Im sich wandelnden Nebel zwischen Berechnung und Chaos lädt uns Metamyther zu einem Dialog mit Dan Gillespie von Newfangled Audio ein – ein Ort, an dem Klang weniger von Nostalgie, sondern vielmehr von mutiger Erfindungskraft lebt. Hier werden Plugins zu Portalen und Oszillatoren entwirren sich wie kosmische Pendel, balancieren Unvorhersehbarkeit mit Präzision. Dieses Gespräch ist nicht nur ein Interview; es ist eine vielschichtige Erkundung darüber, warum wir erschaffen, wie wir hören und was es bedeutet, die Klanggeister von morgen zu formen. Wer nach Klang sucht, der atmet und mutiert – Klang, der sich wie von Wetter und Mathematik geformt anfühlt – findet hier seine Neugier gestillt.

23. Juni 2026
LUMINA
Metamyther & die Klanggrenze: Das chaotische Herz von Newfangled Audio
Newfangled Audio Elevate, Newfangled Audio Equivocate, Newfangled Audio Fixate Mid-Range, Newfangled Audio Generate, Newfangled Audio Pendulate
Jenseits des Echos: Newfangleds Philosophie des Fortschritts
Dan Gillespies Leitmotiv für Newfangled Audio ist ein bewusstes Abwenden von der Gravitationskraft der Analog-Emulation. Anstatt den Geistern alter Hardware nachzujagen, sieht Gillespie Technologie als unendlichen Horizont – einen Raum, um das zu erschaffen, was es noch nie gab, nicht nur um die Vergangenheit wiederzubeleben. Seine Zeit bei Eventide, tief in Analog-Modellierung und Zusammenarbeit mit Hardware-Legenden verwurzelt, ließ ihn nach Erfindung statt Nachahmung dürsten. Für Gillespie waren die Eigenheiten, die wir an klassischem Equipment verehren, oft nur die Begrenzungen ihrer Zeit, nicht die wahre Absicht der Entwickler.
Diese Philosophie ist das Rückgrat von Newfangled Audios Produkten, bei denen es nicht darum geht, den Staub alter Schaltkreise zu verehren, sondern neue Mythen für die Ohren von morgen zu schaffen. Die Plugins sind Einladungen, Nostalgie hinter sich zu lassen und unbekanntes Terrain zu betreten – Werkzeuge, die Nutzer dazu ermutigen, über das bereits Dagewesene hinauszugehen. Wie Dan ausdrückt, geht es nicht darum, Geschichte auszulöschen, sondern Wurzeln zu schlagen, die neues Wachstum nähren. Das Ergebnis ist eine Produktlinie, die sich weniger wie ein Museum und mehr wie ein Labor anfühlt – jeder Regler und Knopf eine Chance, das Unbekannte zu entdecken.

"Ich scheitere lieber daran, etwas Bahnbrechendes zu erschaffen, als darin erfolgreich zu sein, die Vergangenheit zu imitieren."
© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)
Chaotische Pendel: Der Herzschlag von Generate

