Wer denkt, die Eurorack-Welt sei nur eine weitere Wurstfabrik, hat sich geschnitten. Im Signal Sounds Podcast setzen sich die Synth-Zauberer aus Glasgow mit Fletcher von Forge-TME zusammen – dem verrückten Kopf hinter dem Vhikk X, dem Modul, das gerade alle Patchkabel zum Glühen bringt. Von DIY-Lockdown-Anfängen über Superbooth-Chaos bis hin zum existenziellen FOMO globaler Vorbestellungen: Dieses Gespräch zieht den Vorhang hinter einem der meistgehypten Synth-Voices der letzten Jahre zurück. Freu dich auf Geschichten über algorithmische Kaninchenlöcher, Community-Wahnsinn und warum Knappheit nicht immer ein Marketing-Trick ist. Wer wissen will, was den Vhikk X wirklich ausmacht (und warum man wahrscheinlich keinen bekommt), sollte sich diese Bunker-Lektüre nicht entgehen lassen.

11. Juni 2026
SPARKY
Signal Sounds spricht über Vhikk X: Der Kult um Forge-TMEs Sonic Street Weapon
Geburt einer Straßenwaffe: Ursprung und Design des Vhikk X
Fletcher von Forge-TME ist kein typischer Synth-Designer – kein Stammbaum, keine Konzernkarriere, sondern pure Küchen-Gig-Mentalität und ein Mathe-Studium auf Umwegen. Der Vhikk X begann als Lockdown-Nebenprojekt, zusammengezimmert aus Service-Manual-Know-how, DIY-Geist und einer Vorliebe für abgefahrene Sounds. Fletcher gibt zu, dass die Anfangstage vor allem daraus bestanden, kaputte Synths zu reparieren, genug Geld für einen Octatrack zusammenzukratzen und buchstäblich beim Löten zu lernen – vom Electro-Live-Set direkt zum Modular-Design.
Der Vhikk X selbst sticht heraus, weil er sich nicht um klassische Synth-Voice-Kategorien schert. Fletcher beschreibt ihn als Synth-Voice mit Effekten – ohne interne Modulationsquellen, du bist eingeladen, dein eigenes Modulationschaos mitzubringen. Das Interface? Offen, ein bisschen mysteriös und kompromisslos auf Makro getrimmt. Die Regler sind absichtlich vage, weil jeder Algorithmus sie anders verdreht – du sollst dich im Klangwald verirren. Wer ein Modul mit klarer Beschriftung sucht, ist hier falsch – es geht ums Erlebnis, nicht ums Handbuch.

"Ich beschreibe es als eine Synth-Voice mit Effekten, aber ohne jegliche Modulation."
© Screenshot/Zitat: Signal Sounds (YouTube)
Superbooth: Rave-Zelte, Migräne-Zonen und Guerilla-Demos

