen verketten.

Damit ist der EP-133 längst mehr als eine Maschine für kurze Loops. Free Beat kam bei seinem Versuch, einen vollständigen Song auf dem Gerät zu bauen, zu einem entsprechend eindeutigen Ergebnis:

Free Beat über Song Mode auf dem EP-133 K.O. II

© Screenshot/Zitat: Free Beat (YouTube)

Entscheidend ist allerdings, dass Teenage Engineering den Weg dorthin nicht wie eine klassische DAW organisiert. Patterns, Groups, Scenes und Commit sind ein eigenes Vokabular. Wer dieses System verstanden hat, kann Variationen sehr schnell erzeugen und neu kombinieren. Wer dagegen erwartet, dass sich alles sofort aus bekannten Sequencer-Konzepten ableiten lässt, muss sich zunächst auf die Logik des Geräts einlassen.

128 MB: wenig Speicher, aber inzwischen ziemlich flexibel

128 MB klingen 2026 fast absurd knapp. Genau deshalb ist interessant, wie Teenage Engineering inzwischen mit dieser Grenze umgeht.

Der K.O. II kann Samples mit unterschiedlichen Samplerates aufnehmen. Neben der normalen Aufnahme mit 46,875 kHz stehen niedrigere Qualitätsstufen zur Verfügung, die deutlich weniger Speicher benötigen und gleichzeitig den Klang verändern. Teenage Engineering nennt 32 kHz als mittlere Einstellung und 26,25 kHz für eine ausgeprägt Lo-Fi-orientierte Aufnahme. Noch niedrigere Samplerates können über das EP Sample Tool importiert und in ihrer ursprünglichen Rate erhalten werden.

Genau hier bekommt SON WUs Beobachtung eine größere Bedeutung. Wenn eine Lo-Fi-Version weniger als ein Viertel des Speicherplatzes benötigt, ist die niedrigere Samplerate nicht lediglich ein Effekt. Sie wird zu einer Entscheidung zwischen Speicherverbrauch und Klangcharakter.

Das passt erstaunlich gut zum Instrument. Statt großen Speicher einfach mit immer mehr Material zu füllen, zwingt der K.O. II dazu, Samples auszuwählen, zu bearbeiten und bei Bedarf bewusst kleiner zu machen. Der begrenzte Speicher verschwindet dadurch nicht – aber er lässt sich kreativer nutzen.

Seit dem aktuellen Softwarestand sind zudem längere Aufnahmen möglich: In Mono kann die maximale Aufnahmezeit eines Samples auf bis zu 40 Sekunden steigen.

Der Sequencer kann viel – aber er erklärt sich nicht von selbst

Die Stärke des K.O. II liegt weniger darin, möglichst viele Funktionen über Menüs erreichbar zu machen, sondern darin, Sequencing als laufenden Prozess zu behandeln. Patterns können während der Wiedergabe gewechselt und gruppenweise miteinander kombiniert werden. Mit Commit lässt sich ein vorhandener Zustand festhalten und anschließend weiterentwickeln.

Das ermöglicht einen schnellen Aufbau von Variationen. Beat, Bass, Samples oder andere Elemente können innerhalb der vier Gruppen unabhängig voneinander weitergeschaltet werden, ohne jedes Mal ein komplettes Arrangement neu bauen zu müssen.

Der mittlerweile vorhandene Song Mode löst zudem eines der ursprünglichen Probleme eines stark performanceorientierten Geräts: Scenes lassen sich in einer festen Reihenfolge anordnen und damit zu vollständigen Songs verbinden. In einem Hybrid-Live-Setup beschreibt Defmod Network genau diese Funktion als besonders hilfreich.

Trotzdem sollte man den K.O. II nicht mit „einfach“ verwechseln. Free Beat beschreibt den Einstieg deutlich nüchterner:

Free Beat über die Lernkurve des EP-133 K.O. II

© Screenshot/Zitat: Free Beat (YouTube)

Das trifft einen wichtigen Punkt. Die Oberfläche reduziert zwar die Zahl klassischer Menüs, aber nicht zwangsläufig die Zahl der Dinge, die man verstehen muss. Viele Funktionen entstehen durch Tastenkombinationen, Modi und mehrfach belegte Bedienelemente. Der K.O. II ist unmittelbar, sobald seine Logik sitzt – aber nicht unbedingt selbsterklärend.

Punch-in FX machen den K.O. II zum Instrument

Besonders deutlich wird Teenage Engineerings Ansatz bei den Effekten. Neben sechs integrierten Send-Effekten und einem Master-Kompressor stehen zwölf druckempfindliche Punch-in-Effekte zur Verfügung. Sie sind weniger als klassische Insert-Effektsektion gedacht, sondern als Bestandteil einer Performance.

Effekte lassen sich während der Wiedergabe über die Pads spielen und unmittelbar in den Beat eingreifen. Dadurch kann aus einem relativ einfachen Pattern schnell eine deutlich bewegtere Performance entstehen.

