WaldorfMusicChannel taucht tief in das Microwave 1 Plug-in Version 2 ein, eine Software-Neuauflage ihres legendären Hybridsynths. CTO Rolf Wöhrmann zeigt, wie Wavetable-Synthese und analoge Filteremulation in die DAW-Welt gebracht werden und dabei Vintage-Charakter mit modernen Workflow-Verbesserungen verbinden. Wir beleuchten die Architektur – von der erweiterten Polyphonie über den neuen Preset-Browser bis hin zur Multi-Part-Bearbeitung – alles zugeschnitten auf die Bedürfnisse heutiger Digitalmusiker. Im Fokus stehen kreative Sequencing- und Performance-Features sowie das weiterentwickelte Interface, das komplexe Klanggestaltung erleichtert, ohne den ursprünglichen Microwave-Sound zu verlieren.

27. Juni 2026
LYRA
WaldorfMusicChannel Microwave 1 Plug-in v2: Hybridsynthese neu gedacht
Hybridsynthese für das DAW-Zeitalter
Das Microwave 1 Plug-in wird als digitale Wiedergeburt des klassischen Hybridsynths von Waldorf vorgestellt, der charakteristische Wavetable-Synthese mit analoger Filteremulation direkt für moderne DAWs kombiniert. Rolf Wöhrmann erläutert zu Beginn die zweigleisige Update-Strategie: kostenlose Workflow-Verbesserungen und ein kostenpflichtiges 2.0-Soundengine-Upgrade. Damit wird ein Produkt präsentiert, das seine analog-digitale Herkunft respektiert, aber für zeitgemäße Produktionsumgebungen optimiert ist.
Von Anfang an steht fest: Der Charakter des ursprünglichen Microwave bleibt erhalten, während die digitale Flexibilität von heute genutzt wird. Die Plug-in-Umgebung ermöglicht eine tiefe Integration in Workstation-Setups und macht Hybridsynthese nicht nur für Hardware-Fans, sondern auch für rein digitale Setups zugänglich. Waldorf positioniert das Plug-in als Werkzeug für Nostalgiker und als Plattform für moderne kreative Klangforschung.
Erweiterte Polyphonie: Das Voice-Card-Prinzip
Der größte architektonische Sprung in Version 2 ist die Erweiterung von 8 auf bis zu 32 Stimmen, umgesetzt über ein virtuelles „Voice-Card“-System. Dies spiegelt das modulare Voice-Board-Konzept der Original-Hardware wider: Stimmen werden in Achterblöcken hinzugefügt, um die Mikro-Timing-Eigenheiten und Lebendigkeit des Originals zu bewahren. Anstatt einfach die Stimmenzahl digital zu erhöhen, simuliert Waldorf das tatsächliche PCB-Stacking und erhält so die subtilen Timing-Variationen und Controller-Interaktionen zwischen den Karten.
Der Workflow-Gewinn ist erheblich: Nutzer können dynamisch mehr Voice-Cards für komplexe Multis oder polyphone Arpeggiatoren zuweisen und so die Ressourcen des Instruments flexibel skalieren. Es geht nicht nur um rohe Polyphonie, sondern um die Emulation des ursprünglichen architektonischen Verhaltens in einer Softwareumgebung – mit dem Ziel, die klangliche DNA auch bei moderner Weiterentwicklung zu erhalten.

"Sie haben ein inhärentes Mikro-Timing, das die Lebendigkeit des Originalinstruments ausmacht."
© Screenshot/Zitat: Waldorfmusicchannel (YouTube)
Round Robin und Random Robin: Kreative Trigger-Modi

"Wenn ich auf Round Robin gehe, werden die Instrumente der Reihe nach getriggert."
© Screenshot/Zitat: Waldorfmusicchannel (YouTube)
Version 2 bringt neue Wiedergabemodi – Round Robin und Random Robin – die die Möglichkeiten für Klanggestaltung und Sequencing deutlich erweitern. Diese Modi erlauben es, dass Noten und Trigger in Multi- oder Layer-Patches zyklisch oder zufällig auf Instrumenten-Parts verteilt werden, was für lebendige Texturen und dynamische Performances sorgt. Die Demonstration zeigt, wie jede Instrumenten-Layer der Reihe nach oder zufällig getriggert werden kann – ein Konzept, das an Funktionen aus Waldorfs Iridium- und Quantum-Serie erinnert.
Dazu kommt der polyphone Arpeggiator – global und pro Part verfügbar – der komplexe, polyrhythmische Strukturen ermöglicht. Nutzer können für jeden Part eigene Arpeggiator-Algorithmen, Step-Längen und Modi einstellen, was zu ineinandergreifenden Mustern führt. Die Kombination aus fortgeschrittenen Trigger-Modi und flexibler Arpeggiation macht das Microwave 1 Plug-in zu einem kreativen Werkzeug für Studio-Sequencing und Live-Improvisation.
Preset-Browser: Navigation im Klangarchiv
Ein großes Plus in Sachen Bedienbarkeit ist der komplett überarbeitete Preset-Browser. Nutzer können jetzt effizient durch klassische Factory-Bänke, Multi-Sounds, User-Bänke und neue Soundsets – darunter frisches Material von Chuck Zwicky – navigieren. Die Oberfläche unterstützt Favoriten-Markierung, schnelle Auswahl und das Entfernen aus den Favoriten, ohne das Ursprungs-Preset zu löschen – ideal für Exploration und Kuration.
Das Suchfeld sticht hervor: Es ermöglicht das schnelle Auffinden von Sounds nach Name oder Stichwort, bankübergreifend. Für User-Presets gibt es Direktfunktionen wie Kopieren, Umbenennen, Duplizieren, Löschen und sogar Export über das Dateisystem. Der Browser bringt echten Mehrwert für alle, die große Soundbibliotheken verwalten oder im Studio schnellen Zugriff brauchen – und schließt eine Lücke früherer Versionen.
Workflow-Verbesserungen: Undo, Multi-Edit und simultane Part-Kontrolle
Das Editieren wird durch Multi-Level-Undo/Redo deutlich komfortabler: Über eine schwebende Historie lassen sich alle letzten Parameteränderungen nachvollziehen und gezielt rückgängig machen oder wiederherstellen – ein Muss für tiefgehende Klangarbeit. Multi-Editing von Instrumenten-Parts ist jetzt intuitiver: Mit Shift-Taste oder einem eigenen Modus können Parameter über alle Parts gleichzeitig angepasst werden – ideal beim Layering.
Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen relativer und absoluter Multi-Bearbeitung: Änderungen können entweder alle Parts auf denselben Wert setzen oder bestehende Verhältnisse beibehalten. Besonders praktisch für Parameter wie Filter-Cutoff oder Envelope-Zeiten in Multis – und das Undo-System erfasst diese Bearbeitungen als einen zusammenhängenden Schritt. Die Workflow-Verbesserungen fördern schnelles Experimentieren und komplexes Sounddesign ohne Menü-Tiefen oder wiederholte Eingaben.

"Wenn ich einfach über Undo fahre, sehe ich alle meine Bearbeitungsschritte."
© Screenshot/Zitat: Waldorfmusicchannel (YouTube)
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