"Ich hatte immer das Gefühl, dass es dann spannend wird, wenn Dinge genau an der Grenze der Kontrolle sind."
© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)
Im leuchtenden Kern von Generate liegt sein chaotischer Oszillator – ein Doppelpendel, das zwischen Ordnung und Wildheit zittert. Gillespie erzählt, wie ein Gespräch mit seinem Bruder, einem Maschinenbauingenieur, ihn zur mathematischen Chaostheorie physikalischer Pendel führte. Als er deren Bewegung in Klang übersetzte, fand er Texturen, die weder Zufall noch Vorhersehbarkeit waren: kein Rauschen, keine Reinheit, sondern eine lebendige Instabilität, stets am Rand des Aufblühens oder Zerfalls.
Doch Chaos allein genügt nicht. Gillespie beschreibt, wie er diesen unberechenbaren Motor in Musikalität zähmte, ihn dazu brachte, Tonhöhen zu halten und auf die Geografie der Tastatur zu reagieren. Die wahre Offenbarung kam, als er die chaotische Quelle durch Buchla-artige Wavefolder leitete – sie verliehen Glanz, Obertöne und einen unverkennbaren Westküsten-Charakter. Das Ergebnis ist eine Synth-Stimme, die nicht einfach alte Paradigmen imitiert, sondern den Spieler einlädt, in magnetische Resonanz einzutauchen und die Grenze zu stimmen, an der Kontrolle fast entgleitet. Für Suchende nach neuen Nebeln in der Synthese ist Generate nicht nur ein Werkzeug, sondern ein Terrain.
Ohren vor Zahlen: Intuitives Design
Im weiteren Gespräch enthüllt Gillespie einen Wandel in der Designsprache von Newfangled Audio: vom Zurschaustellen technischer Raffinesse hin zu Werkzeugen, die sich so natürlich anfühlen wie ein Atemzug. Frühe Plugins entstanden aus der Faszination für neue Algorithmen und Hörmodelle, doch bald rückte das Nutzererlebnis in den Mittelpunkt. Rückmeldungen von Mastering-Engineers – jenen mit Händen tief im Mix – entfachten einen neuen Fokus: Der Prozess soll intuitiv sein, das Ohr führen.
Dies kulminiert in Plugins wie Fixate Mid-Range, wo Adjektive zu Aktionen werden – „de-honk“, „de-harsh“, „de-mud“ – und komplexe psychoakustische Wissenschaft in einladende Makroregler verpackt wird. Unter der Oberfläche hört die Software zu, analysiert und schlägt vor, doch die Bedienoberfläche bleibt eine Leinwand für Instinkt statt ein Labyrinth aus Parametern. Dieser Ansatz ist zutiefst technisch und zugleich ganz menschlich, denn der Zauber eines guten Mixes liegt nicht nur in der Mathematik, sondern darin, wie Klang auf unserer Haut landet und in Erinnerung bleibt.

"Den meisten Leuten ist die Technologie gar nicht so wichtig, sondern vielmehr, wie sie damit einen guten Sound bekommen."
© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)
Zwischen Kunst und Algorithmus: Die Entwicklung der klanglichen Vorstellungskraft

"Je mehr Zeit du kreativ verbringst, desto mehr Ideen hast du, desto mehr kreative Möglichkeiten entstehen."
© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)
Gillespies Weg ist ein ständiges Austarieren – zwischen der Eleganz des Engineerings und der Wildheit des kreativen Impulses. Seine Reflexionen über Eventide, modulare Synthese und die Unberechenbarkeit von Live-Performances zeigen ein Leben, das sowohl nach Strenge als auch nach Risiko strebt. Er spricht über den Druck kommerzieller Produktzyklen, die Versuchung, endlos zu perfektionieren, und die Notwendigkeit, manche Projekte als unfertige Skizzen, geheime Nebel auf der Festplatte, ruhen zu lassen.
Das Gespräch schweift ab zu Gemeinschaft, persönlicher Praxis und der Rolle von Angst in der Kreativität. Gillespies Einsichten spiegeln die modulare Welt wider: Das Case ist nie fertig, das Schaffen immer im Fluss. In Software wie im Leben, so legt er nahe, geschieht die wahre Innovation, wenn wir mutig genug sind, loszulassen – wenn wir das Unbekannte betreten und darauf vertrauen, dass jedes Experiment, jeder Klanggeist, uns etwas Wesentliches über das Hören und das Sein lehrt.
Die Einladung: Tiefer treiben
Dieses Gespräch mit Gillespie ist ein offenes Feld – eine Einladung zum Erkunden, Experimentieren und zum Hinterfragen der Grenzen zwischen Technologie, Kunst und Herz. Für alle, die mehr wollen, ist das vollständige Video ein Reservoir an Einsichten, Anekdoten und stillen Offenbarungen. Manche Texturen, Philosophien und Momente magnetischer Resonanz lassen sich nur durch die Luft spüren, die sie vibrieren. Lass dies die Schwelle sein – überschreite sie, höre genau hin und lass dich vom kreativen Prozess tiefer ins Unbekannte ziehen.
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