Auch der Fader gehört zu diesem Konzept. Er kann unterschiedlichen Parametern zugewiesen werden und ermöglicht direkte Eingriffe in Filter, Lautstärke, Tonhöhe und andere Werte. Gleichzeitig gehört gerade die Mehrfachbelegung dieses Reglers zu den Bereichen, die nicht jeder Nutzer sofort intuitiv findet.

Woody Piano Shack beschreibt seine Erfahrung deutlich:

Woody Piano Shack über den Fader des EP-133 K.O. II

© Screenshot/Zitat: Woody Piano Shack (YouTube)

Diese Kritik stammt allerdings aus einem früheren Softwarestand. Teenage Engineering hat danach unter anderem Stabilitätsprobleme sowie verschiedene Eigenheiten rund um Fader, Sampling und Chopping über Updates adressiert. Der aktuelle Stand des Geräts sollte deshalb nicht vollständig mit frühen beziehungsweise älteren Erfahrungsberichten gleichgesetzt werden.

Der K.O. II ist durch Updates ein anderes Gerät geworden

Das ist bei dieser Produktvorstellung besonders wichtig: Der EP-133 von heute kann deutlich mehr als das Gerät zum Marktstart 2023.

Mit OS 2.0 kamen unter anderem Resampling, Song Mode, Sidechain-Funktionen, zusätzliche Polyphonie und erweiterte MIDI-Möglichkeiten hinzu. Resampling ermöglicht es, Sounds und Effekte miteinander zu verrechnen oder sogar ganze Patterns wieder als neues Sample auf einem Pad abzulegen.

OS 2.5 hat den Sampling-Workflow nochmals erweitert. USB-Audio kann zum Aufnehmen und Monitoring genutzt werden, Samples lassen sich rückwärts abspielen, die Aufnahme-Samplerate kann verändert werden, Mono-Samples können länger aufgenommen werden und Auto-Chop sowie Timestretching wurden erweitert. Das unmittelbar folgende OS 2.5.1 korrigierte unter anderem Probleme beim Bearbeiten langer Samples und beim USB-Audio-Streaming mit bestimmten Android-Geräten.

SON WU beschreibt USB-Audio in seinem Update-Video entsprechend als eine der zentralen Neuerungen:

SON WU demonstriert USB-Audio auf dem EP-133 K.O. II

© Screenshot/Zitat: SON WU (YouTube)

Dadurch lässt sich ein Smartphone oder Computer wesentlich direkter in den Sampling-Workflow integrieren. Gerade bei einem mobilen Gerät ist das mehr als nur eine zusätzliche technische Schnittstelle.

Resampling verändert den Umgang mit den Grenzen

Resampling gehört zu den Erweiterungen, die besonders gut zum K.O. II passen. Mehrere Samples können miteinander kombiniert, durch Filter und Effekte bearbeitet und anschließend wieder als neues Sample aufgenommen werden. Auch vollständige Patterns lassen sich auf diese Weise zusammenfassen.

Das schafft Spielraum, weil ein komplexerer Aufbau anschließend wieder auf ein einzelnes Pad reduziert werden kann. Gleichzeitig ist genau diese Arbeitsweise ein Teil der Ästhetik klassischer Sampler: Entscheidungen werden festgeschrieben, Material wird neu aufgenommen und anschließend wieder weiterverarbeitet.

Der K.O. II wird dadurch nicht zur unbegrenzten Produktionsumgebung. Er bekommt aber Wege, mit seinen eigenen Grenzen produktiv umzugehen.

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Mobil genug, um tatsächlich mitgenommen zu werden

Mit 240 × 176 × 16 Millimetern und rund 620 Gramm bleibt der K.O. II erstaunlich flach. Strom bekommt er entweder über USB-C oder über vier AAA-Batterien. Dazu kommen ein integriertes Mikrofon und ein kleiner Lautsprecher.

Das interne Mikrofon ist dabei weniger Studiowerkzeug als Einladung: Geräusch aufnehmen, auf ein Pad legen und sofort weiterarbeiten. Über den Stereo-Eingang können zudem externe Instrumente, Smartphones oder andere Audioquellen gesampelt werden.

MIDI In und Out sowie Sync In und Out machen den K.O. II gleichzeitig offen genug für größere Setups. Er kann dadurch sowohl eigenständig als auch als Sampling- und Sequencing-Zentrale zwischen anderen Geräten eingesetzt werden.

Gerade im Live-Kontext ist die Kombination aus Songs, Scenes, MIDI und einer Oberfläche, an der weiterhin viel direkt gespielt werden kann, interessant. Der K.O. II muss nicht nur eine Beatmaschine auf dem Sofa sein.

Eigenwilligkeit gehört zum Konzept

Wer die bisherigen Erfahrungsberichte zum EP-133 nebeneinanderlegt, stößt auf einen auffälligen Widerspruch. Viele Nutzer kommen mit dem Gerät zu interessanten Ergebnissen – und beschreiben den Weg dorthin gleichzeitig als ungewöhnlich.

Free Beat konnte vollständige Songs bauen, spricht aber offen über die anfängliche Frustration. Woody Piano Shack lobt bei seinem Gerät die Verarbeitung, kritisiert aber Bedienlogik und Fehleranfälligkeit seines damaligen Softwarestands. Andere Nutzer setzen den K.O. II wiederum selbstverständlich in Live-Rigs ein.

