Joranalogue Audio Design STEP 8: Ein Sequencer, viele Stimmen – Patch-Walkthrough

6. April 2024

MILES

Joranalogue Audio Design STEP 8: Ein Sequencer, viele Stimmen – Patch-Walkthrough

Joranalogue Audio Design, bekannt für ihre präzisen Eurorack-Module, präsentiert einen tiefgehenden Einblick in die Fähigkeiten des STEP 8 Sequencers, mehrere Stimmen aus einer einzigen Melodiequelle zu steuern. In diesem Walkthrough zeigt Simon, dass STEP 8 weit mehr als nur ein Sequencer ist: Er dient als vielseitiges Zentrum für melodische Erfindungen, Randomisierung und kreatives CV-Mixing. Das Video beleuchtet, wie sich CV extrahieren, transponieren und routen lässt, um sich entwickelnde Melodien und Basslinien aus nur einer Sequenz zu erzeugen. Wer mehr Musikalität aus weniger Modulen herausholen möchte, findet hier garantiert Inspiration für die nächste Patch-Session.

STEP 8: Der Sequencer als modulares Gehirn

Das Video beginnt mit Simons Vorstellung einer Technik, die er häufig bei melodischer Modulararbeit nutzt: das Extrahieren oder Ansteuern mehrerer Stimmen aus einer einzigen Sequenz. Das Herzstück dieses Ansatzes ist das Modul STEP 8, das sowohl als Sequencer als auch als CV-Quelle dient und so komplexe musikalische Strukturen ermöglicht, ohne dass man ein ganzes Rack voller Sequencer benötigt.

Simon richtet STEP 8 so ein, dass es die Hauptmelodie steuert, und beschreibt, wie das Modul sowohl arpeggierte als auch geradlinigere Linien übernehmen kann. Die Flexibilität des Moduls zeigt sich in seiner Doppelfunktion als Sample-and-Hold oder Track-and-Hold, je nach Konfiguration. So lassen sich – dank Orbit 3 – auch zufällige oder chaotische Spannungen in die Sequenz einspeisen, wodurch die resultierende Melodie nie statisch bleibt. Die Technik eignet sich besonders für alle, die sich entwickelnde, nicht-repetitive Muster erzeugen wollen, dabei aber die musikalische Richtung im Griff behalten möchten.

Sehr oft, wenn ich melodisch arbeite, extrahiere oder steuere ich mehrere Stimmen aus einer Sequenz.

© Screenshot/Zitat: Joranalogue (YouTube)

Randomisierung und CV-Extraktion: Mehr Tiefe für Melodien

Der Schlüssel dazu ist, Melodie und Offset, also die Transpositions-CV, zu mischen.

© Screenshot/Zitat: Joranalogue (YouTube)

Eine zentrale Eigenschaft von STEP 8, wie im Video gezeigt, ist die Möglichkeit, Randomisierung einzubinden und CV-Signale zur weiteren Bearbeitung zu extrahieren. Simon spricht darüber, chaotische Spannungen in STEP 8 einzuspeisen, die dann – je nach Patch – gehalten oder verfolgt werden. Diese Zufälligkeit wird anschließend mit einem externen Quantizer gezähmt, sodass auch wilde Spannungen zu musikalisch sinnvollen Ergebnissen führen.

Das Video hebt zudem die Bedeutung des CV-Mixings hervor – insbesondere das Mischen der Hauptmelodie mit einer Transpositions-CV. Mit einem Utility-Mixer wie ADD 2 zeigt Simon, wie sich diese Signale vor dem Quantizer zusammenführen lassen. Das hält die Spannungen im Zaum und ermöglicht gleichzeitig eine nuanciertere Kontrolle über melodische und harmonische Bewegungen – besonders, wenn mehrere Stimmen aus demselben Sequencer-Ausgang gespeist werden.

Transpositions-Tricks: Ein Sequencer, mehrere Stimmen

Simons Patch-Ansatz nutzt die Transpositions-CV von STEP 8, um sowohl Melodien als auch Basslinien zu beeinflussen. Durch das Extrahieren einer Spannung aus einer Stufe von STEP 8 und deren Verwendung zur Transposition der Hauptmelodie demonstriert er, wie ein einziger Sequencer effektiv mehrere Stimmen steuern kann. Besonders wirkungsvoll wird diese Methode mit einem externen Quantizer, der für musikalische Kohärenz sorgt, auch wenn sich die zugrundeliegenden Spannungen unvorhersehbar verändern.

Die Demonstration geht weiter, indem Simon die Transpositions-CV auf eine zweite Stimme – in diesem Fall einen Bass mit Generate 3 – routet. Er beschreibt den Stimmvorgang, bei dem die Melodiesequenz kurz getrennt wird, um den Bass zu stimmen, und dann für ein harmonisch passendes Ergebnis wieder verbunden wird. Das Resultat ist ein Patch, bei dem Melodie und Basslinie auf interessante, manchmal unerwartete Weise miteinander interagieren – und das alles mit nur einem Sequencer. Diese Technik zeigt das Potenzial von STEP 8 als zentrales Modul im System, das komplexe, miteinander verwobene musikalische Linien ohne mehrere Sequencer ermöglicht.

Man braucht dafür wirklich nur einen Sequencer.

© Screenshot/Zitat: Joranalogue (YouTube)

Generative Workflows und kontrolliertes Chaos

Über das reine Sequencing hinaus erkundet das Video generative Workflows mit STEP 8, externen Quantizern und cleverer CV-Routung. Simon erklärt, wie man Patches baut, bei denen nur bestimmte Stufen randomisiert werden, wodurch eine Mischung aus Wiederholung und Variation entsteht. Er demonstriert außerdem, wie sich mit Attenuvertern die Transpositions-CV invertieren oder skalieren lässt, um Kontrapunkte zwischen Melodie und Bass zu schaffen – steigt die Melodie, fällt der Bass und umgekehrt.

Noch mehr Komplexität entsteht durch rhythmische Quantisierung mit Compare 2, wodurch chaotische, aber zum Beat synchronisierte Trigger möglich werden. Simon zeigt, wie diese Techniken genutzt werden können, um Dynamik, Klangfarbe und Rhythmik zu modulieren – und das bei einem stets musikalisch kohärenten Ergebnis. Der Patch entwickelt sich zu einem reichhaltigen, generativen System, in dem ein einziger Sequencer, unterstützt von ein paar Utilities, ein dynamisches Zusammenspiel von Stimmen und Texturen erzeugt. Dieser Abschnitt unterstreicht die Tiefe und Vielseitigkeit des Workflows und macht deutlich, dass STEP 8 weit mehr als nur ein Step-Sequencer ist.


Inspiration und modulare Experimente

Das ist eine Möglichkeit, viel melodische Bewegung zu erzeugen, ohne mehrere Sequencer zu verwenden.

© Screenshot/Zitat: Joranalogue (YouTube)

Simon schließt den Walkthrough mit der Ermutigung ab, ähnliche Techniken im eigenen Setup auszuprobieren. Im Mittelpunkt stehen Inspiration und Forschergeist – ein einzelner Sequencer als Rückgrat für mehrere Stimmen und generative Patches. Das Video erinnert daran, dass mit durchdachtem Patchen und ein paar cleveren Utilities auch ein überschaubares Modularsystem komplexe, sich entwickelnde musikalische Ergebnisse liefern kann. Joranalogues Präsentationsstil bleibt dabei gewohnt prägnant und liefert viele praxisnahe Ideen für patch-affine Modular-Fans.

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