Joranalogue Audio Design: Zufällige Steps auf Laborniveau mit STEP 8 & SELECT 2

1. Mai 2024

MILES

Joranalogue Audio Design: Zufällige Steps auf Laborniveau mit STEP 8 & SELECT 2

Schon mal Lust gehabt auf eine Eurorack-Sequenz, die größtenteils berechenbar bleibt, aber an genau der richtigen Stelle einen Hauch von Chaos einstreut? Joranalogue Audio Design, die belgischen Meister präziser Analogtechnik, liefern ein Tutorial, das genau diesen Trick zeigt – mit STEP 8, SELECT 2 und etwas cleverem Patchen werden nur bestimmte Steps einer Sequenz randomisiert. Das Video, präsentiert von Simon, ist ein Fest für Patch-Nerds und zeigt, wie man Zufall einsetzt, ohne die harmonische Kontrolle zu verlieren. Wer seine modularen Grooves würzen will, ohne ins totale Chaos abzudriften, ist hier goldrichtig.

Sequencing mit Dreh: STEP 8 und SELECT 2 im Doppelpack

Das Tutorial beginnt mit Simons Ziel: Eine Sequenz auf Joranalogues STEP 8 zu bauen, bei der nur einer oder einige wenige Steps randomisiert werden, während der Rest wie programmiert abläuft. Hier geht es nicht um eine komplett zufällige Sequenz – die Unberechenbarkeit wird gezielt und dosiert eingesetzt. Das Ganze ist eine Frage der Kontrolle: Man entscheidet selbst, welche Steps wild werden dürfen und welche brav bleiben.

Dafür läuft STEP 8 im Cycle-Modus, der Scan-Ausgang steuert eine Volt-pro-Oktave-Sequenz für zwei Generate 3 Oszillatoren. Der Rest des Systems ist klassisch Joranalogue: Filter 8, Fold 6 und etwas Modulation vom zweiten Generate 3. Das Setup zeigt nicht nur den Sequenzier-Trick, sondern auch die saubere, präzise Arbeitsweise der Module.


Compare 2 und SELECT 2: Das Zufalls-Maschinenraum

Das Herzstück der Technik ist, wie der Zufall in die Sequenz gelangt. Wird ein Ausgang von Orbit 3 – einem Chaos-Generator – in den Eingang von STEP 8 gepatcht, werden alle Steps zufällig. Doch das ist hier nicht das Ziel. Der Clou: SELECT 2 schaltet zwischen einer stabilen 5V-Referenz und dem unberechenbaren Orbit 3-Ausgang um und wählt so gezielt aus, wann Zufall ins Spiel kommt.

Sobald mehr als nur der erste Step randomisiert werden soll, kommt Compare 2 ins Spiel. Gate-Ausgänge von STEP 8 werden über Compare 2 geführt, um exakt festzulegen, welche Stufen der Sequenz randomisiert werden. Der Flip-Flop-Ausgang von Compare 2 fungiert dabei als Wächter: Nur die gewünschten Steps bekommen das Chaos-Signal, der Rest bleibt beim programmierten Wert.

Jetzt ist jeder Step von STEP 8 bzw. jede Stufe zufällig.

© Screenshot/Zitat: Joranalogue (YouTube)

Automatisiertes Chaos: Patchen für rhythmische und melodische Variation

Jetzt haben wir einen Uranolok pseudo-randomisierten Walzer.

© Screenshot/Zitat: Joranalogue (YouTube)

Mit der Umschaltlogik im Patch zeigt Simon, wie sich das Ganze automatisieren lässt – niemand muss mehr während des Gigs manuell umschalten. Verbindet man den Gate-Ausgang eines bestimmten STEP 8-Stadiums mit dem Select-Eingang von SELECT 2, wird automatisch im richtigen Moment zwischen Zufall und stabiler Spannung gewechselt. So wird nur die erste Stufe – oder jede beliebige Kombination – randomisiert, während der Rest fest bleibt.

Simon erweitert das Patch um Percussion: Delay 1 als Kick, Mix 3 für Hi-Hats und Contour 1 für Rimshot oder Snare. Alles wird von derselben Logik getrieben und Orbit 3 sorgt für zusätzliche Modulation und Schmutz. Das Ergebnis: Ein Rhythmus, der Struktur und Überraschung vereint, weil die randomisierten Steps subtile Variationen ins Pattern bringen.

Für melodische Würze läuft die Sequenz durch einen Quantizer, sodass auch die zufälligen Steps musikalisch sinnvoll bleiben. Das Patch ist flexibel – kürzt man die Sequenz oder ändert die Random-Logik, entstehen pseudo-zufällige Walzer oder klassische Grooves, stets mit Joranalogue-Präzision.

Kontrollierte Komplexität: Harmonik mit Zufalls-Steps

Diese Methode ist mehr als ein Partytrick: Sie ermöglicht komplexe, sich entwickelnde Klanglandschaften, ohne die harmonische Kontrolle zu verlieren. Durch gezielte Randomisierung einzelner Steps bleibt die Sequenz spannend, während der Rest als harmonisches Rückgrat dient. Das Gleichgewicht zwischen Ordnung und Chaos ist besonders für Live-Performance oder generative Patches reizvoll.

Simon betont zum Abschluss die Flexibilität des Ansatzes. Egal ob ein einzelner oder mehrere Steps randomisiert werden sollen – mit STEP 8, SELECT 2 und Compare 2 hat man die Granularität, die das Verhalten der Sequenz präzise steuert. Das Ergebnis ist ein Patch, das spielerisch und präzise zugleich ist – ganz im Sinne der Joranalogue-Philosophie.


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