"Du führst exakt dasselbe Gespräch hunderte Male."
© Screenshot/Zitat: Signal Sounds (YouTube)
Superbooth ist nicht einfach eine Gear-Messe – es ist ein ausgewachsenes psychologisches Experiment, besonders wenn man drei Tage lang denselben Pitch wiederholt. Fletchers erster Superbooth-Besuch war eine Initiation durch Klangfeuer: Stand mit Instruo und Glasgow Synth Guild, Migräne-Zelte ausweichen und Campstuhl-Kommune genießen. Vergiss polierte Demos; hier war Kopfhörer-Pflicht, alles lief frei Schnauze und die Hälfte der Besucher wusste nicht mal, was der Vhikk X eigentlich macht.
Für einen Deep Dive ist das nicht der richtige Ort, aber Fletcher genoss das direkte Feedback – Austausch mit Usern, anderen Machern und ein Crashkurs in der Modular-Sippe. Klar, mit drei Speaker-Stacks hört man eigentlich nichts richtig, aber es geht um das Chaos und die Community. Wer das echte Festival-Madness-Feeling und den Vhikk X in freier Wildbahn erleben will, muss die Episode schauen – kein Text kann die Migräne-Zonen angemessen wiedergeben.
Algorithmus-Apokalypse: Was kommt als Nächstes für den Vhikk X?
Der Vhikk X war nie als statisches Modul gedacht. Fletcher arbeitet an einer fetten Ladung neuer Algorithmen, die noch wildere Texturen und amorphere, akusmatische Sounds versprechen – weniger ‚versteckte Synth-Voice‘, mehr ‚Alien-Landschaft‘. Das Update ist kein Vaporware; Fletcher steckt tief in den DSP-Gräben, lernt ständig dazu und lässt sich nicht hetzen, nur um schnell Kasse zu machen. Die ersten Algorithmen waren laut Fletcher selbst ‚Gaffa-Lösungen‘, aber die neue Generation soll die ursprüngliche, schräge Vision endlich einlösen.
Aber erwarte kein Instant-Gratification – die Herausforderung ist nicht nur das Coden, sondern das Treffen dieses schwer fassbaren Sweet Spots. Fletcher hat eine ganze Bibliothek an Mapping-Kurven, interner Randomisierung und eine Prise glücklicher Zufälle hinter jedem Patch. Wer die blutigen Details wissen will, muss selbst Hand anlegen – der Weg von A nach B ist genauso wild wie die Ziele.

"Ich habe immer noch das Gefühl, diese Vision nicht ganz umgesetzt zu haben."
© Screenshot/Zitat: Signal Sounds (YouTube)
Scarcity Games: Hype, FOMO und der Fluch der Beliebtheit

"Ich mag es nicht, dass es quasi sein ganzes Leben lang auf Vorbestellung war."
© Screenshot/Zitat: Signal Sounds (YouTube)
Über den Vhikk X zu reden, ohne die berüchtigte Knappheit zu erwähnen, geht nicht. Fletcher ist ehrlich – er hat nie mit so viel Nachfrage gerechnet, und das ganze Vorbestellungsdrama ist eher logistischer Albtraum als cleveres Marketing. Jede Charge wird sofort verschlungen, das Angebot kommt kaum hinterher. Die Glasgow Synth Guild produziert jetzt, aber das ist keine Mega-Fabrik – nur ein paar Synth-Verrückte, die so schnell löten wie es geht.
Signal Sounds und Forge-TME sind offen: Es gibt keinen geheimen Stapel unverkaufter Vhikk X-Module. Es ist einfach gnadenloses FOMO, unberechenbare Teileknappheit und eine Lieferkette im Schneckentempo. Die ehrliche Wahrheit? Fletcher dachte, er würde hundert Stück bauen – jetzt reitet er die Welle, dankbar und leicht verwirrt. Für manche ist die Jagd der halbe Spaß, für andere ein existenzieller Modular-Krisenherd.
Modular-Solidarität: Community, Kollaboration und das Anti-Hype-Modell
Die Modular-Szene ist kein Haifischbecken – sondern ein loses Netzwerk aus Einzelkämpfern, kleinen Läden und freundlichen Rivalen, die dir auch mal das Konkurrenzmodul empfehlen, wenn es besser passt. Fletchers Weg ist klassisch: von der Community gepusht, von Shops wie Found Sound unterstützt und jetzt tief im Glasgower Synth-Mafia-Netz dank Signal Sounds und Glasgow Synth Guild. Hier herrscht brüderliche Unterstützung, kein Konkurrenzkampf.
Das Anti-Hype-Prinzip ist echt: keine Influencer-Welle, kein YouTube-Overkill. Fletcher lässt lieber die Community die Content-Lücke füllen – und genau das hat den Kultstatus noch befeuert. Es gibt Pläne für Kollaborationen, neue Modul-Ideen und die Freude am Spagat zwischen Kunst und Technik – plus all den existenziellen Spaß, Fehler zu machen, DSP von Grund auf zu lernen und nie zu wissen, wo der nächste glückliche Unfall hinführt. Wer sehen will, wie Underground-Modular-Kultur aussieht, wenn sie dir nicht alle fünf Sekunden was andrehen will, bekommt hier eine Meisterklasse.
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