Diese Unterschiede lassen sich nicht vollständig auflösen, weil sie einen Teil des Produkts ausmachen. Der K.O. II versucht nicht, bekannte DAW-Bedienlogik möglichst klein abzubilden. Er verlangt, dass man seine eigenen Begriffe, Kombinationen und Abkürzungen lernt.

Wer darauf keine Lust hat, wird einige Entscheidungen unnötig kryptisch finden. Wer sich darauf einlässt, bekommt dagegen ein Instrument, bei dem Sequencing, Sampling und Performance ungewöhnlich eng zusammenliegen.

Für wen ist der EP-133 K.O. II gedacht?

Der K.O. II passt besonders zu Musikern, die Samples nicht nur verwalten, sondern spielen wollen. Pads, Patterns, Groups, Punch-in FX und Resampling fördern einen Workflow, in dem eine Idee laufend verändert wird.

Auch für mobile Setups ist das Konzept interessant: Batteriebetrieb, Mikrofon, Lautsprecher und kompakte Abmessungen machen das Gerät unabhängig von einem vollständigen Studio.

Wer vollständige Songs innerhalb der Hardware bauen möchte, kann das inzwischen ebenfalls tun. Song Mode und Scenes haben den K.O. II in dieser Hinsicht erheblich erweitert.

Weniger passend ist er für Nutzer, die eine weitgehend selbsterklärende Oberfläche, große Samplebibliotheken im Gerät oder eine möglichst klassische DAW- beziehungsweise Workstation-Struktur erwarten. Der Speicher bleibt begrenzt und die Bedienlogik will gelernt werden.

Gerade daraus entsteht jedoch sein Charakter. Der EP-133 versucht nicht, möglichst alles zu können. Er versucht, aus Samples schnell etwas Spielbares zu machen – und gibt dem Nutzer inzwischen deutlich mehr Möglichkeiten, dieses Material anschließend zu einem vollständigen Track auszubauen.

Technische Daten im Überblick

Die folgenden Angaben entsprechen dem aktuellen Herstellerstand des EP-133 K.O. II; frühe Geräte und ältere Dokumentationen können insbesondere beim Speicher und der Polyphonie abweichende Angaben enthalten.

BereichTeenage Engineering EP-133 K.O. II
GerätetypSampler, Sequencer und Composer
Speicher128 MB
Sample-Slots999
Pads12 anschlag- und druckempfindliche Sample-Pads + 4 Group-Pads
SamplingStereo/Mono, regulär bis 46,875 kHz / 16 Bit; variable Samplerates
Polyphonie12 Stereo- oder 16 Mono-Stimmen
Projekte9
Patternsbis zu 99 Patterns je Gruppe
Gruppen4
Song Modebis zu 99 Song-Positionen
Sequencerhochauflösend, quantisiert oder frei, Swing
ResamplingSamples, Sounds und Patterns
Effekte6 Send FX, Master-Kompressor, 12 Punch-in FX
Audio3,5-mm-Stereo-In und Stereo-Out
Mikrofon / Lautsprecherintegriert
MIDITRS Type A MIDI In/Out
SyncSync In/Out
USBUSB-C für Strom, MIDI und mit aktuellem OS auch USB-Audio
Stromversorgung4 × AAA oder USB-C
Abmessungen240 × 176 × 16 mm
Gewichtca. 620 g

MILES’ Fazit

Der EP-133 K.O. II lässt sich leicht auf seine ungewöhnlichen Grenzen reduzieren. 128 MB Speicher wirken klein, die Oberfläche ist erklärungsbedürftig und manche Abläufe verlangen mehr Einarbeitung, als das spielzeughafte Äußere vermuten lässt.

Interessanter ist, was Teenage Engineering inzwischen innerhalb dieses Rahmens möglich macht. Der Sequencer reicht bis zu vollständigen Songs, Resampling erlaubt das Verdichten komplexerer Ideen, Punch-in FX machen Bearbeitung zum Teil der Performance und die unterschiedlichen Sample-Raten verwandeln selbst den knappen Speicher in eine klangliche Entscheidung.

Gerade der Lo-Fi-Modus bringt das Konzept gut auf den Punkt: Weniger Daten bedeuten nicht einfach nur weniger Qualität. Sie bedeuten mehr verfügbaren Speicher und gleichzeitig einen anderen Klang. Die technische Beschränkung wird zur Gestaltungsmöglichkeit.

Durch die großen Softwareupdates ist der K.O. II außerdem wesentlich erwachsener geworden als zum Marktstart. Song Mode, Resampling, USB-Audio, längere Mono-Samples und zusätzliche Sampling-Funktionen haben einige der ursprünglichen Grenzen verschoben, ohne aus dem Gerät eine konventionelle Workstation zu machen.

Wer eine möglichst geradlinige Produktionsumgebung sucht, findet anderswo vermutlich schneller ans Ziel. Wer dagegen einen Sampler will, dessen Eigenheiten selbst Teil des Musikmachens werden, bekommt mit dem K.O. II ein ungewöhnlich eigenständiges Instrument.

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