Schon mal gefragt, wie cineastischer Industrial-Wahnsinn eigentlich live auf der Bühne entsteht? Metamyther, bekannt für dreiteilige Industrial-Epen, schleppt uns durch die Unterwelt des Modular-Performens mit einem gnadenlos ehrlichen Rig-Breakdown. Vergiss Modular-Mystik – hier geht’s um Kabel, Cases und echte Tricks, damit deine Synths live funktionieren (oder es zumindest vortäuschen). Wer wissen will, welche Module ein Jahr voller Gigs überleben und welche wie ein mieser DJ zur Sperrstunde rausfliegen, ist hier richtig. Und manche Tricks muss man einfach gesehen haben – also nicht nur lesen, sondern das Video anschauen.

9. Juni 2026
JET
Metamythers Modular-Chaos: Live-Rig seziert und zerlegt
4C's Oscillator, Arturia Keystep, Bohm Kick, Cosmic Debris Reverb and Delay, Debil, Desmodus Reverb, Double Aliyah, Entumbra, FEG, iDumb, Lacrymaveriso, OXI, PAMs, Quadrat 1U, Sample Drum, Stereo Field, Traffic, VicX, Warp Core, Zadar, Zoom L6
Vom Berliner Chaos zur Overhead-Cam: Wie sich das Rig entwickelt hat
Metamyther macht kein Geheimnis aus der Entwicklung seines Modular-Rigs – direkt zu Beginn werden wir in die Post-Berlin-Gig-Realität geworfen, mit einem Breakdown, der so ehrlich ist wie ein abgestandenes Pint. Das sogenannte Support-Case hat sich seit letztem Jahr keinen Millimeter bewegt und übernimmt die langweiligen, aber essenziellen Aufgaben: Ein Keystep schickt MIDI an ein OXI, und ein Zoom L6 Mixer/Recorder hält alles zusammen. Wer hier Glamour erwartet, wird enttäuscht.
Spannend wird’s erst beim Modular-Case selbst – eine Groovebox auf Steroiden, kein wackeliges Wissenschaftsprojekt. Der Ansatz ist brutal einfach und priorisiert, was live wirklich gespielt und malträtiert wird. Der 4C’s-Oszillator bekommt den Penthouse-Platz, während die wichtigen Ausgänge oben rechts verschwinden, damit wertvoller Platz für die Module bleibt, die richtig verdroschen werden müssen. Hier herrscht eine Hierarchie: Die untere Reihe ist das Synth-Äquivalent zur Kneipentoilette – nötig, aber da will keiner bleiben.

"Hier gibt es so eine Art Hierarchie, will ich sagen, wobei oben rechts der zweitbegehrteste Platz ist."
© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)
Schlauer patchen, nicht härter: Strategische Modulplatzierung

"Wenn du dein Case vorbereitest, denk an deine meistgenutzten Module und schieb sie in die Ecken, wo du am leichtesten drankommst."
© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)
Hinter dem Patch-Chaos steckt Methode – und Metamyther hat sie perfektioniert. Module, die ständig angefasst werden müssen, landen in den Ecken und oben – 4C’s, Debil, VicX – während der Bohm Kick, der meist brav bleibt, nach unten verbannt wird. Das ist nicht nur Ergonomie, sondern Überlebensstrategie für Handgelenke und Nerven mitten im Set.
Beim Patchen geht’s um Fail-Safes und darum, die Finger von empfindlichen Reglern zu lassen. Quadrat 1U wacht über den Bank-Knopf, damit man nicht versehentlich ein fein gestimmtes Intervall ruiniert. Die Ausgänge vom 4C’s werden für maximale Kontrolle geroutet, Stereo-Field-Module liefern Envelope- und Filter-Drama, und der Zadar sorgt für Bewegung – Stillstand gibt’s hier nicht (schon gar nicht beim Sound). Drum-Triggers laufen durch den iDumb für köstliches Ratcheting, während Sample Drum alles von Snares bis zu zerhackten Hi-Hats übernimmt. Ein Patch-System gebaut für Chaos – aber mit genug Leitplanken, damit der Zug nicht entgleist.
Vorprogrammieren: Die Punk-Methode für Kontrolle
Metamyther hat keinen Bock auf endlose Jam-Sessions – das Set war tight, weil jede Sequenz vorprogrammiert war. Drei Sequencer steuern die Melodie-Stimmen, ein vierter die Drums, und die Patterns sind linear angeordnet für eine Performance ohne Firlefanz. Farb-Codes zeigen sofort, welcher Part voll ist und welcher dünn, und für ein freches Solo bleibt trotzdem Platz, wenn die Stimmung passt. Es geht nicht darum, Spontaneität zu killen – sondern zu verhindern, dass das ganze Set wie ein durchgebrannter Lautsprecher im Wäschetrockner klingt.

"Ich habe Bass- und Lead-Patterns programmiert, die zusammenpassen, und musste dann nur noch die Reihe triggern und wusste, dass sie synchron laufen."
© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)
Letztes Jahr vs. dieses Jahr: Ein echtes Gear-Scharmützel

"Es ist wie bei einem Fußballtrainer, der überlegt, welche Spieler er aufs Feld schickt."
© Screenshot/Zitat: Metamyther (YouTube)
Wer denkt, Modular-Rigs seien statisch, hat Metamythers Ansatz nie gesehen – nichts ist perma-gepatcht, das Setup ändert sich schneller als du dein Pint leerst. Letztes und dieses Jahr sind die Cases randvoll mit 24 Modulen, aber nur etwa die Hälfte überlebt die jährliche Auslese. Module auswählen ist wie eine Fußballmannschaft aufstellen: alte Stammspieler in Blau, neue Talente werden unter Druck getestet. Die Deadline eines Gigs ist gnadenlos, aber der beste Weg, um wirklich zu lernen, was die Kisten können.
Manche Module bleiben, andere werden getauscht oder aufgerüstet. Der Bohm Kick ersetzt die sperrige DASPROM/Polydactyl-Kombi und schafft Platz für mehr Unfug. Der VicX bleibt mit dem Lacrymaveriso gepaart, und mit dem Entumbra sind die Ausgänge endlich ohne Kabelsalat gebändigt. Selbst das Multi-Effekt-Modul flog raus – zu viel Menü-Gewühle, zu wenig Spaß. Wer wissen will, welche Module überlebt haben und welche rausgeflogen sind, muss schauen – denn der wahre Sound dieses wandelnden Monsters lässt sich nicht auf Papier bannen.
Module auswählen für Industrial-Chaos
Metamythers kreativer Prozess ist herrlich unprätentiös: Nimm, was funktioniert, probier das B-Team aus, und lass den Druck eines Live-Gigs dich zwingen, schnell besser zu werden. Oft kommen die besten Ergebnisse von Modulen, die man kaum versteht – die einzige Regel: Es muss weitergehen. Wer Inspiration sucht, sollte zusehen, wie diese Module zu cineastischem Industrial-Chaos gezähmt werden – manches muss man einfach hören, um’s zu glauben.
Zum YouTube Video:
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